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Mitgliederversammlung 2017
Schalke will Wahlausschuss reformieren: Schaden für die Vereinsdemokratie?

Mitglieder stimmen auf der JHV ab... (Foto: Hein-Reipen)
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Gelsenkirchen – Die Mitgliederversammlung des FC Schalke wirft ihre Schatten voraus. Ein Punkt hat in den vergangenen Tagen für einige Diskussionen gesorgt: die Reform des Wahlausschusses. Susanne Hein-Reipen erklärt, was dahinter steckt und was die Änderungen für Folgen haben.

Schalker Mitgliederversammlungen genießen spätestens seit den turbulenten 1980er Jahren bundesweite Aufmerksamkeit. Sonnenkönige, Drei-Tages-Präsidenten, markige Sprüche, Bier - für Unterhaltung war immer gesorgt. In der jüngeren Vergangenheit wurde kein alkoholhaltiger Gerstensaft mehr ausgeschenkt, äußerst hitzige Debatten beispielsweise über die „Magath-Klausel“, den „Viagogo-Beschluss“ oder die Wiederwahl des AR-Vorsitzenden Clemens Tönnies gab es dennoch.

Auch in diesem Jahr zeichnet sich eine erbitterte Auseinandersetzung zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und Ehrenrat einerseits und weiten Teilen der Fanszene andererseits ab. Der Grund: Ein hochexplosiver Satzungsänderungsantrag.

Was steht drin?

Der gemeinsame Antrag aller Vorstands-, Aufsichtsrats-, Ehrenrats-, Ehrenpräsidiums- und Sportbeiratsmitglieder möchte die Besetzung des Wahlausschusses ändern: Statt 7 bzw. 8 von der Mitgliederversammlung gewählten Mitgliedern soll dieser künftig aus 10 Personen bestehen -  5 direkt gewählten Mitgliedern und 5 von den Antragstellern benannten bzw. entsandten Mitgliedern. Die fünf Gewählten sollen eine Amtszeit von zwei Jahren haben, die Benannten von einem Jahr, wobei sowohl Wiederwahl als auch mehrfache Benennung möglich ist.

Wie lautet die Begründung?

In der offiziellen Begründung des Antrags im Vereinsmagazin „Schalker Kreisel“ Nr. 22, S. 63 wird darauf hingewiesen, dass der Wahlausschuss über die Zulassung der Kandidaten zum Aufsichtsrat entscheide und damit eine Schlüsselfunktion innerhalb des Vereins habe. Deshalb sei es wichtig, dass neben der Mitgliederversammlung auch die übrigen Vereinsgremien gleichberechtigt bei der Auswahl der Mitglieder des Wahlausschusses beteiligt seien. Die Beteiligung der übrigen Vereinsgremien stelle sicher, dass deren Anliegen repräsentiert werden; die gemeinsame Verantwortung fördere die Stabilität des Wahlausschusses.

Die von den Gremien benannten bzw. entsandten Mitglieder seien „Experten mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen“. So könne beispielsweise der Ehrenrat die Integrität der Kandidaten am besten beurteilen, der Vorstand ihre wirtschaftliche Kompetenz und der Experte des Aufsichtsrats, „inwiefern Kandidaten in die bestehende Struktur passen“ und sich in den bestehenden Aufsichtsrat integrieren können. Die Vertreter der Mitgliederversammlung hingegen seien „qualifiziert, über die Beziehung der Kandidaten zur Fankultur zu befinden“.

In einem mehrseitigen Interview verweisen auch die beiden Aufsichtsratsmitglieder Dr. Buchta und Köllmann darauf, dass der Wahlausschuss bei seinen Entscheidungen von den „unterschiedlichen Perspektiven der Gremien“ profitieren könne. Mit diesem Schritt trügen „also alle Gremien gemeinsam die Verantwortung für die Entscheidung des Wahlausschusses.“

Was sagen die Gegner des Antrags?

Thomas von web04.de nennt den Antrag nur den „Erdogan-Antrag“, weil dieser sich wie der türkische Präsident demokratisch nenne, aber nur dafür sorge, dass die bestehenden Führungsstrukturen ein für alle Mal zementiert würden. Die Mitglieder könnten nur noch über Nuancen der vom Aufsichtsrat vorgelegten Vorschläge, nicht aber über die Ausrichtung des Vereins oder gar größere Visionen, was aus Schalke werden solle, abstimmen.

Die Antragsteller beanspruchten „mal eben schlappe 50 % des Wahlausschusses für sich selbst“. Zudem könne der ohnehin durch die Kontrolle des Vorstands und der personellen Besetzung der übrigen Vereinsorgane sehr mächtige Aufsichtsrat künftig noch massiven Einfluss darauf haben, wer überhaupt zur Wahl des Aufsichtsrats kandidieren darf.

