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Kinder schützen: Hinsehen

07. Februar 2012 00:00 Uhr | Quelle: Westfälische Nachrichten

Erwachsene stehen im Mittelpunkt, denn sie sind es, die Jugendlichen Alkohol geben – manchmal vorsätzlich, manchmal ahnungslos. Sagt Dr. Peter Lüttmann, Sozialdezernent des Kreises Steinfurt. Er und andere stellten am Montag die Kampagne „Tanzen ist schöner als torkeln“ vor, die weit über die Karnevalszeit laufen wird. Das Ziel: Eine neue Kultur des Hinsehens und des Eingreifens in der gesamten Gesellschaft schaffen.

„Diese Kampagne ist mir als Vater von zwei Kindern – das eine hat im letzten Jahr Abitur gemacht, das andere vor drei Jahren – ein ganz persönliches Anliegen.“ Das sagte am Montagmorgen Landrat Thomas Kubendorf. Alle Eltern, die ihre Kinder von Partys abholten, sähen im Laufe der Zeit immer wieder Jugendliche, die stark betrunken seien. „Man sieht Geschichten, die prägen einen.“ Joachim Jüngst von der „Aktion Selbsthilfe“ erzählte im Kreishaus, dass das jüngste Kind, das wegen einer Alkoholvergiftung im Mathias-Spital behandelt werden musste und ihm mit Einverständnis der Eltern von der Klinik gemeldet worden sei, zwölf Jahre alt war.

„Tanzen ist schöner als torkeln“, so lautet die von Kubendorff, Jüngst und vielen anderen am Montag in Burgsteinfurt vorgestellte Kampagne, die jetzt kreisweit startet. Wobei Kampagne streng genommen nicht das richtige Wort ist: Denn der Einsatz gegen den Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen wird unter der Überschrift „Tanzen ist schöner als torkeln“ nicht irgendwann enden. „Tanzen ist schöner als torkeln“ ist ein langfristig angelegtes Präventionskonzept. Und auch das gilt: „Erwachsene stehen im Mittelpunkt, denn sie sind es, die Jugendlichen Alkohol geben – manchmal vorsätzlich, manchmal auch ahnungslos“, sagte Dr. Peter Lüttmann, Sozialdezernent des Kreises Steinfurt, der neben Thomas Kubendorff saß.

Was also passiert jetzt, damit Erwachsene – ob als Mitglied eines Karnevals- , Schützen- oder Sportvereins, an der Kasse eines Supermarktes oder als Vater oder Mutter – nicht wegschauen?

Es werden nicht nur Plakate und Aufkleber verteilt, die mithelfen sollen, zu sensibilisieren und Erwachsene dazu zu bringen, einzugreifen. In der Stadt Rheine, in der das Konzept seit 2005 greift – sind Männer, Frauen und Jugendliche etwa in Tankstellen gegangen und haben mit den Mitarbeitern dort gesprochen. Tankstellen, die sich dann vorbildlich verhielten, wurden öffentlich ausgezeichnet. So etwas geschieht jetzt auch kreisweit. Und ja, antwortete Diana Besseling vom Jugendamt der Stadt Rheine, wenn ein Kassierer Alkohol an einen 18-Jährigen verkaufe, obwohl er genau sehe, dass vor der Tür des Geschäfts eine Gruppe mit Minderjährigen auf den 18-Jährigen warte, verstoße er gegen das Jugendschutzgesetz.

Alle machten am Montag im Kreishaus aber deutlich, dass es ihnen nicht um Verbote oder Strafe gehe. „Wir müssen eine Kultur des Hinsehens schaffen“, sagte Richard Wiesmann, Leiter des Kommissariats Vorbeugung. Auch Iris Wibbeler vom Jugendamt des Kreises sitzt mit im Team. Die Resonanz der Vereine und Institutionen, die Scheunenfeste, Maifeste ,Schützenfeste oder Schulpartys organisierten, sei hoch. „Nein, da muss man nicht erst Überzeugungsarbeit leisten.“ Wibbeler ist Ansprechpartnerin im Kreis. Erarbeitet worden ist als Einstieg und erste Hilfe eine Mappe für Veranstalter und Organisatoren. Ganz wichtig darin: eine Liste mit „Ihren Ansprechpartnern vor Ort bei der Umsetzung von ,Tanzen ist schöner als torkeln‘ im Kreis Steinfurt.“

Diana Besseling erzählte von einem Film, der zurzeit gedreht werde: Jugendliche spielen an einer Supermarkt-Kasse Szenen, wie sie Alkohol kaufen wollen und versuchen, das Verkaufspersonal auszutricksen. Wie reagiert das am besten? Auch Schulungen zum Jugendschutz, zum Beispiel für Theken-Mitarbeiter, beinhaltet das Präventionsprojekt.


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