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Ein Schalke-Kommentar
Was spricht eigentlich für Markus Weinzierl?

(Foto: dpa)
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Gelsenkirchen – Auf Schalke brennt nach dem Grottenkick in Amsterdam und der peinlichen Niederlage bei Tabellenschlusslicht Darmstadt mal wieder der Baum. Susanne Hein-Reipen wirft einen Blick auf die königsblauen Konfliktherde…

Lange Zeit war es verdächtig ruhig in Gelsenkirchen. Trotz des gründlich misslungenen Saisonstarts mit fünf Auftaktniederlagen und immer wieder erschreckend schwachen Auftritten unter anderem in Hamburg, Mönchengladbach und Bremen und den Heimspielen gegen Ingolstadt, Frankfurt und Hoffenheim bewahrten sowohl die Fans als auch die Vereinsführung um den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies Ruhe. Sogar die traditionell in Bezug auf Schalke gerne von „Chaos“ oder „Skandal“ schreibenden Medien hielten weitgehend die Füße still und lobten die neue Schalker Geduld.

Doch der enorme Vertrauens- und Hoffnungsvorschuss, den viele Fans dem sportlichen Führungsduo Christian Heidel und Markus Weinzierl gewährt haben, ist weitgehend aufgebraucht. Die Spiele sind oft unansehnlicher und punktemäßig weniger erfolgreich als unter Weinzierls geschassten Vorgängern Keller oder Breitenreiter. Auch die Einkaufspolitik von Manger Heidel stößt zunehmend auf Unverständnis: Wieso werden beispielsweise für Yevhen Konoplyanka, der es oft nicht einmal in den Kader schafft, mehrere Millionen in die Hand genommen? Gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis haben von den zehn Neuzugängen, die er zu verantworten hat, bislang nur Naldo und Burgstaller vollends überzeugen können. Bentaleb zeigt Licht und Schatten, bei Coke und Embolo ist zu hoffen, dass sie nach ihren langwierigen Verletzungen wieder zu alter Stärke finden.

Noch saurer stößt vielen Schalke-Fans das Auftreten des Trainers auf, der scheinbar jegliche Selbstkritik vermissen lässt. Ein Eingeständnis, die falsche Aufstellung, Taktik oder Wechsel gewählt zu haben? Fehlanzeige. Schuld sind immer die Spieler, die seine Vorgaben und den Masterplan „nicht umgesetzt haben“.  Oder der Gegner, der sich doch tatsächlich erdreistet, stärker aufzutreten als man ihn erwartet hat. Oder der Manager, der keine „besonderen Spieler“ wie Lewandowski, Modeste oder Aubameyang verpflichtet hat. Oder die Schiedsrichter. Oder das Verletzungspech. Oder das Wetter. Aber nie, wirklich nie Markus Weinzierl selber.

Es ist kein Zufall, dass es rund um den Trainer an vielen Stellen knirscht. Heidel dürfte über Weinzierls Ansage, Schalke habe andere Ansprüche als Mainz, zu recht wenig begeistert gewesen sein. Alt-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar, dem Weinzierl oft nicht einmal mehr einen Kurzeinsatz gewährt, giftete ungewohnt offen, er werde sich nicht in den Kader schleimen. Max Meyer wurde von ihm nach dem verlorenen Pokalspiel in München als Einziger öffentlich scharf kritisiert, obwohl die ganze Mannschaft indisponiert war. Und in der letzten Woche bekam Kapitän Höwedes, der die mutlose Körpersprache beim pomadigen Auftritt gegen die schnelle Ajax-Sturmreihe kritisiert hatte, öffentlich sein Fett ab: Das habe er, Weinzierl, ganz anders gesehen. Und überhaupt, er habe doch von allen Spielern Videos gezeigt, so dass es hätte klar sein müssen, dass schnelle Spieler wie Traoré oder Younes den Unterschied ausmachen können: „Es wäre wünschenswert, dass immer alle Vorgaben 1:1 umgesetzt werden!“

Vielleicht ist Markus Weinzierl entgangen, dass sich frei nach Jean Paul Sartre bei einem Fußballspiel alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft verkompliziert? Und dass ein guter Trainer nicht nur Autorität zur Um- und Durchsetzung seiner Anweisungen braucht, sondern auch flexibel reagieren können muss, wenn das Spiel z. B. durch ein frühes Gegentor oder eine überraschende Taktik des Gegners einen anderen Verlauf nimmt als vermutet?

Clemens Tönnies hat sein selbstauferlegtes Schweigegelübde gebrochen und sich klar hinter Christian Heidels Umbaumaßnahmen und das Spielerscouting gestellt. Zu Weinzierl hingegen gab es die Ansage, dass er manche schlechte Spiele und die fehlende Konstanz nicht verstanden habe und im Rückspiel gegen Amsterdam ein völlig anderes Auftreten erwarte. Eine klare gelbe Karte.

Die meisten Schalke-Fans hingegen sind mittlerweile mindestens bei „gelb-rot“ angekommen, am Sonntag brüllten die Anhänger in Darmstadt sich auf dem Zaun den Frust von der Seele. Auffällig ist: Schalke hat in den letzten Jahren nahezu alle Trainertypen von jung bis erfahren, Kumpel bis „harter Hund“ gehabt. Und jeder hatte seine Anhänger und Gegner: An Stevens haben die Fans die Malochermentalität geschätzt, an Rangnick die Spielidee; Magath wurde für seine eiserne Hand und unbedingte körperliche Fitness geschätzt, Keller für den Einbau zahlreicher junger Spieler aus der Knappenschmiede. Hört man hingegen zur Zeit im Stadion oder sozialen Medien in Trainerdiskussionen von Schalkern hinein, können selbst diejenigen, die gegen einen Rauswurf Weinzierls sind, kein Argument nennen, warum gerade er der richtige Trainer sein soll. Aussagen wie „wer soll es denn sonst machen, wir hatten doch schon alles?“ oder „die ständigen Trainerrauswürfe bringen uns doch nicht weiter!“ zeugen weit mehr von einem allgemeinen Wunsch nach Stabilität und Kontinuität als besonderem Vertrauen in Markus Weinzierl.

Weinzierl steht bislang weder für einen bestimmten Spielstil noch Erfolge noch einen guten Umgang mit jungen Spielern noch Verständnis für die Befindlichkeiten rund ums Berger Feld. Bisher ist er den Beweis schuldig geblieben, dass er „Schalke kann“. Wenn nicht mindestens eins der anstehenden Spiele gegen Amsterdam und Leipzig überzeugend gewonnen werden kann, ist die königsblaue Saison endgültig für die Tonne. Und Markus Weinzierl reif für die so oft beschworenen „Gesetze des Marktes“:  Rauswurf.


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