westline-Interview
Christoph Metzelder: "Wer nur zurück schaut, kann nicht bestehen"

Christoph Metzelder im Gespräch mit westline-Reporterin Susanne Weber. (Foto: westline)
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Haltern – Christoph Metzelder ist vielbeschäftigt. Er arbeitet unter anderem für Jung von Matt/Sports, betreut seine Stiftung, ist TV-Experte und sitzt nebenbei im Aufsichtsrat des SC Preußen Münster. Im Interview spricht der ehemalige Nationalspieler über seine Zukunft im Management, junge Trainer, RB Leipzig, Tradition und die mögliche Umstrukturierung des SC Preußen Münster.  

Hallo Christoph Metzelder, Sie arbeiten als Sky-Experte, sind Geschäftsführer bei Jung von Matt/sports, betreuen Ihre Stiftung, sind bei Ihrem Heimatverein TuS Haltern sehr aktiv und Sie sitzen seit Ende des letzten Jahres nun auch noch im Aufsichtsrat des SC Preußen Münster. Haben Sie überhaupt noch ein Privatleben?

Ja, denn der TuS Haltern und auch das Engagement in meiner Stiftung, all das sind meine Hobbys und Herzensangelegenheiten. Das empfinde ich nicht als klassische Arbeit. Deshalb sind diese Dinge Teile meines Privatlebens.   

Sie haben trotz allem, was Sie bislang in Ihrem Leben erreicht haben, noch Ziele: Sie wollen ins Management eines Profivereins. Haben Sie sich hierfür eine Frist gesetzt, bis wann Sie dieses Ziel erreichen wollen?

Grundsätzlich – das ist Teil meiner Persönlichkeit – versuche ich in allen Dingen, die ich mache, Ziele zu verfolgen und natürlich auch erfolgreich zu sein. Ich glaube, das ist etwas, das tief in einem Sportler steckt. Das ist eine innere Haltung. Sei es die Stiftung, sei es das Engagement beim TuS Haltern oder auch andere Dinge. Ich versuche natürlich immer, maximal erfolgreich zu sein. Das ist nicht an einen weiteren Weg im Profifußball geknüpft. Aber ich denke schon, dass ich das, was ich 13 Jahre lang im Profifußball gelernt habe, irgendwann mal operativ bei einem Verein umsetzen möchte. Wann und wo das sein wird, ist aber noch völlig offen.

Sie haben also keinen Wunschverein, für den Sie am liebsten im Management arbeiten würden? 

Man muss sich im Profifußball einfach von dem Gedanken verabschieden, dass man immer bei dem Verein arbeiten kann, für den das Herz schlägt. Ich war beispielsweise als Kind Fan von Borussia Mönchengladbach, aber ich habe nie für den Verein gespielt. Es gab nie ein Angebot. Es gibt viele fantastische Vereine, die sich auf den Weg machen, um erfolgreich zu sein. Es geht vielmehr um personelle Konstellationen, um die strategische Ausrichtung, um den Gestaltungsspielraum, den man bei dem einen Verein mehr und bei dem anderen weniger hat.

Sie haben nach Ihrem Karriereende immer signalisiert, dass Sie sich nicht vorstellen können, im Profibereich als Trainer zu arbeiten. Warum nicht?

Erst einmal fehlen mir ja die dazu erforderlichen Lizenzen. Ich habe gerade erst den Elite-Jugendlehrgang absolviert. Danach käme die A-Lizenz und dann der Fußballlehrer. Und als Trainer ist man 365 Tage im Jahr quasi 24 Stunden mit Fußball und mit der Mannschaft beschäftigt. Das merke ich – auch wenn es nur der Amateurbereich ist – schon bei der U19 in der Landesliga. Es ist einfach ein riesiger Aufwand. Dazu muss man bereit sein und dazu müsste ich andere Dinge, die mir auch wichtig sind, zurückstellen. Mir gefällt einfach die Vielfalt dessen, was ich mache. Deswegen glaube ich, dass der Fokus nur auf eine Trainertätigkeit nichts für mich wäre.

Ist Ihnen der Trainerjob auch zu unbeständig? Für manche Trainer ist die Zeit bei einem Verein bereits nach ein oder zwei Jahren vorbei. Beispiel: Weinzierl.

Das Problem ist inhärent. Sowohl als Trainer als auch als Verantwortlicher im Profifußball - wenn ich nicht gerade der Mehrheitsgesellschafter bin - weiß ich, dass der Tag kommt, an dem ich abgelöst werde. Es ist also eine Herausforderung, lange und möglichst erfolgreich bei einem Verein zu arbeiten. 

Auf Weinzierl folgte auf Schalke jetzt Domenico Tedesco – ein junger und relativ unerfahrener Trainer, dem die großen Erfolge bislang noch fehlen. Immer mehr Bundesligisten setzen inzwischen auf diesen Trainertyp. Stichwort: Laptop-Trainer. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

„Laptop-Trainer“ ist ein Begriff, der im damaligen Kontext despektierlich gemeint war. Vulgo ein Trainerkollege, der keine große Profikarriere vorzuweisen hat, sondern sich als Autodidakt quasi am Laptop oder über Trainingsbücher, über Amateurvereine und Jugendmannschaften Wissen angeeignet hat. Diese Meinung teile ich nicht. Denn wir reden über Kollegen wie Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel, die sehr erfolgreich arbeiten, weil sie fleißig sind. Sie haben eine besondere Empathie für eine Spielergeneration, die sie als Jugendtrainer in den Nachwuchsleistungs-Zentren über Jahre begleitet haben.

​Was trauen Sie Domenico Tedesco auf Schalke denn zu? Passt er Ihrer Meinung nach dorthin?

Ich glaube, es ist ein sehr mutiger Schritt von beiden Seiten. Aber die Hoffnung des Vereins ist es, dass er genau der Typ ist, der die Potentiale, die in diesem Kader, in diesem Verein schlummern, endlich hervorheben kann. Das ist ja dieses Gefühl, dass alle haben, die den FC Schalke betrachten. Man hat immer das Gefühl, die Mannschaft kann eigentlich viel mehr, aber schafft es aus irgendwelchen Gründen nicht, das abzurufen. Vielleicht ist es genau die richtige Lösung für diese Mannschaft. 

Beim Schalker Erzrivalen Borussia Dortmund musste hingegen ein höchst erfolgreicher Trainer am Ende der letzten Saison seinen Hut nehmen. Können Sie nachvollziehen, dass man sich von einem so erfolgreichen Trainer wie Thomas Tuchel vorzeitig trennt?  

Ja, denn offensichtlich gab es auf einer persönlichen Ebene keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit zwischen den Handlungsträgern bei Borussia Dortmund. Dann ist es die Aufgabe und Verantwortung eines Geschäftsführers wie Hans-Joachim Watzke, eben eine solche Entscheidung zu treffen. Und zwar auch dann, wenn sie kurzfristig vielleicht schwierig zu verkaufen ist.

 


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