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Wahlausschuss-Debatte
SPAM oder: Schalker Panik als Mail

Die Veltins-Arena auf Schalke. (Foto: Schulte)
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Gelsenkirchen – Der FC Schalke will da was am Wahlausschuss drehen... das Gremium arbeitet irgendwie nicht so, wie es der Verein gerne möchte. Stefan Sablotny schaut sich das für uns mal an...

Kuriositäten findet man ja häufiger im E-Mailpostfach. Lukrative Finanztransaktionen von Dr. General Okomwango aus Nigeria, esoterische Treffen mit einsamen Hausfrauen und als Cross-Selling-Ansatz direkt die brandneuesten medizinischen Präparate zum Thema, ähem, Kabelverlängerung. Ende letzter Woche erreichte die Schalker Mitglieder eine Mail vom S04. Informationen zur Mitgliederversammlung. Bestimmt ein dröger Inhalt.

Die Erfahrung des Vor-Mitgliederversammlungs-Geplänkels lehrt aber: Schalke wäre nicht Schalke, wenn nicht mal wieder mit dem Brennspiritus am Holzkohlegrill der Provokation experimentiert wird. Das Nackenschlagsteak muss ja gut durch sein. Von Vereinsseite dabei mit Vorliebe durch Maßnahmen, um gewünschte Stimmungsbilder zu erzeugen und Meinungen zu suggerieren. Merkt ja bestimmt keiner. Mit den Möglichkeiten und Reichweitenvorteilen natürlich ein faires Verhalten. Bislang hat das zwar nur suboptimal funktioniert. Slapstickkenner erinnern sich zum Beispiel mit kopfschüttelndem Schmunzeln an das vor wenigen Jahren propagierte und grandios in die Buchse gegangene Stimmenfang-Projekt „Starkes Schalke“. Geld für Notting Hill, aber Schalke als Schwarzgurtträger der Kohleverschwendung hat ja einen Ruf zu verteidigen. Haut raus, Kameraden, Haut raus. Aber wer weiß: Steter Tropfen höhlt vielleicht auch mal den Uli Stein.

So nun auch in einer kleinen, unscheinbaren Mail.

Salbungsvolle Worte der Einführung zum Thema Aufsichtsratswahl und Wahlausschuss. Und dann wird es glitschig. Auf der Schmierigkeitsskala so zwischen CR7-Pomade, FIFA-Funktionär und dem Händedruck eines Spielerberaters. Die Gaukler schubsen das Verarsch-Karussell mit Schwung an, inklusive schaurigem Propagandavideo, Drehbuch und Regie hätte sogar Uwe Boll abgelehnt.

In einem verschleierndem Pseudo-Diplomatenduktus wird so zwischen den Zeilen deutlich Position bezogen: Der Wahlausschuss taugt nix und wir müssen den Bumms wieder selbst in Beschlag nehmen.

Ein klarer und respektloser Schlag ins Gesicht des aktuellen Wahlausschusses, immerhin ein Organ unseres Vereins. Schade. Leitbildende Kumpel- und Malocherklub-Appelle mit traurigem Gesicht sind von Seiten der Verantwortlichen scheinbar nur willkommen, wenn diese zum eigenen Schutz dienen.

Das Anschreiben des FC Schalke...

Na gut: Vielleicht hätte eine Bestandsaufnahme zum Thema Aufgabengerechtwerden mit Blick auf die letzten Jahre der weiteren Organe Vorstand, Aufsichtsrat und Ehrenrat die zulässige Mailgröße überschritten.

Beim Ehrenrat beispielsweise klingelt ja mittlerweile auch eher der Gassenhauer „Aber scheiß drauf, gerichtlich einkassierte Ehrenratssanktionen sind nur einmal pro Jahr!“ im Ohr. Und schalala, ne?

