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Der Suchtmittelkonsum von Jugendlichen wird regelmäßig in Studien untersucht. Foto: Martin Gerten/ Archiv

Mehr junge Erwachsene betrinken sich

10. Februar 2012 18:34 Uhr

Berlin (dpa) Erstmals seit Jahren besaufen sich junge Erwachsene wieder häufiger bis zum Umfallen - gleichzeitig gibt es so wenige junge Raucher wie seit Jahrzehnten nicht. Das geht aus einer am Freitag in Berlin vorgestellten Studie zur Drogenaffinität Jugendlicher in Deutschland hervor.

Während die Regierung auf mehr Aufklärung setzt, fordert die Hauptstelle für Suchtfragen schärfere Gesetze. Mindestens viermal im Monat tranken sich vergangenes Jahr rund 13 Prozent der 18- bis 25-Jährigen in einen Rausch - nach 12 Prozent im Jahr 2010. Mindestens einmal im Monat betranken sich in dieser Altersgruppe 42 Prozent - ein Plus von drei Punkten.

Die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) betonte, dieser Anstieg in einzelnen Bereichen ergebe noch keinen neuen Trend hin zu mehr Alkoholkonsum. «Wir müssen sehr darauf achten, dass es nicht zu einer Trendwende kommt», mahnte sie aber.

Besonders problematisch ist riskanter Alkoholkonsum bei jungen Männern: Mehr als die Hälfte zwischen 18 und 25 besäuft sich einmal im Monat oder häufiger bis zum Umfallen - es gab ein Plus von fünf Punkten auf 55 Prozent. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hatte 5001 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt.

Auch der regelmäßige, darunter auch mäßige Alkoholkonsum nahm zu - bei den 12- bis 17-Jährigen um mehr als einen Punkt auf 14 Prozent, bei den jungen Erwachsenen sogar um mehr als fünf Punkte auf knapp 40 Prozent. Bei den Jugendlichen sank aber der Anteil derer, die sich mindestens einmal im Monat betrinken, auf 15 Prozent. Zu Beginn dieser Erhebung 2004 waren es noch 23 Prozent.

«Wir haben insgesamt eine positive Entwicklung zu weniger Suchtmittelkonsum», stellte Dyckmans heraus. So ist die Raucherquote unter den Jugendlichen bis 17 Jahren auf einen neuen Tiefstand gesunken: auf 12 Prozent von 28 Prozent zehn Jahre zuvor. Die Raucherquote unter Erwachsenen bis 25 sank von 45 auf 37 Prozent.

Eigentlich ist der Verkauf von Schnaps an Minderjährige und der Verkauf von Bier und Wein an junge Leute unter 16 verboten. Ein generelles nächtliches Verkaufsverbot etwa in Tankstellen, wo sich junge Leute oft eindecken, gibt es bisher nur in Baden-Württemberg.

Dyckmans wollte sich nicht festlegen, ob sie für oder gegen solche Verbote auch in anderen Ländern ist. Die FDP-Politikerin sagte, sie sei gespannt, was bei der derzeitig laufenden Auswertung des seit März 2010 geltenden Verbots im Südwesten herauskomme. Die baden-württembergische Expertin für Suchtvorbeugung, Christa Niemeier, sagte, das nächtliche Verkaufsverbot von Alkohol im Land habe einen großen Beitrag im Kampf gegen Alkohol geleistet.

Einer von zehn 12- bis 25-Jährigen hat binnen eines Jahres gekifft. 2011 gaben nur noch 7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben. Unter jungen Erwachsenen haben zwei von fünf schon einmal Hasch oder Marihuana genommen.

BZgA-Chefin Elisabeth Pott und Dyckmans führten die Rückgänge auf erfolgreiche Prävention zurück. Der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, forderte schärfere Gesetze gegen Alkoholwerbung, eine höhere Besteuerung sowie stärkere Sanktionen bei Schnapsverkauf an Jugendliche. «An der Zigarettenpolitik der vergangenen Jahre sehen wir, wie man wirkliche Effekte erzielt», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Pott kündigte mehr Aufklärung junger Erwachsener in der Party-Szene an. Dyckmans sprach sich für stärkere alterstypische Ansprache aus.

Der Grünen-Experte Harald Terpe bemängelte: «Die mehrfach angekündigte Fortschreibung des Aktionsplans Drogen und Sucht liegt immer noch nicht vor.» Dyckmans habe kein erkennbares Konzept. Der Linke-Drogenexperte Frank Tempel kritisierte, dass die BZgA acht Millionen Euro für die Suchtprävention vom Bund erhalte - aber zehn Millionen von der Privaten Krankenversicherung. «Die Suchtprävention der BZgA befindet damit in unmittelbarer Abhängigkeit der PKV.»


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