Kommentar
Die verunglückte Debatte um "China-Fußball" in der Regionalliga

(Foto: dpa)

So richtig überraschend dürfte das ganze Palaver um die chinesische U20-Mannschaft in der Regionalliga nicht mehr gewesen sein. Es war vor allem ein Fallbeispiel für fehlerhafte Kommunikation - und das übliche mediale Gewitter. Überflüssig wie sonst etwas...

Irgendwie ist diese Geschichte um eine chinesische U20-Auswahl in der Regionalliga so absurd, dass einem der DFB fast leidtun kann. Und das will schon etwas heißen. Dem Verband gelang es nicht, gegen das medial unterfütterte und "emotional" aufgeladene Thema zu argumentieren. Denn auf dem Papier fehlt dem ganzen Thema praktisch vollständig die Empörungsenergie.

Zurückschauen? Im Dezember 2016 beschloss der DFB eine Kooperation mit dem chinesischen Fußball. Routine. Solche Kooperationen unterhält der DFB mit diversen Verbänden.

Im Frühsommer, Juni 2017, kursierten dann die ersten Berichte über die Integration einer chinesischen Mannschaft in die Regionalliga Südwest. Wer genau mit diesem Unsinn begonnen hat, ist nicht mehr so einfach zu erkennen. Die Folgen allerdings sehr wohl.

Kaum war die Legende vom chinesischen Spielbetrieb in Deutschland geboren, machte sich die Erregung breit. Der DFB spinne ja wohl, das sei ja wieder typisch, der Verband verliere vollends die Beziehung zur Basis und so weiter und so weiter.

Und in den üblichen Empörungsmaschinen wie Facebook, Twitter und Co. wurde das Thema dann bis zur Unkenntlichkeit verfremdet und Fakten zerrissen. Klare und einfache Gedanken zum Thema? Nö, lieber nicht. Dem Deutschen Fußball-Verband gelang es schon in der frühen Diskussionsphase nicht, den eigenen Plan halbwegs sauber öffentlich zu machen - dabei las sich das ganze Thema schon früh sehr harmlos...

Um was geht es denn im Grunde? Um vom DFB vermittelte "Testspiele" gegen ein chinesisches Team für jene Regionalligisten, die in der 19er-Liga ohnehin spielfrei haben. Und für diese Testspiele bekommen die Gastgeber sogar noch Geld. Ist das wirklich schon der Untergang des Fußballs? Wem schadet dieser Plan eigentlich? Welche Fußballkultur geht hier vor die Hunde?

Weder ist diese U20-Mannschaft reguläres Mitglied der Regionalliga noch erscheint sie in der Regionalliga-Tabelle. Das Team nimmt keinem Absteiger einen Platz weg - entsprechende Unterstellungen sind einfach dankbare "Ballaufnahmen" von Teams, die sportlich abgestiegen sind und sich nun gerne als Zurückgewiesene darstellen möchten.

(Foto: dpa)
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Keine Argumente. Nur vage Aussagen.

In der gesamten Debatte gab es aber kein stichhaltiges Argument, warum es spielfreie Teams ablehnen sollten, Testspiele zu bestreiten (was sie ja in jeder anderen Situation tun würden). Auch aus Mannheim oder Koblenz kamen überhaupt keine relevanten Argumente gegen solche Testspielauftritte. Nur allgemeine Bedenken über "wichtigere Probleme" und "offene Fragen". Und ein gerne genommener "Offener Brief" mit Wehklagen über die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs und die Vermarktung... Völlig am konkreten Thema vorbei, aber klang gut.

Ach ja. Der "Eklat". Ja, meine Güte, weil direkt im ersten Auftritt der chinesischen Mannschaft Tibet-Flaggen gezeigt wurden und die chinesische Elf in strammer Staatsräson erst einmal den Platz verließ, wurde aus der völlig erwartbaren Situation ein "Eklat". Heute geht es ja ohne diese gewaltige Aufregung nicht mehr. Dabei hätte sich schon im Juni jeder an zwei Fingern ausrechnen können, welche Art von Kritik dem chinesischen Team bzw. dem Land gegenüber aufkommen würde.

Blöd für den DFB, dass er den Gästen offensichtlich in der Vorbereitung wenig erklärt hatte über die Lage in Deutschland und über das Thema Meinungsfreiheit. Blöd für China, dass es nicht umgehen kann mit den Regeln und normalen Protestformen in Deutschland.

Na und? Beide Seiten werden ihre Lehren daraus ziehen. Vielleicht zieht die chinesische U20 schmollend ab. Vielleicht auch nicht.

Am Ende bleibt die simple Frage: Sind eine Handvoll bezahlter Testspiele heute schon ein Anlass, den Untergang des Fußballs zu beschwören und über "Eklats" zu lamentieren? Zum Politikum wurde diese Debatte, weil es keinen sportlichen Wert gibt, der in Gefahr wäre.

Zum großen Skandal-Thema taugte die Sache nur, weil es ein willkommener Anlass war, die völlig anders gelagerten und hausgemachten Probleme mit den fünf existierenden Regionalligen in den Fokus zu rücken. Und das ist typisch für die Debattenkultur 2017. Alles wird ineinandergemischt und so vermengt, dass am Ende nur noch ein dicker Klumpen Blödsinn übrigbleibt und die falschen Anlässe für die richtigen Themen herhalten müssen.