Bistümer alarmiert
Sexueller Missbrauch in der Kirche: Verdachtsfall im Bistum Münster
08. Februar 2010 22:39 Uhr von Johannes Loy | Quelle: Westfälische Nachrichten
Münster/Vechta Die Aufregung wegen zahlreicher Fälle sexuellen Missbrauchs durch Patres des Jesuitenordens ist groß. Jetzt wurde ein Verdachtsfall aus dem Oldenburger Münsterland publik: Bei einer Feier mit Jugendlichen hatte ein Kaplan, offenbar unter Alkoholeinfluss, vorgeschlagen, gemeinsam in die Sauna zu gehen.
Die zuständige Kommission des Bistums Münster unter Leitung von Pfarrer Hans Döink teilte am Montag allerdings mit: "Die kirchenrechtliche Voruntersuchung hat den Verdacht auf strafrechtlich zu verfolgenden sexuellen Missbrauch nicht bestätigt."
Einladung in die Sauna
Bei einer Adventsfeier mit Jugendlichen hatte der in Garrel tätige Kaplan offenbar mehr Alkohol getrunken, als ihm guttat. Irgendwann, so äußerte er sich gegenüber der Oldenburgischen Volkszeitung, habe er dann vorgeschlagen, gemeinsam in die Sauna zu gehen.
Da er des Öfteren eine öffentliche Sauna nutze, habe er sich nichts dabei gedacht. Die von ihm angesprochenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen hätten den Vorschlag jedoch offenbar anders verstanden.
Entschuldigung des Kaplans
Zwar fand noch vor Weihnachten ein Gespräch zwischen dem 39-jährigen Kaplan und den Jugendlichen statt. Sie nahmen die Entschuldigung des Kaplans an, blieben allerdings bei ihrer Meinung. Wegen der Vorwürfe beurlaubte Bischof Felix Genn den Kaplan.
Dies wurde am 1. Januar bekannt. "Der Bischof hat entschieden, den Kaplan bis zum Abschluss einer therapeutischen Maßnahme zu beurlauben", hieß es gestern im Abschlussbericht der Kommission, die das Verhalten des Kaplans als "nicht akzeptabel" einstufte.
Danach werde ein weiterer Einsatz zu klären sein. Die Angelegenheit wird auch an die Glaubenskongregation in Rom weitergeleitet.
Momentan gibt es nach Auskunft der Bischöflichen Pressestelle außer diesem Verdachtsfall noch einen weiteren Fall, in dem Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet wurde. Es erging auch ein Strafbefehl.
Zehn Verdachtsfälle bekannt
Seit Gründung der Kommission sind im Bistum Münster zehn Verdachtsfälle gemeldet worden. Nicht alle bestätigten sich. Dort, wo Straftaten vorlagen, hat das Bistum Münster nach eigenen Angaben sogleich Anzeige erstattet, disziplinarische Konsequenzen gezogen und Therapien vermittelt.
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