Nada Surf greifen nochmal nach den Sternen
02. Februar 2012 17:53 Uhr von Von Werner Herpell, dpa
Berlin (dpa) Was für ein schöngeistiger Albumtitel: «The Stars Are Indifferent To Astronomy» haben Nada Surf ihre siebte Studioplatte in 15 Jahren benannt.
Dass die Sterne im endlosen Weltall sich nicht um die banale Sternenkunde von uns Menschlein scheren, das mag eine Binsenweisheit sein, aber man muss erstmal drauf kommen und es dann so hübsch ausdrücken.
Als kluge und integre Rockband treten Matthew Caws, Daniel Lorca und Ira Elliot seit ihrem Debüt «High/Low» (1996) auf, und das Ende Januar erneut bei City Slang erschienene neue Album tut dem guten Ruf von Nada Surf keinen Abbruch. Im Gegenteil: Nach einem Cover-Album (2010) und dem matten «Lucky» (2008) - von dem das Label selbst sagt, dass es «ungefähr so sehr rockt wie ein kalter Teebeutel» - ist «Astronomy» eine Riesenüberraschung.
Von der ersten Sekunde des Riff-Bretts «Clear Eye Clouded Mind» an ist das um den Leadgitarristen Doug Gillard und einige Gastmusiker erweiterte Trio voll da. Die Gitarren machen richtig Druck, Caws singt mit heller Jungsstimme so euphorisch wie lange nicht mehr, Top-Produzent Chris Shaw sorgt für einen gewaltigen «Wall of Sound», die Melodien perlen so taufrisch aus den Boxen, wie man es Nada Surf anno 2012 ehrlich gesagt kaum noch zugetraut hatte.
«Wir haben live immer etwas schneller und härter gespielt, aber im Studio waren wir eher vorsichtig», räumt Matthew Caws ein. Bei den aktuellen Aufnahmen - nach langen Jahren mal wieder in New York - räumten Nada Surf «die ganze Nachdenkerei aus dem Weg. Dieses Album zu machen war der größte Spaß den wir je hatten.»
Das heißt natürlich nicht, dass die College-Rocker nun eine Punkband geworden sind, aber die neue Energie und Spielfreude ist doch in jedem der zehn Lieder spürbar. Dabei geht es in diesen entfesselt klingenden Songs voller prächtiger Pop-Hooks vor allem ums Älterwerden, um die Melancholie angesichts der gnadenlos tickenden Lebensuhr, um Reife und Verantwortung. Songtitel wie «When I Was Young», «Teenage Dreams» oder «The Future» sind bezeichnend für die Stimmung dieses wunderbar ausgereiften Albums.
Viele kleine, feine Details machen den Charme von «Astronomy» aus: die Beatles-Harmonien in «Waiting For Something», das herrliche Akustik-Intro von «When I Was Young» (eine Gänsehaut-Powerballade, für die Death Cab For Cutie wohl killen würden), der pumpende Bass von «Teenage Dreams», das Glockenspiel in «Jules And Jim», die dezent eingestreuten, an R.E.M. erinnernden E-Gitarren-Soli, die jubilierende Trompete von Martin Wenk (Calexico) in «Let The Fight Do The Fighting».
Nada Surf sind nach 15 Jahren im Geschäft nicht mehr modisch-hip, aber auch noch nicht legendär. Das macht ihnen bei der Rockkritik das Leben schwer. Auch das neue Album dürfte wieder auf manche Vorurteile oder Desinteresse stoßen. Das wäre schade. Denn mit «The Stars Are Indifferent To Astronomy» greift diese tolle Band nochmal nach den Sternen.
Konzerttermine: 25.2. München, 26.2. Berlin, 27.2. Hamburg, 28.2. Köln
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