Lungenärzte warnen - Passivrauchen nicht unterschätzen
27. September 2012 19:31 Uhr
Karlsruhe (dpa) Eine Stunde in einem Raum, in dem viel geraucht wird, entspricht einer aktiv gerauchten Zigarette. Dennoch wird die Gefahr des Passivrauchens nach wie vor unterschätzt. Ärzte schlagen Alarm.
Die Gefahr des Passivrauchens wird nach Ansicht von Lungenärzten noch immer unterschätzt: In Deutschland sterben jährlich etwa 3300 Menschen, weil sie Zigarettenrauch von anderen ausgesetzt sind. Die Zahl ist vergleichbar mit den Verkehrstoten. «Mehr Schutz für Passivraucher», lautete deshalb der Appell bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (27. bis 29. September), die am Donnerstag in Karlsruhe begann.
«Eine Stunde in einem Raum, in dem viel geraucht wird, entspricht ungefähr einer aktiv gerauchten Zigarette», sagte Johannes Schildge, Chefarzt für Lungenheilkunde an den Karlsruher Vincentius-Kliniken. Gerade für Kinder sei der Qualm eine starke Belastung. Schon wenig Zigarettenrauch könne zu Krankheiten führen.
Schildge forderte einen konsequenten Nichtraucherschutz in der Gastronomie: «Wo Arbeitnehmer betroffen sind, muss es Schutzmechanismen geben.» In den Bundesländern gebe es derzeit sehr unterschiedliche Regelungen für Restaurants, Bars und Kneipen.
Die Fachtagung informiert auch über neue Entwicklungen bei der Lungentransplantation. Bundesweit werden ungefähr 300 Lungen pro Jahr verpflanzt - 550 Patienten stehen auf der Warteliste. Nur jede fünfte Spenderlunge ist für eine Transplantation geeignet. Wissenschaftler verfolgen jetzt einen neuen Ansatz: Anstatt die Spenderlunge nach der Entnahme zu kühlen, soll sie auf Körpertemperatur gehalten werden. «Damit können wir besser untersuchen, ob sich das Organ zur Transplantation eignet», sagte Dirk Wagnetz von der Uniklinik Freiburg. «Wir hoffen, künftig zumindest zwei oder drei von fünf Lungen transplantieren zu können.»
Wagnetz zeigte sich zufrieden mit der neuen Verteilungspraxis bei Spenderlungen. Seit Dezember 2011 kommt es nicht mehr auf die Wartezeit des Patienten an. Stattdessen entscheiden Dringlichkeit und Erfolgsaussichten über die Vergabe.
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