„Dieser Versuch ist nicht weniger als der Versuch, das letzte Gremium des Vereins, auf das der jetzige Aufsichtsrat keinen Einfluss hat, auch noch mitzubestimmen. Der Mitgliederversammlung traut man offenbar nicht zu, linientreu abzustimmen.“ Kritiker des Kurses des Aufsichtsrates hätten per se keine Chance zur Kandidatur mehr, die bereits im Aufsichtsrat sitzenden Kritiker dürften bei einer folgenden Wahl gar nicht erst kandidieren. So entstehe ein „selbstbefruchtendes System“, in dem sich Aufsichtsrat und Vorstand selber die Kandidaten aussuchen, die den bisherigen Kurs im Sinne der bisherigen Amtsträger weiterführen.

Im Dezember 1994 wurde Schalkes neue, seinerzeit richtungsweisende Vereinssatzung beschlossen und Aufsichtsrat sowie Wahlausschuss eingeführt. Die Grundidee dahinter war, dass ein direkt gewählter Präsident bzw. Vereinsvorstand alleine die rasant steigenden Anforderungen nicht mehr bewältigen konnten. Und dass es wohl keine schlechte Idee sei, Spontankandidaturen, bei denen sich zu später und bierseliger Stunde plötzlich der Kandidat mit dem coolsten Spruch („für Dortmund haben wir uns zu meiner Zeit nicht einmal umgezogen!“) auf dem Präsidentenstuhl wiederfand, auszuschließen.   

In den seither vergangenen 23 Jahren erledigte der jeweils für drei Jahre gewählte Wahlausschuss die Aufgabe, die Aufsichtsratskandidaten vorzufiltern, mehr oder minder geräuschlos. Die beruflichen Qualifikationen seiner Mitglieder reichten dabei vom Dachdecker bis zur Hochschulprofessorin. Gelegentlich gab es Ärger abgelehnter Bewerber, mit Prof. Zech wurde auch schon einmal ein amtierendes Mitglied nicht zur Wiederwahl zugelassen. In der Fanszene verfestigte sich so der Eindruck, der zum Teil mit sehr vereinsnahen/fanclubverbandsangehörigen Mitgliedern besetzte Wahlausschuss lasse keine kritischen Kandidaten durch.

Wahlausschuss kapern..?

Vor den Wahlen 2011 kam das Gerücht auf, „die Fans“ wollten den Wahlausschuss kapern und den „Marsch durch die Institutionen“ antreten. Es wurden u. a. ein bekennender Ultra sowie ein Mitglied des Supportersclubs in das Gremium gewählt, das in seiner Amtszeit u. a.  Axel Hefer zur Wahl stellte. Diesen Tendenzen wollte der Verein bei der nächsten Wahl 2014 ein Ende bereiten und initiierte die Kampagne „Starkes Schalke“, mit der unverhohlen und einseitig nur die vereins- und SFCV-nahen Kandidaten beworben wurden. Der Schuss ging spektakulär nach hinten los und führte dazu, dass sechs der sieben 2014 gewählten Mitglieder nicht von dieser „Vereinsliste“ stammten, sondern verschiedenen Fanorganisationen angehörten bzw. gänzlich unorganisiert waren.

Dieser Wahlausschuss sorgte mit seiner ersten Personalentscheidung 2015 für einen Paukenschlag: Die beiden amtierenden Aufsichtsräte wurden nicht zur Wiederwahl zugelassen, stattdessen gab es vier neue Kandidaten, von denen es Dr. Andreas Horn und Thomas Wiese in den Aufsichtsrat schafften. Soweit der Öffentlichkeit bekannt ist, stellten diese gemeinsam mit Axel Hefer einige langjährige Übungen des Aufsichtsrats und die sehr dominierende Rolle seines Vorsitzenden in Frage.

Vor der JHV 2016 eskalierte der Streit öffentlich in gegenseitigen Schuldzuweisungen und Ehrenratsverfahren. Clemens Tönnies wurde zur Wiederwahl zugelassen und gewählt und schlug noch auf dem Podium die ausgestreckte Hand von Dr. Horn aus. Seitdem ist weder über das Klima im Aufsichtsrat noch ein etwaiges Ende des Ehrenratsverfahrens etwas an die Öffentlichkeit gedrungen. Zugleich wurde eine Reform des Wahlausschusses dahingehend beschlossen, dass künftig 8 (statt 7) Mitglieder) rollierend für jeweils 4 Jahre gewählt werden, um „Umsturzwahlen“ und den kompletten Austausch des Wahlausschusses mitsamt des Erfahrungswissens zu verhindern.

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