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Ein Kommentar
Oh Captain, mein Captain - Schalkes emotionaler SuperGAU

(Foto: dpa)
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Gelsenkirchen – Seit einer Woche gibt es auf Schalke kaum noch ein anderes Thema: Ex-Kapitän „Benni“ Höwedes verlässt nach 16 Jahren in Königsblau den Verein und wechselt zum italienischen Doublesieger Juventus Turin. Susanne Hein-Reipen weint ihm nicht nur eine dicke Träne nach und glaubt, dass Schalke wesentlich mehr verliert als nur einen vielseitigen Abwehrspieler.

Viel, sehr viel ist in den vergangenen Tagen über die Schalker Nummer 04 geschrieben worden. Kaum ein Text kam dabei ohne die Vokabeln „Weltmeister“, „Identifikationsfigur“ oder „langjähriges Urgestein“ aus. Alles richtig – und doch bestenfalls die halbe Wahrheit. Wer wissen will, was der Junge aus Haltern, der seit 2001 die Fußballschuhe für Schalke schnürte, für den Verein wirklich bedeutete, muss den Fans aufs Maul schauen. „Benni Höwedes, Höwedes! Benni Hö-we-des!!!“ skandierten die Schalkefans in Hannover sowohl vor als auch nach dem Spiel lautstark, dazu erschien ein großes Banner „Respektvoller Umgang mit einem verdienten Spieler“. Eine Geste, von der andere Spieler nach der Verlautbarung von Abwanderungsgedanken nicht einmal mehr träumen durften.

Das Geheimnis der tiefen Zuneigung der Schalker zu ihrem langjährigen Captain ist nicht die absolute sportliche Unersetzbarkeit des kopfball- und zweikampfstarken Innenverteidigers, der auch auf rechts und links aushalf, wenn es brannte. Es ist auch nicht nur die Vereinstreue, auch wenn 16 Jahre im heutigen Fußballgeschäft schon eine „echte Hausnummer“ sind und Aussagen wie „Die Kohle geht, die Kumpel bleiben. Ich habe den Vertrag mit pochendem Herzen unterschrieben.“ oder „Titel mit Schalke sind schöner als Meister mit Bayern“ natürlich rund ums Berger Feld nur allzu gerne gehört werden.

 

2009 war das... Benedikt Höwedes jubelt nach einem Tor gegen Bremen. (Foto: dpa)
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(Foto: Hein-Reipen)
(Foto: Hein-Reipen)
(Foto: Hein-Reipen)

Nein, es ist viel mehr: Höwedes hat es im Fußballgeschäft, das vielen Fans nur noch als durchgeknalltes Milliardenspiel vollkommen abgehobener Protagonisten erscheint, geschafft, authentisch und sympathisch zu bleiben. Protzkarre? Fehlanzeige, Höwedes suchte sich als Sponsorenfahrzeug einen VW Beetle aus. Modelfreundin mit Instagram-Nacktselfies? Pustekuchen, Benni ehelichte Jugendfreundin Lisa, genauso bodenständig wie er. Batman-Jubel, Gier nach immer mehr, nach dem berühmten „nächsten Schritt“?  Nicht bei Höwedes. Dafür ließ er sich oft fit spritzen für den Verein und verschob noch in der Rückrunde der vergangenen Saison eine überfällige Leisten-OP in die Sommerpause, um die Ausfallzeit gering zu halten. Zähne zusammenbeißen und sich in den Dienst der Mannschaft stellen kann  kaum einer so gut wie Höwedes. „Benni ist ein Spieler, für den das Wir immer größer ist als das Ich.“ attestierte ihm Norbert Elgert. Für viele Schalker war Höwedes in dem zunehmend als Marketingzirkus empfundenen Business DIE Verkörperung des Kumpels und Malochers schlechthin. Im Nachhinein erscheint seine erste Amtshandlung als Schalke-Kapitän – mit dick verbundener Rübe den gegen „Lüdenscheid“ gewonnenen Supercup entgegennehmen – als geradezu prophetisch für seine sechsjährige Amtszeit.

Höwedes behandelt alle Fans von der Omma bis zum Ultra gleichermaßen freundlich und nie von oben herab und wurde als einer der ganz wenigen Spieler gleich mehrfach aufs Vorsängerpodest gebeten. Beim Auswärtsspiel in Mainz stellte er sich in der vergangenen Saison in die Schalker Kurve, ohne Extrawurst, VIP-Bändchen oder Aufheben. Und: Nie jubelte ein Schalker schöner über einen Derbysieg. Der „völlig losgelöste“ Höwedes verdiente sich ein Prädikat, das Schalker nicht erst seit dem „Sündenfall Neuer“ höchst selten vergeben: Der Benni, das ist einer von uns. Bämm!

 


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Und genau deshalb ist es für viele Schalker ein emotionaler SuperGAU, wenn dieses gefühlte Familienmitglied unter mindestens merkwürdigen Umständen erst als Kapitän abgesägt und dann für eine vergleichsweise niedrige Summe ziehen gelassen wird wie ein x-beliebiger Söldner. Auch wenn man über das sportliche Für und Wider des Wechsels der Binde bis zum St. Nimmerleinstag streiten kann und alleine vergangene Meriten keine ewige Stammplatzgarantie bedeuten dürfen: Das Mindeste wäre es gewesen, Höwedes‘ Verdienste für Schalke angemessen wertzuschätzen. Selbst wenn man der Auffassung ist, dass derzeit andere Abwehrspieler die Nasen vorn haben und besser zur Dreierkette passen: Muss man die Entscheidung über das Kapitänsamt treffen, wenn Höwedes nach der Operation noch nicht wieder bei 100 % angelangt ist? Und: Muss ein Trainer, der noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum rannte, als Höwedes bereits für Schalke am Ball war, dann noch „Reisende soll man nicht aufhalten“ hinterherschicken?

11freunde weist zu Recht darauf hin, dass keiner genau weiß, was zwischen Tedesco und Höwedes im Einzelnen besprochen wurde. Vielen Schalker ist es aber auch auf gut ruhrpöttisch gesagt furzegal, ob es ein echter Affront gegen „unseren Benni“ war oder bei ihm auch eine Portion gekränkte Eitelkeit und Verletztheit eine Rolle spielt. Das Ergebnis „Höwedes ist weg“ tut der großen Mehrheit der Schalkefans schlicht in der Seele und der Magengrube weh – und wird Heidel und Tedesco noch böse um die Ohren fliegen, wenn die Saison enttäuschend verläuft oder die ihm vorgezogenen Abwehrspieler ausfallen oder mies kicken. Schalker sind verdammt treu und nachtragend, wenn sie jemanden einmal ins Herz geschlossen haben.

Aber selbst im günstigsten Fall – Schalke spielt eine tolle Saison, Bennis Träume erfüllen sich in Italien – bleibt Wehmut über einen Verlust, der zu diesem Zeitpunkt und in dieser Form nicht hätte passieren müssen, nein, nicht hätte passieren dürfen.

Viel Glück, Captain“ Was auch immer passiert: Dein Platz in den königsblauen Geschichtsbüchern und Herzen ist Dir sicher…


 


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