Das Thema Inklusion beschäftigt die Kollegien der Erich-Kästner- und der St.-Elisabeth-Schule
09. Februar 2012 23:00 Uhr | Quelle: Westfälische Nachrichten
Das Ziel ist definiert: Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen sollen gemeinsam unterrichtet werden. Inklusion heißt das unter Experten. Und meint viel mehr als nur zusammen lernen. „Es geht darum, nicht ausgegrenzt zu werden – und zwar in allen gesellschaftlichen Bereichen.“ Ein Idealzustand, das weiß Claudia Bock, Leiterin der Erich-Kästner-Förderschule an der Gantenstraße. Und doch hält sie den Grundgedanken für richtig und wichtig. Schon seit Ende 2010 können Eltern von Kindern mit Behinderungen in Nordrhein-Westfalen diese an allgemeinen Schulen anmelden.
Wie das im Alltag gehen soll? „Noch gibt es keine rechtliche Grundlage“, erklärt Sabine Schillack, Sonderpädagogin an der Erich-Kästner-Schule. Sie macht gerade eine Weiterbildung zur Moderatorin für das inklusive Schulsystem: „Wir warten auf ein Eckpunktepapier aus Düsseldorf.“ Neu ist das Thema Inklusion für das Erich-Kästner-Kollegium nicht. Bereits seit einiger Zeit gehen Lehrer in die Regelschulen, um Schüler dort im Unterricht zu fördern. Die Landesregierung will das Tempo für den gemeinsamen Unterricht jedoch anziehen. Claudia Bock: „Und das macht uns Sorgen.“ Während an der Förderschule die Therapie in den Unterricht eingebunden ist, wird es in der Regelschule schwer, bei mindestens 23 Kindern auf alle Rücksicht zu nehmen. „Das ist eine große Herausforderung“, sagt Claudia Bock und hat vor allem die Schüler im Blick, die in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung auffällig sind. „Eine gute Förderung braucht Fachpersonal“, appelliert sie an die Landesregierung, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehören auch kleinere Klassen. Ob erziehungsschwer oder sprachverzögert – kaum einem Schüler an der Erich-Kästner-Schule sieht man sein Handicap an. Ein Problem im Umgang miteinander. Claudia Bock: „Vielen fehlt erst einmal das Verständnis.“ Dass es irgendwann einmal keinen Bedarf mehr für die Erich-Kästner-Schule gibt, Claudia Bock und ihre Kollegin Sabine Schillack glauben nicht daran: „Eltern sind durchaus froh, dass ihre Kinder zu einer Förderschule gehen können.“ Zumal das Kollegium der Erich-Kästner-Schule nicht klammert. Sobald sicher ist, dass ein Kind in einer Regelschule zurechtkommt, unterstützen die Lehrer einen Wechsel. Optimistisch was die Zukunft der Förderschule angeht, ist auch Jochen Paus. Altenberges Bürgermeister steht an der Spitze des Schulverbandes. Paus ist Realist. Er rechnet nicht damit, dass 100 Prozent der bisherigen Förderschüler demnächst zu einer Regelschule gehen können. Ihm, wie vielen anderen, fehlen jedoch Informationen: „Bis zum Sommer wissen wir hoffentlich Konkretes.“ 196 Schüler aus Altenberge, Nordwalde, Horstmar, Laer, Ochtrup und Steinfurt besuchen zurzeit die Erich-Kästner-Schule. Das sind sieben weniger als im Vorjahr. Die meisten, 110, kommen aus Steinfurt. Gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen beschäftigt auch Alfred Storck von der St.-Elisabeth-Schule in Burgsteinfurt. Er wartet auf die gesetzlichen Vorgaben. „Ohne die können wir nicht viel machen.“ Um den zum Teil schwer behinderten Elisabeth-Schülern den Unterricht an einer Regelschule ermöglichen zu können, seien die Voraussetzungen entscheidend: „Es genügt nicht, nur dabei zu sein.“
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