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Andreas Gerberich kommentiert

Die VfL-Kolumne 47: Die Wundertüte VfL

06. Dezember 2011 07:50 Uhr von Andreas Gerberich | Quelle: westline

Eine Klatsche in Braunschweig, ein Offensiv-Lauf wie gegen Aue... der VfL hat zwei Gesichter, wie Andreas Gerberich findet. In seiner Kolumne macht er sich auf die Suche nach der "Wundertüte VfL"...

Nachdem wir alle nach der deutlichen 0:4 Klatsche in Braunschweig restlos bedient waren, zeigte unser VfL am vergangen Sonntag ein völlig anderes Gesicht. Er beherrschte den Gegner aus dem schönen Erzgebirge nach Belieben, und zeigte sich vor allem in der Offensive mit bisher ungeahnter Durchschlagskraft.

Natürlich ist solch ein deutlicher Sieg Balsam auf die geschundene VfL-Fanseele. Es tut gut, das eigene Team mal wieder tollen Offensivfußball spielen zu sehen - und das auch noch erfolgreich. Trotzdem bleibt, zumindest bei mir, angesichts der zuvor gezeigten "Leistungen" ein fader Beigeschmack zurück. Deshalb erscheint es mir unerlässlich, einer wichtigen Frage auf den Grund zu gehen: Wie kann es sein, dass eine professionelle Fußballmannschaft zwei so unterschiedliche Gesichter hat?

Die Einstellung

Jeder, der das Heimspiel gegen Aue aufmerksam verfolgt hat, konnte von der ersten Sekunde an eine stark veränderte Körpersprache bei den Kickern aus Bochum erkennen. Wo in den letzten Wochen noch hängende Schultern einen leicht ängstlichen und verunsicherten Eindruck hinterlassen hatten, zeigte sich die Truppe vergangenen Sonntag agressiv und absolut fokussiert.

Schon in den ersten Zweikämpfen wurde dem Gegner klargemacht, dass hier um jeden Zentimeter Rasen gekämpft werden würde. Eine Einstellung, wie man sie sich als Fan eigentlich an jeden Spieltag wünscht; und von Profis auch erwarten können sollte.

Diese veränderte Haltung unserer Elf legte den Grundstein für den tollen Sieg. Warum dies erst nach zahlreichen, wirklich bitteren Niederlagen möglich war, wird wohl das Geheimnis der Mannschaft bleiben.

Das System / Die Aufstellung

Im Gegensatz zu unserem ehemaligen Trainer Friedhelm Funkel legt Andreas Bergmann offenkundig Wert auf attraktiven Offensivfußball. Auch wenn in dem einen oder anderen Spiel das Potenzial aufblitzte, lief das Team in seinen Offensivbemühnungen den Erwartungen regelmäßig weit hinterher. Doch woran könnte das liegen? Schließlich wird dem VfL von den meisen Experten eine zumindest überdurchschnittlich hohe Qualität in diesem Bereich zugeschrieben.

Meiner Meinung nach liegt die Ursache in einer Mischung aus System und Aufstellung. Andreas Bergmann lässt den VfL in einem 4-4-2 System mit Mittelfeldraute und Doppelspitze auflaufen.

Natürlich ist dieses System auf einen zentralen, spielbestimmenden Mittelfeldregisseur zugeschnitten, der die Bälle verteilen und somit für Gefahr sorgen soll. In unserem Fall heißt dieser Spieler Takashi Inui und macht seine Sache bisher recht gut.

Doch das alleine reicht nicht aus, um dauerhaft Druck auf die gegnerische Defensive ausüben zu können. So benötigt eine funktionierende Offensive auch Durchschlagskraft über die Außenbahnen.

Und genau hier haben wir das aktuell größte Problem des VfL Bochum. Mit Dabrowski und Federico besetzen zwei, zumindest nominell, für diese Position eher ungewöhnliche Spielertypen die offensiven Außenbahnen.

Und so überrascht es auch nicht, dass beide, ihrem Naturell gemäß, immer wieder nach innen ziehen. Ihnen fehlt einfach die nötige Spritzigkeit und Grundschnelligkeit, um sich mal außen im eins gegen eins durchzusetzen, und eine vernünftige Flanke an den Mann bringen zu können. Gleichzeitig führt ihr Ausweichen nach innen dazu, dass der Raum sehr eng wird, was wiederum die Möglichkeiten des zentralen Mittelfeldspielers stark einschränkt.

Da es im Moment, aufgrund der Verletzung von Mimoun Azaouagh und der scheinbaren Formschwäche von Oguzhan Kefkir, an vernünftigen Alternativen im Mittelfeld zu mangeln scheint, erfordert die aktuelle Spielweise des VfL dringend offensivstarke Außenverteidiger, die sich aktiv in das Angriffsspiel einschalten.

Genau das machte am vergangenen Sonntag den Unterschied.

Toskis Sahnetag

Mit Faton Toski, der zugegebenermaßen einen absoluten Sahnetag erwischt hatte, war das Spiel über den linken Flügel so effektiv wie noch nie in dieser Saison. Zusätzlich hatte Toskis Einsatz den erfrischenden Nebeneffekt, mal einen Spieler auf dem Platz zu haben, der in der Lage ist, einen Freistoß oder einen Eckball so zu treten, wie man das von einem Profi erwarten können sollte.

Die Umstellung auf der linken Seite war somit schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn der Nikolaus jetzt noch einen starken Rechtsverteidiger, der kein all zu großes Loch in den bescheidenen Etat reißt, für uns im Sack hätte, bestünde in der Zukunft durchaus die Möglichkeit auf eine dauerhafte Verbesserung der spielerischen Lage.

Allen VfL-Fans schon jetzt eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit.




Der Autor: Andreas Gerberich (hier mit Dariusz "Darek" Wosz)

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Das nächste Spiel...

Für den VfL Bochum geht es jetzt in die Sommerpause.

Der Sommerfahrplan

15. Juni Trainingsauftakt am rewirpowerSTADION (14 Uhr)
17.-282. Juni  1. Trainingslager in Willingen
23. Juni - 1. Juli trainingsfrei
2. Juli Beginn der 2. Vorbereitungsphase
22.-27. Juli 2. Trainingslager in Barsinghausen
28.-29. Juli Saisoneröffnung am rewirpowerSTADION
3.-6. August 1. Spieltag 2. Bundesliga
17.-20. August 1. Hauptrunde DFB-Pokal

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