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Themenwoche VfL Bochum
Pro Ausgliederung: Interview mit Wilken Engelbracht

(Foto: VfL Bochum 1848)
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Seit 2014 ist Wilken Engelbracht beim VfL Bochum verantwortlich für die Finanzen. Im westline-Interview verrät er, warum er den Vereinsmitgliedern empfiehlt, am Samstag für die geplante Ausgliederung zu stimmen.

Herr Engelbracht, wie groß ist die Anspannung vor der nun anstehenden Mitgliederversammlung?

Engelbracht: Im Sinne, dass wir gespannt sind, wie viele Mitglieder zur Jahreshauptversammlung erscheinen: sehr hoch. Ansonsten wird man aktuell, nicht zuletzt durch Interviews wie dieses hier, immer wieder daran erinnert, dass eine sehr wichtige Entscheidung für den VfL Bochum naht. Sicherlich eine er wichtigsten Entscheidungen der Vereinsgeschichte. Insofern ist auch das Ergebnis der Abstimmung eines, das wir mit großer Spannung erwarten.

Kann man in etwa bemessen, wie viel Zeit und Energie Sie und ihre Mitstreiter in das Projekt Ausgliederung bereits gesteckt haben?

Engelbracht: Wir haben das Thema vor einem Jahr angestoßen und sind seitdem immer tiefer in die Detailarbeit gegangen. In Prozenten könnte ich es nicht ausdrücken, wie viel mich bzw. uns diese Aufgabe in Anspruch genommen hat. Aber es verging in den letzten Monaten kaum ein Tag, an dem das Thema nicht irgendeine Rolle gespielt hat.

Sie haben in den letzten Wochen und Monaten viel für die Idee der Vereinsführung geworben. Waren Sie überrascht, wie konstruktiv die Mitglieder insgesamt darüber diskutiert haben?

Engelbracht: Nicht nur überrascht, sondern auch sehr stolz. Wir wussten ja auch, wie hart und zum Teil auch unfair dieses sicherlich immer auch emotionale Thema in anderen Vereinen in den letzten Jahren diskutiert wurde. Egal wie die Abstimmung am Samstag nun ausgehen mag, der gesamte Prozess war eine richtig gute Werbung für die offene und respektvolle Fan- und Mitgliederkultur in unserem Verein. Mit oder ohne Ausgliederung: So muss das Miteinander in Bochum auch bleiben.

Glauben Sie, den Mitgliedern ihre Befürchtungen mittlerweile weitgehend genommen zu haben?

Engelbracht: Das Feedback, das wir nach den Informationsveranstaltungen und der Diskussionsrunde hatten, war sehr positiv. Aber ich sag’s frei raus: Wir brauchen am Samstag 75% der gültigen abgegebenen Stimmen. Das ist ein verdammt dickes Brett. Ich bin schon von Natur aus ein optimistischer Typ, aber wir werden bis zum Schluss um jede Stimme werben und kämpfen müssen. Denn eins ist klar: Die Kritiker der Ausgliederung werden bei der Mitgliederversammlung vor Ort sein. Wichtig ist, dass wir die breite Basis, die aus meiner Sicht mehrheitlich für unseren Vorschlag stimmen wird, auch wirklich zur Wahl kommt. Das wird letztendlich stark über den Ausgang entscheiden.

Sie persönlich sind quasi zum Frontmann des „Wahlkampfes“ geworden, haben sich auch mehrfach mit den Ausgliederungsgegnern zusammengesetzt. Inwieweit konnten Sie die Argumente und Bedenken der anderen Seite nachvollziehen?

Engelbracht: Die Behauptung der Kritiker, dass unser Verein im Falle einer Ausgliederung die Kontrolle in fremde Hände legen würde, kann ich sachlich nicht nachvollziehen. Dieses angebliche Risiko haben wir in unserem Modell der Ausgliederung vertraglich ausgeschlossen. Der Verein wird immer zu 100 % die Kontrolle über die Besetzung der Geschäftsführung und somit über das operative Tagegeschäft behalten. Als Verein geben wir also keine Kontrolle ab und wir nehmen auch kein geliehenes Geld, das uns auf irgendeine Art und Weise, Stichwort „1860 München“, von außen unter Druck setzen könnte.

Einen kritischen Aspekt kann allerdings niemand hundertprozentig ausschließen, nämlich dass ein möglicher Partner zwar vertraglich keine bestimmende Einflussnahme hat, sich aber in irgendeiner Form öffentlich so äußert, dass es uns missfallen könnte. Das ist aber bei Gesellschaftern in der Bundesliga eher die Ausnahme – wer kennt schon namentlich die ruhigen und diskreten Partner in Vereinen wie Augsburg, Eintracht Frankfurt oder Hertha BSC? Absolut ausschließen kann man so ein Szenario aber natürlich nie. Letztendlich muss jedes stimmberechtigte Vereinsmitglied also zwischen diesen Risiken persönlich abwägen: Das Risiko, dass ohne eine Ausgliederung die Chance für einen VfL-Aufstieg zukünftig extrem abnimmt im Vergleich zu dem zuvor beschriebenen Risiko, dass ein möglicher Partner sich öffentlich zu Themen unabgestimmt äußern könnte.

Warum ist eine Ausgliederung aus ihrer Sicht überhaupt notwendig?

Engelbracht: Der neue TV-Vertrag wird die Kräfteverhältnisse im Profifußball, und auch in der 2. Liga, in den kommenden Jahren stark verändern. Die Verteilungsschere der TV-Gelder geht weiter auf. Durch die neue Verteilung der TV-Gelder wird ein Szenario wahrscheinlicher, in dem zukünftig ein fester Kreis aus ca. 22 Vereinen die Plätze in Liga 1 sowie die Aufstiegsplätze in Liga 2 unter sich ausmacht. Für alle anderen Vereine wird es zunehmend schwerer werden, zu diesen „Top-22-Vereinen“ zu zählen und als Zweitligist um den Aufstieg mitzuspielen. Wir könnten die zukünftige Wettbewerbssituation natürlich so akzeptieren, dann müssen wir aber auch so ehrlich sein und dürfen den Aufstieg nicht mehr zukünftig als realistisches Ziel ausgeben. Oder wir schaffen es, mit der Ausgliederung einen Partner zu finden, der uns in den kommenden Jahren die Möglichkeit gibt, um dauerhaft zu den Top-Vereinen in der 2. Liga zu zählen, die mit ihrem Anteil an den TV-Geldern eine echte Chance haben, um den Aufstieg mitzuspielen.

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