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Schlittenfahrt auf der zugefrorenen Außenalster in Hamburg. Foto: Malte Christians

Todesopfer

Klirrende Kälte hat Deutschland im Griff

07. Februar 2012 13:43 Uhr von dpa

Offenbach/Bochum Deutschland zittert weiter in klirrender Kälte: Die Nacht zum Dienstag hat zum Teil Temperaturen um die minus 25 Grad gebracht. Rekordwerte waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aber meist nicht dabei.

In Nordrhein-Westfalen brachte es die Kälte auf Temperaturen bis zu minus 22,5 Grad (in Nettersheim) - was zumindest in NRW nach Messungen des Wetterdienstes Meteomedia für die bislang kälteste Nacht sorgte. Unterdessen wurde bekannt, dass ein 60-jähriger Mann in Münster an Unterkühlung gestorben ist. Er hatte am Wochenende vergeblich versucht, seinen Hund aus einem kleinen Fluss zu retten - und war später im Krankenhaus gestorben.

Polen: Sechs Obdachlose erfroren

Auch in Niedersachsen hat es erneut einen Kältetoten gegeben. Ein 75-jähriger Rentner war bereits vergangene Woche auf einem Feldweg zwischen Husum und Brokeloh in eisiger Kälte gefunden worden. Eine Obduktion habe Unterkühlung als Todesursache ergeben, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag. In Polen ist die Zahl der Kältetoten ebenfalls gestiegen. In der Nacht zu Dienstag erfroren sechs meist obdachlose Menschen, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums in Warschau mit. Damit starben seit Beginn der Kälteperiode allein in Polen 68 Menschen an den Folgen der Kälte.

In Tschechien stieg die Zahl der Kältetoten seit Beginn der Kälteperiode auf 20. In einer Prager Kleingartenkolonie fanden Polizisten am Dienstag die Leiche eines 44 Jahre alten Obdachlosen. Die tiefste Temperatur wurde zuletzt mit minus 24,8 Grad in Sindelova (Schindlwald) im westlichen Erzgebirge gemessen. Bei spiegelglatter Fahrbahn kam es im ganzen Land zu zahlreichen Verkehrsunfällen. In der Gemeinde Kasejovice in Westböhmen rutschte ein Lastwagen in ein Wohnhaus.

Mit Temperaturen um minus 14 Grad war es in Polen am Dienstag zwar nicht mehr so kalt wie in der vergangenen Woche. Mehrere Schulen vor allem in ländlichen Regionen blieben jedoch geschlossen, weil Heizungsrohre in der Dauerkälte kaputt gingen. Der Dauerfrost bremst auch den Fußball im Warschauer Nationalstadion aus: Wegen der andauernden Minustemperaturen seien die polnischen Rasenrollen gefroren und könnten nicht ausgerollt werden, berichtete die «Gazeta Wyborcza» am Dienstag. Nun soll Rasen aus Holland das erste Spiel am Samstag ermöglichen - doch auch der kam angefroren in Polen an.

ADAC im Dauereinsatz

Auf den Straßen in Deutschland ist der ADAC derzeit im Dauereinsatz. In Mecklenburg-Vorpommern haben die Pannenhelfer bei sibirischer Kälte derzeit fast viermal so viel zu tun wie sonst. Die Zahl der Einsätze stieg auf bis zu 811 Hilfseinsätze am Tag, davon 85 Prozent wegen defekter Batterien, teilte der ADAC Hansa am Dienstag in Schwerin mit. Normal seien im Jahresdurchschnitt täglich etwa 225 Einsätze. Am Stettiner Haff im Nordosten des Bundeslandes war am Montag der Rekordwert von minus 29 Grad gemessen worden.

Vor allem in Thüringen, Sachsen und Brandenburg war es laut DWD in der Nacht richtig kalt. Von Osten aufgezogene Bewölkung habe das Thermometer aber nicht noch weiter fallen lassen. Am Dienstag werde tagsüber vielerorts wegen der Bewölkung die Sonne nicht scheinen, sagte die Meteorologin Dorothea Paetzold. Dadurch könnten die Temperaturen am Tag «noch mal weit runter gehen». In Nordrhein-Westfalen erwartet Meteomedia für Mittwoch und Donnerstag wieder ein Ansteigen der Temperaturen auf bis zu null Grad.

Keine Flucht in die Sonne

An Flucht vor der Kälte denken in Deutschland allerdings nur wenige. Trotz der Rekordtemperaturen würden die Menschen nicht scharenweise in den Kurzurlaub in die Sonne fliegen. "Es gibt sicherlich ein paar Menschen, die sich spontan für einen Trip in die Sonne entschieden haben, aber in den Buchungszahlen schlägt sich das nicht signifikant nieder", erklärte Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV) am Dienstag in Berlin.


Spiegelung in blau

Spiegelung in blau

Spiegelung in blau: Ein Passant und ein Ölförderturm spiegeln sich bei Baku (Aserbaidschan) in einer Ölpfütze. Foto: Sergei Ilnitsky