Als Bonus haben die Mailverfasser geschickt zwischen dem eigenen Wappen die Logos der drei größten Fanorganisationen in die Mail gekleistert. Zwar unter einem anderen textlichen Inhalt, aber wer nicht genau liest, die Hintergründe nicht kennt: Eine clevere optische Suggestion, dass selbst die verschiedenen Fangruppierungen hinter dem Satzungsänderungsantrag stehen.

Doch was steckt jetzt dahinter? Ist doch nur eine E-Mail, oder? Das vermutlich Tragischste ist einfach: Die Erfahrung der letzten Jahre lehrt, dass der Vertrauensdispo gegenüber den Verantwortlichen bereits rotgefärbt beim Inkassobüro liegt.

Filz, Kumpanei, verkrustete Strukturen sind schon länger ein wunderbares Biotop für die Schalker Verantwortlichen, um im Verein kritikfrei und ohne große Anstrengung schalten und walten zu können. Doch binnen der letzten Jahre hat sich das geändert. Die Mitglieder sind informierter, kritikbereiter, wollen Ihre Mitbestimmung im Verein leben. Besonders in Zeiten von Auslagerungen vieler Fußballabteilungen, nicht mehr zu ertragender Kommerzialisierung des Fußballs. So will gerade der Schalker sich seine Andersartigkeit bewahren und dafür kämpfen. Und deutlich schlug sich dieser Aspekt in den letzten Wahlen für den Wahlausschuss nieder.

Der Wahlausschuss ist für die Verantwortlichen auf Schalke seitdem ein unkalkulierbares Risiko. Warum? Weil er seit drei Jahren nicht mehr wie zuvor kontrollierbar ist für die Schalker Würdenträger. Nicht mehr kontrollierbar von denen, die ja kontrolliert werden sollen und nicht mehr kontrollierbar von denen, die für eigentlich die Kontrolle zuständig sind. Keine Abhängigkeiten, keine Seilschaften. Köpfe mit eigenen Meinungen und Vorstellungen von Schalke.

Wat ne Scheiße!

Das nun auftretende Gebaren der Schalker Würdenträger ist verhaltenstechnisch fast schon nachvollziehbar: Mehrheitlich wollen Menschen doch Ruhe. In Ruhe arbeiten, in Ruhe nachdenken, in Ruhe irgendwas machen. Und idealerweise: Nie auf Fehler angesprochen zu werden. Weiterwurschteln. Doch dann kommen immer Leute, die nerven: Chefs. Nervensägen. Revisionäre. Nervensägen. Polizisten mit Geschwindigkeitskontrollen. Nervensägen. Steuerfahnder. Hör bloß auf. Schwiegermutter, Ehefrau. Nerven, nerven, nerven. Kann ich nicht meine Ruhe haben? Und dann reiben die einem immer unter die Nase, wenn man Mist baut. Furchtbar. Warum nicht Ruhe? Einfache Lösung, Ruhe haben. Nicht anders wird es den Verantwortlichen gehen. Ist ja auch blöd, wenn es konstant Schalker gibt, die Dinge anders sehen, Kritik üben und andere Wege beschreiten möchte. Nervensägen halt. Dazu kommt ab einer gewissen Position das klassisch-historische Motiv des Machterhalts und der Über-Überzeugung der Korrektheit des eigenen Handelns.

Fazit dieses psychologischen Exkurses: Ärgerlich alles für die Vereinsverantwortlichen, diese dämliche Mitsprache, Demokratie und Meinungsvielfalt. Für die einen im Vorstand oder Aufsichtsrat vielleicht weniger, für manch Anderen aber richtig. Besonders, wenn man es sonst nicht gewohnt ist, seine Macht zu teilen oder Widersprüche zu erhalten. Schweinehälften sind ja kaum für Protestbewegungen bekannt. Um nun im tierischen Metier zu bleiben: Wie kriegt man also die Kuh jetzt bloß vom Eis und die blöden Mitgliederesel vor den Karren gespannt?

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