Dreierkette – Der Saisonrückblick
Peter Neururer: „Bei mir wird immer noch Steilpass gespielt“

Peter Neururer, Ben Redelings, Nobby Dickel... die Dreierkette... (Foto: Weber)
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Dortmund – Die Sommerpause ist angebrochen. Zeit für einen Saisonrückblick. Unter dem Motto „366 unvergessliche Fußball-Tage in 90 amüsanten Minuten“ blickte Fußball-Comedian Ben Redelings am Mittwochabend gemeinsam mit Kulttrainer Peter Neururer und BVB-Legende Nobby Dickel im deutschen Fußballmuseum auf das abgelaufene Fußballjahr zurück. Susanne Weber über einen unterhaltsamen Abend...

Neben lustigen Bildern, privaten Videos und großartigen Fußball-Cartoons fürs Auge, gab es viele verbale Steilpässe für die Ohren. Dabei kam die Rivalität zwischen Blau-weiß und Schwarz-gelb natürlich nicht zu kurz. Die Protagonisten holten neben den abgelaufenen 366 Tagen des letzten Jahres außerdem die eigene Vergangenheit auf die Bühne. Zumindest die der letzten 30 Jahre. Angesprochen auf sein persönliches Highlight war Dickels erste Antwort natürlich das DFB-Pokalspiel 1989. „Ohne das säße ich wohl nicht hier“, schmunzelte er. Seine zweite Antwort: Das Remis, das sich sein BVB gegen den Erzrivalen aus Gelsenkirchen 2008 im eigenen Stadion erkämpfte. „Wir haben 2008 gegen die Blauen 0:3 hinten gelegen. Kuranyi hatte die Chance, zu erhöhen, jagte den Ball aber Richtung Kamener Kreuz. Dann haben wir noch 3:3 gespielt. Das war emotional mit das Größte, was ich erlebt habe. Einfach geil.“     

Für die rund 200 Besucher war es ein Abend voller Highlights. Ein ganz besonders war dabei sicherlich ein Foto, das den heutigen Stadionsprecher des BVB Mitte der 80iger Jahre zeigt. Dickels Erklärung dazu: „Das Bild entstand im Rahmen einer Homestory, bei der ich x-mal meine Pullis wechseln sollte.“ Der Witz daran, am Ende kam doch nur ein Pulli zur Geltung.

Peter Neururer beklagte dagegen das neumodische Vokabular, wie Vertikalpass für Steilpass und Umschaltspiel für Kontern: „Ich bin ein moderner Trainer, aber bei mir wird immer noch Steilpass gespielt und nicht Vertikalpass.“    

Einen Schritt zurück: Neben vielen anderen angerissenen Themen wurde – getreu dem Motto – natürlich auch die abgelaufene Saison unter die Lupe genommen. Für Nobby Dickel war die gesamte Saison ein Highlight. „Es macht einfach Spaß mit diesem neuen Trainerteam zu arbeiten. Es ist alles anders“, erklärte die BVB-Legende.

(Foto: Weber)
Peter Neururer und Ben Redelings. (Foto: Weber)
Volles Haus im Fußballmuseum. (Foto: Weber)
Peter Neururer, Ben Redelings, Nobby Dickel... die Dreierkette... (Foto: Weber)

Peter Neururer fand im Rückblick vor allem lobende Worte für die beiden Aufsteiger Ingolstadt und Darmstadt 98 und zeigte sich genervt von der erneuten Dominanz der Bayern. Auch stellte er klar, dass für ihn Liebe und Hass nichts mit Fußball zu tun haben. „Ich liebe keinen Verein. Ich liebe meine Frau und meine Familie“, so der Kulttrainer, der für diese Worte ein lautes „Ohh“ von Dickel erntete. Klar, beim BVB wird echte Liebe schließlich groß geschrieben. Für die Worte „Hass hat im Fußball und allgemein in unserer Gesellschaft nichts zu suchen“ erntete er dagegen Applaus vom Publikum.  

Applaus inklusive Gelächter gab es bei den Quizrunden, wie beispielsweise beim Quiz „4 aus 7“, das kurz vor der Halbzeitpause gespielt wurde. Moderator Ben Redelings las sieben Zitate vor. Nobby Dickel musste nacheinander erraten, welche davon von Peter Neururer stammen. Richtige Treffer waren dabei unter anderem „Ich mich bewerben? Ich muss gefunden werden!“ und „Bei mir kommt immer was raus, auch wenn es der letzte Scheiß ist“. Daneben lag Dickel hingegen bei diesem Zitat, das er ebenfalls Neururer in den Mund legen wollte: „Wenn man mein Level erreicht hat, ist es schwierig, von anderen zu lernen. Man muss von sich selbst lernen.“ Diese Worte stammen natürlich nicht vom deutschen Kulttrainer, sondern von Jose Mourinho. Von wem auch sonst. Neururers Kommentar dazu brachte das Publikum ebenfalls zum Lachen: „So tief kann ich nicht sinken“ erwiderte er.

"Drauf geschissen..."

Neben der Rückschau auf seine persönlichen Höhepunkte der letzten 30 Jahre durfte das Publikum ausgewählte Spielkommentare Dickels im BVB-Net-Radio noch einmal nachhören. Lacher natürlich vorprogrammiert: „2:0 für Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Und da gibt es noch mal Gelb für übertriebenen Jubel. Drauf geschissen!“

In diesem Zusammenhang gab Dickel auch preis, dass er aufgrund einer Beleidigung während einer Live-Übertragung schon mal zu einer saftigen Geldstrafe vom DFB verdonnert worden sei. Beinahe sogar als Stadionsprecher gesperrt werden sollte, dies aber abgewendet werden konnte.

Neben Radio-Einspielern gab es lustige Videos voller Pech und Pannen rund um den Fußball, die natürlich ebenfalls für Gelächter sorgten. Die 90 Minuten vergingen wie im Flug, aber es gab zum Glück noch eine Nachspielzeit. Diese hatte es nicht weiniger in sich. Autor und Cartoonist Oli Hilbring stellte darin seinen Cartoon-Saison-Rückblick vor. Darunter natürlich einer zum ersten Revierderby der Trainer Tuchel und Breiternreiter: Tuchel: „Ich freu mich aufs erste Mal.“ Breitenreiter: „ Hoffentlich tut’s nicht so weh.“

 

 


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