25 Jahre Fußball-Einheit
Dariusz Wosz eröffnet erste Sonderausstellung im Fußballmuseum

Museumsdirektor Manuel Neukirchner (links) und Dariusz Wosz (rechts). (Foto: Deutsches Fußballmuseum)

Dortmund – Mit einem Zeitzeugen hat das Deutsche Fußballmuseum die Ausstellung "25 Jahre Deutsche Fußball-Einheit" eröffnet - die erste Sonderschau des Hauses. Dariusz Wosz erzählte über den DDR-Fußball, die Stasi und den Fußball im Osten heute. Wosz hat als einer von nur wenigen Spielern für zwei deutsche Nationalmannschaften gespielt.

Noch gut erinnert sich Dariusz Wosz an den 12. September 1990, an den Tag des letzten Länderspiels der DDR-Auswahl. Die Mannschaft um Trainer Eduard Geyer war nach Belgien gefahren, wo für den Abend ein EM-Qualifikationsspiel angesetzt war. Einige Spieler waren 10 Monate nach dem Mauerfall schon gar nicht mehr dabei, doch Wosz gehörte dem Reisetross weiter an.

Auch der Fußball veränderte sich

„Lange war gar nicht klar, ob überhaupt gespielt wird. Dass es dann das letzte DDR-Länderspiel sein würde, war uns Spielern zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst“, blickt Wosz 25 Jahre später zurück.

Mit der Wende stellte sich bei ihm zumindest „vorsichtige Freude“ ein. Doch Wosz – als Fußballer in der DDR privilegierter als andere – fokussierte sich weiter auf den Fußball und behielt die Entwicklungen „nur nebenbei“ im Auge. Dass sich aber auch im Fußball einiges ändern würde, wurde immer offensichtlicher.

So setzten immer mehr Abwerbeversuche von Westvereinen ein, denen auch Wosz nicht widerstehen konnte. 1992 wechselte er vom Halleschen FC zum VfL Bochum, wurde dort vom DDR-Nationalspieler zum Auswahlspieler einer wiedervereinten Nation.

Dank einer guten Ausbildung in der DDR sah er sich bestens für den Fußball im „Westen“ vorbereitet: „Es war hart, aber gut. Wir haben trainiert wie die Tiere. Es gab keinen Fahrdienst, kein Handy und keine Berater. Sicherlich waren wir keine Engel. Und viele haben auch aufgegeben, aber wer dabei blieb, hat es später in den bezahlten Fußball geschafft. Disziplin und Ehrgeiz sind bis heute entscheidend – Talent allein reicht nicht.”


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Zukunft und Vergangenheit des Ost-Fußballs 

Dass die Traditionsvereine des DDR-Fußballs in den zusammengeführten Ligen mittlerweile kaum mehr eine große Rolle spielen, ist natürlich auch Wosz aufgefallen. Aus seiner Sicht fehlten vor allem zahlungskräftige Sponsoren, begeisterungsfähige Fans alleine würden nicht ausreichen. Trotzdem sieht er für einige Klubs eine Chance, in den Profifußball zurückzukehren: „Leipzig und Dresden haben das Potenzial, in der Bundesliga mitzuspielen. Und Klubs wie Cottbus, Magdeburg oder auch Chemnitz haben immerhin die Chance auf die 2. Liga. Für den Halleschen FC würde es mich besonders freuen.“

Denn bis heute pflegt der Techniktrainer des VfL Bochum einen engen Kontakt zum HFC, betreibt dort mit seiner Merchandising-Firma sogar den offiziellen Fanshop. Auch mit den alten Teamkollegen tauscht er sich noch regelmäßig aus. Dass Wosz im Nachhinein sogar von Kameraden bespitzelt worden ist, beschäftigt ihn heute allerdings kaum noch. „Aber ist schon interessant, was so in meiner Stasi-Akte steht. Ich habe sie zu Hause und weiß mittlerweile genau, wie präzise teils sehr private Informationen gesammelt wurden.“

Infos zur Sonderausstellung im Fußballmuseum:

„25 Jahre Deutsche Fußball-Einheit“ – das ist das Thema der ersten Sonderausstellung im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Dariusz Wosz gehörte zu den ersten Besuchern der Sonderschau, die noch bis zum 13. Dezember 2015 zu sehen ist. Insgesamt elf Themeninseln erinnern an deutsch-deutsche Fußballbegegnungen in Zeiten des geteilten Landes und beleuchten die Entwicklung der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte im wiedervereinigten Fußball-Deutschland.