Umlage von Geldstrafen auf Fußballfans
Niemand muss zündeln, aber…

 

Natürlich: Niemand wird gezwungen, Pyrotechnik oder Böller zu zünden; Fans können somit die Umlage entsprechender Strafen selbst verhindern. Der Law-and-Order-Fraktion, die sich hämisch die Hände reiben, wenn es insbesondere Ultras „erwischt“, sei trotzdem gesagt: Rechtsdogmatisch ist ein vollständiger Ersatz nicht „sauber“! Die vollständige Weitergabe von Vertragsstrafen, die regelmäßig höher sind als der tatsächliche Schaden, ist im Vertragsrecht gerade nicht ohne Weiteres zulässig, weil der Vertragspartner – hier der Zuschauer – keine Möglichkeit hat, die Höhe der Strafe zu beeinflussen.

Eine direkte Beziehung oder Mitgliedschaft zwischen dem DFB und dem Zuschauer besteht nicht, so dass weder der DFB direkt gegen die Störer vorgehen noch der Störer sich gegen die Höhe der gegen den Verein verhängten Strafe wenden kann. Diese mangelnde Mitgliedschaft hat den  BGH dazu veranlasst, beispielsweise die Weitergabe von FIFA- oder DFB-Entscheidungen gegen Nichtmitglieder als nicht zulässig zu beurteilen. Würde man diesen Gedanken konsequent weiterverfolgen,  wäre eine „Weitergabe“ der DFB-Strafen an Störer auch nur dann zulässig, wenn die Stadionordnung oder der Nutzungsvertrag diese ausdrücklich vorsehen würden. Mit einem entsprechenden Passus wäre der Zuschauer also quasi „gewarnt“, wie teuer es werden kann.

Protest ohne Empfänger... oder etwa doch? (Foto: Hein-Reipen)

Gefahr: Kostet auch Red Bull-Kritik bald fünfstellige Summen…?

Zusätzliche Brisanz gewinnt die Frage nach der Höhe der umzulegenden Strafe durch die jüngsten Tendenzen des DFB, zunehmend beleidigende Banner oder Gesänge zu sanktionieren – zumindest gefühlt insbesondere dann, wenn diese sich gegen Red Bull Leipzig wenden. Dem BVB wurde deshalb die Südtribüne gesperrt, der finanzielle Ausfall geht in den sechsstelligen Bereich. Auch gegen Borussia Mönchengladbach und den FC Augsburg wird ermittelt – und bei der Strafzumessung hat der DFB großes Ermessen, was ein Banner oder Bengalo kosten soll und wie etwaige Wiederholungsfälle  bewertet werden. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, ist die Meinungsfreiheit im Stadion wirtschaftlich erledigt.

Es ist daher zu hoffen, dass der BGH der vollständigen Weitergabe der Strafen widerspricht und vom DFB einen transparenteren Strafenkatalog fordert. Auch wenn es sich rechtlich nicht, wie vom Anwalt des Böllerwerfers vorgetragen, um eine „Doppelbestrafung“ handelt – Strafrecht und zivilrechtlicher Schadenersatz sind grundsätzlich „zwei Paar Schuhe“ – muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Ausgangsgröße muss unbedingt ein tatsächlicher Schaden und nicht Ärger eines DFB-Funktionärs oder Brauseherstellers sein! Wer eine lebendige Kurve und nicht nur sterile Klatschpappen möchte, darf nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen und die wirtschaftliche Existenzgrundlage der zumeist jungen Täter vollständig zerstören. Abschreckungswirkung ja, Ruin nein.

Dazu aktuell: DFB-Strafe gegen den Chemnitzer FC...

 


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