"Dialog"
DFB deutet Abkehr von Kollektivstrafen an

DFB-Präsident Reinhard Grindel. (Foto: dpa)
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Frankfurt – Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat erstmals die Abkehr von Kollektivstrafen angedeutet - zumindest vorerst. Der Verband meldete sich am Mittwoch zu Wort.

Der DFB hat sich am Mittwoch mit einer Erklärung an die (Fußball-)Öffentlichkeit gewandt. Darin wirbt DFB-Präsident Reinhard Grindel um einen neuen Dialog mit Fangruppierungen. Und macht insbesondere in Sachen Sportgerichtsbarkeit einen immerhin bemerkenswerten Vorstoß.

"Der DFB empfiehlt seinem Kontrollausschuss, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist", heißt es dort.

Klartext: Kollektivstrafen wie Blocksperren oder die Schließung ganzer Tribünen oder gar "Geisterspiele" sollen derzeit nicht erfolgen. Ob nach dieser Aussage auch bereits erfolgte Strafen aufgehoben werden, bleibt unbeantwortet. Beispielsweise muss Hansa Rostock in vier Auswärtsspielen auf die eigenen Fans verzichten - dieses Urteil hat aktuell Bestand.

Im der abgelaufenen Saison hatte die Sperrung der Dortmunder Südtribüne für großes Aufsehen gesorgt. Solche Kollektivstrafen will der DFB also aktuell nicht mehr aussprechen  - weist aber vorsichtshalber darauf hin, dass die Unabhängigkeit des DFB-Sportgerichts "davon unberührt" bleibe. Über eben jenes Sportrecht, dass oft ohne konkreten Anlass und rein präventiv Verbote und Strafen ausspricht, gibt es aber in den deutschen Fanszenen am meisten Streit.

Der DFB habe seine Gesprächsbereitschaft erneuert und ausdrücklich auch die Ultra-Gruppierungen von Dynamo Dresden zum Gespräch eingeladen, die jüngst so martialisch dem DFB den "Krieg" erklärt hatten.

"Bisher haben Ultra-Gruppen die Einladung zur Mitwirkung nicht wahrgenommen", so schreibt der DFB. Wohl eher keine Überraschung, nachdem der Verband sich in den vergangenen Jahren einen gewissen Ruf darin erarbeitet hatte, über die Interessen vieler Vereine und Fans hinweg zu entscheiden. Aber eben das will der Verband nach eigener Aussage ändern.

Dem DFB lag aber offenbar auch einiges daran klarzustellen, dass die Erklärung nicht "kurzfristig" erfolgt sei, sondern seit einiger Zeit vorbereitet worden sei. Sicher haben aber auch die jüngsten Spieltage der 2. und 3. Liga dazu beigetragen: Deutschlandweit hatten Fans dort gemeinsame Sache gemacht und den DFB umfassend kritisiert. Der Protest war deutlich und nicht zu überhören.

Nun reagiert der DFB: "Wir müssen im Dialog Vertrauen aufbauen, Missverständnisse ausräumen und gemeinsam klare Linien und Grenzen festlegen. Hierzu gehört der Verzicht auf Gewalt", schreibt der DFB. Über den letzten Satz dürfte es dabei durchaus Gesprächsbedarf geben: Was als "Gewalt" durchgeht, ist zwischen allen Beteiligten nicht ganz klar. Die Grenzen zieht jeder an anderer Stelle und auch in der Erklärung des DFB wird das nicht deutlicher.

Vielleicht hilft ja der Dialog.

 


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