Bundesliga
#BildNotWelcome

Böh. St. Pauli will nicht beim "Bild"-Spuk mitmachen. (Foto: firo sportphoto)
76

Die beiden Bundesligen werben am kommenden Spieltag für eine Flüchtlings-Aktion der "Bild". Das ist problematisch genug, weil für eine eigene Idee offenbar keine Zeit mehr war. Nur der FC St. Pauli hat keine Lust darauf. Und das wiederum passt dem Bild-Chef Kai Diekmann gar nicht.

Mit der Aktion von Bundesliga und Hermes haben sich in den vergangenen Stunden und Tagen schon viele beschäftigt - wir ja auch. Die 11Freunde nannten es "Powered by Promotion" und das trifft es schon ganz gut. 

Die Idee war vergleichsweise simpel: Bundesliga-Sponsor Hermes macht für einen Spieltag (und das nicht zum ersten Mal) den Ärmel der Bundesliga-Trikots frei - und überlässt die Fläche einem Partner. Für eine gute Idee. 

Eine Aktion für Flüchtlinge ist so eine gute Idee. Aber sie wird mindestens getrübt durch den Absender, hier nämlich das Boulevard-Blatt "Bild", das in so ziemlich jeder erdenklichen Weise auf der anderen Seite der "Willkommenskultur" steht. Jetzt gerade macht sich das Blatt gemein mit der überwältigenden Hilfsbereitschaft in Deutschland, weil es gerade opportun ist.

Wenn irgendwann in den kommmenden Tagen und Wochen die Emotion flöten geht und Realität einkehrt, wird die "Bild" in vorderster Front dabei sein. Dann werden die Headlines wieder klingen wie "Jetzt reicht es!" oder "Zieht die Mauer hoch". Nach diesem Muster funktioniert der Boulevard nun einmal. 

Das muss man im Hinterkopf behalten, wenn man diese "Bild"-Aktion bewerten will, die in der 1. und 2. Liga durchgeführt wird. Dass die Deutsche Fußball-Liga sich zu keiner anderen Aktion bequemen mochte - das ist Teil des Problems. Jetzt haben die Erst- und Zweitligisten den Boulevard an den Backen und auf dem Trikot.

Nur St. Pauli nicht. Die hatten keine Lust, nicht einmal für den guten Zweck, sich für die "Bild" herzuschenken. Und deshalb läuft Pauli am kommenden Spieltag eben ohne den "Bild"-Aufnäher auf. Und man mag zu St. Pauli stehen wie man will; das hat immerhin Rückgrat. Sich nicht verbiegen, selbst wenn der Anlass dazu Anlass böte. Das ist Haltung. 

Das macht die Entscheidung aller übrigen Klubs übrigens nicht schlechter. Da muss halt jeder selbst bewerten, wie er dazu steht. 

Dass aber Bild-Chef Kai Diekmann sich am Mittwoch allen Ernstes dazu hinreißen ließ, St. Pauli (ausgerechnet!) eine Abneigung gegen Flüchtlinge zu unterstellen, schlägt dem Fass ja wirklich den Boden aus. #refugeesNOTwelcome behauptete DIekmann via Twitter und man möchte den Tweet nehmen und irgendwas Schäbiges damit tun.

 

Natürlich ist der Bild-Chef nicht dumm. Er spielt mit den Erwartungen und Reaktionen der Beteiligten - und natürlich bekommt er sein Echo. Was letztlich vielleicht genau das Ziel von Diekmann ist; und wer sich nun erregt, hilft damit nur der "Bild".

Aber man darf Unsinn eben auch nicht unwidersprochen lassen. Wenn die "Bild" und ihr Chef eben so lautstark krakeelen, dann muss das Echo mindestens so laut und klar ausfallen. So einen Mist muss sich St. Pauli nicht gefallen lassen und auch kein durchschnittlich gebildeter Mitteleuropäer. Natürlich tut jetzt die "Bild" auf besonders hintertriebene Art empört und instrumentalisiert alle übrigen Klubs und deren Profis für ihre Aktion. Was ja genau das Ziel war und weswegen diese ganze Aktion so widerlich ist.

Besonders perfide: Diekmann bringt St. Pauli in Verbindung mit den Völkischen der AfD und das ist nun wirklich absurd, weil es natürlich vollständig außer Acht lässt, dass St. Pauli eben intensiv für #refugeeswelcome wirbt - nur eben nicht vor dem Karren der "Bild". 

Oder, um es jetzt zu sagen, wie es gerade via Twitter (und sonstwo) gesagt wird: #BildNotWelcome

 


 


Lade Forenbeiträge...