printlogo
Maja Keuc singt für Slowenien.

Europas TV-Event - Was am Grand Prix fasziniert

12. Mai 2011 18:21 Uhr von Von Olivia Konieczny, dpa

Düsseldorf (dpa) Jedes Jahr aufs Neue, seit mehr als fünf Jahrzehnten: Unbekannte Künstler singen Lieder, die man nicht kennt, in Sprachen, die man häufig nicht versteht.

Dann eine ewig lange Punktevergabe, bis sich irgendwann am späten Abend endlich ein Gewinner abzeichnet. Das ist der Eurovision Song Contest (ESC), wie die Europäer ihn kennen. Und wie sie ihn sehen wollen.

Geschätzte 120 Millionen Zuschauer werden am Samstag wieder vor ihren Fernsehern sitzen, um das Song-Spektakel live mitzuerleben. Doch warum eigentlich? Was ist das Geheimnis, das diesen Musikwettbewerb seit so vielen Jahren in so vielen Ländern Europas so erfolgreich macht? Darüber lässt sich spekulieren - und forschen.

Musik-, Sprach- und Kulturwissenschaftler setzen sich seit Jahren mit dem Phänomen Song Contest auseinander. Am Donnerstag - zwei Tage vor dem großen Finale - kamen ESC-Forscher und -Experten aus der Praxis an der Fachhochschule Düsseldorf zusammen, um ihre Erkenntnisse zu diskutieren.

Einig waren sich die Fachleute darin, dass der ESC mehr ist als bloß ein Musikwettbewerb. Er sei in Europa ein historisches Ritual geworden - ein Wettbewerb der Nationen, hinter dem der Olympische Gedanke stecke. Und der lautet: Dabei sein ist alles.

«Beim Song Contest darf sich jeder präsentieren. Auch jene, die sonst nicht überall zu sehen sind», sagte Prof. Lars Rademacher von der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation. Während die sogenannten «Big Five» - die fünf gesetzten Länder Deutschland, Spanien, Großbritannien, Frankreich und Italien - auch in anderen Bereichen wie Politik oder Sport eine wichtige Rolle spielen, würden die kleineren Nationen oft nicht wahrgenommen. Der ESC gebe ihnen eine Plattform, sich zu zeigen - und die Möglichkeit, auf großer internationaler Bühne mitzumischen.

Der Contest bekommt so auch eine politische Dimension. «Bei den Ländern der alten Europäischen Union spielt das wohl weniger eine Rolle», sagte der Radiomoderator und ehemalige ESC-Kommentator Tim Frühling. «Aber Länder wie die Türkei oder Aserbaidschan, die sich an Europa annähern wollen, können auf diese Weise zeigen, dass sie auch dazugehören.»

Der ESC stifte nationale und kulturelle Identifikation, sagte Irving Wolther, der zum Thema Grand Prix promoviert hat. «Man fiebert für das eigene Land mit und weiß, dass in diesem Moment ganz viele andere Leute auch vor dem Fernseher sitzen und die Daumen drücken.»

Den Experten zufolge leistet der ESC noch etwas anderes: Kurzfristig kommt eine europäische Öffentlichkeit zustande. «An diesem Abend ist man Teil einer gesamteuropäischen Fernsehgemeinde, man weiß, man sitzt da mit über 100 Millionen Zuschauern zusammen», sagte Wolther. Dieser Gedanke verbinde die Menschen.

Die Düsseldorfer Runde stellte aber auch klar: Langfristig kann der Song Contest den Europa-Gedanken nicht tragen, eine europäische Öffentlichkeit sei außerhalb des Wettbewerbs selten. Allein schon wegen der Sprachbarrieren.


Aserbaidschan gewinnt Eurovision Song Contest

Das Duo Ell/Nicki hat für Aserbaidschan den Eurovision Song Contest gewonnen. Lena belegt den zehnten Platz. Die Höhepunkte der Veranstaltung gibt's hier im Liveticker zum Nachlesen

Geschichte des Grand Prix

Lena Meyer-Landrut

Die Geschichte des Grand Prix

Der Eurovision Song Contest kommt endlich wieder nach Deutschland! Am 14. Mai findet das Finale in Düsseldorf statt. westline wirft einen Blick auf die vergangenen 55 Jahre des Wettbewerbs, der als Grand Prix in den Volksmund einging. ...zum Artikel