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"Play Fair": Darum geht es in der Debatte um Regeländerungen

(Symbolfoto: westline)
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Das Spiel ist heilig... oder? Das "International Football Association Board", kurz IFAB, hat sich Gedanken gemacht über den Fußball und seine Regeln. Herausgekomen ist eine Initiative, über die sich nun viele Fans streiten. Worum geht es dabei?

Das "International Football Association Board", kurz IFAB, ist ein Gremium, das schon seit dem 19. Jahrhundert existiert. Es besteht aus vier FIFA-Vertretern und weiteren vier Abgeordneten aus den "Gründungsländern" des Fußballs England, Nordirland, Schottland und Wales.

Das IFAB ist sozusagen Gralshüter des Fußball-Regelwerks, was auch erklärt, warum seine aktuelle Initiative "Play Fair!" so viel Wirbel verursacht. Denn Ende der vergangenen Woche stellte das Gremium eine Vielzahl von Ideen vor, um das Fußballspiel "fairer", gerechter zu machen. Im Grunde geht es um die Weiterführung der bereits angestoßenen Veränderungen wie die Einführung des Videobeweises.

Die wichtigste Botschaft ging in mancher Aufregung zunächst unter. Die Vorschläge, die das IFAB unterbreitet, sind nicht verbindlich beschlossen und werden gar morgen schon umgesetzt. Sie bilden eher eine Grundlage. Viele - vor allem die kritisch diskutierten - Vorschläge sind sogar ausdrücklich "zur Diskussion" vorgestellt, nicht als Test oder gar geplante Änderung.

Die IFAB formuliert ihre Ideen als eine Art "Weckruf" an Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Verantwortliche und auch Fans. Es müsse darum gehen, sich Regeln des Fair Play in Erinnerung zu rufen und wie diese Regeln im Fußball insgesamt "gelebt" werden können. So weit, so gut.

Aber worüber wird jetzt diskutiert?

Natürlich: Die augenfälligste Idee ist eine Frage. Und zwar die nach der Netto-Spielzeit. Wer Fußballfan ist, kennt das Spielchen ja. Je nach Spielstand verlangsamt das Team in Führung die Partie... Auswechslungen dauern ewig, Abstöße noch länger, Freistöße werden in Zeitlupe geplant. Jedes Team, jeder Fußballer, immer.

Von den 90 Minuten Spielzeit gehen locker 30 Minuten für Unterbrechungen drauf, wie das IFAB feststellt. Einwürfe, Wechsel, jeder Elfmeter, jedes Foul: Wann immer der Ball nicht rollt, läuft die Spieluhr nur für die Zuschauer.

Das IFAB schlägt vor, die Nachspielzeit deutlich auszuweiten. Dazu sollen Verzögerungen bei Wechseln oder Freistößen oder nach Gelben und Roten Karten einberechnet werden. Schiedsrichter sollen die Uhr während dieser Wartezeiten anhalten. Kleinigkeiten könnten den Ablauf beschleunigen: Demnach müsste ein Spieler, der ausgewechselt wird, nicht mehr zur Mittellinie laufen, sondern könnte/sollte den Platz an der nächstgelegenen Stelle verlassen.

Und nun der Aufreger: Damit ausufernde Nachspielzeit verhindert werden, könnten zwei Wege beschritten werden. Entweder werde die "Zeitschinderei" nur zu bestimmten Spielzeiten wirklich gemessen (jeweils in der Schlussphase der Halbzeiten). Oder aber die Gesamtspielzeit könnte von 45 Minuten auf 30 Minuten je Halbzeit beschränkt werden - dann aber mit minutengenauen Nachspielzeiten für jede Unterbrechung.

Der entscheidende Punkt: Das IFAB stellt diesen Vorschlag nur als "Beispiel" dar und stellt ihn ausdrücklich zur Diskussion - nicht aber als geplante Regeländerung. Vermutlich greift dieser Vorschlag auch deutlich zu drastisch in die Geschichte des Fußballs ein, als dass er je umgesetzt würde. Er ist genau deswegen auch nur einer von zwei Überlegungen.

Vereinfachung kleiner Regeln

Es gibt weitere kleine, aber eigentlich sinnvolle Ideen. Ein Abstoß sollte künftig immer direkt von der Stelle aus erfolgen, an der der Ball das Spielfeld verlassen hat. Die Folge? Der Abstoß kann deutlich schneller erfolgen. Der Ball muss zudem nicht mehr still und unbewegt liegen, ehe er abgestoßen wird. Überflüssige Wiederholungen durch einen noch leicht rollenden Ball könnten damit verhindert werden.

Stichwort Elfmeterschießen: Allgemein ist der Gedanke akzeptiert, dass beim Elfmeterschießen das Team "moralisch" im Vorteil ist, das den ersten Elfer (erfolgreich) schießen kann. Das IFAB schlägt einen Test vor, nach dem zwar ein Team beginnt, das zweite Team dann aber zwei Elfer in Folge schießen darf - und dann wäre wieder das erste Team mit zwei Schüssen dran.

Oder absichtliches Handspiel: Wenn ein Spieler ein sicheres Tor per Hand verhindert, könnte der Schiedsrichter künftig das Tor tatsächlich werten - aber auch dieser Vorschlag ist lediglich eine Diskussionsgrundlage. Wer dagegen ein Tor per Hand erzielt, soll mit Rot bestraft werden wie ein Spieler, der ein Tor per Hand verhindert.

Auch ein Vorschlag: Halbzeit- und Schlusspfiff soll nicht mehr mitten in einer Spielszene erfolgen, sondern nur noch, wenn der Ball ohnehin gerade nicht (mehr) im Spiel ist. Ein Abpfiff mitten in einen Angriff hinein wäre dann nicht mehr nötig.

Respekt vereinfachen...

Das IFAB stellt noch andere, vergleichsweise simple Vorschläge vor. Gerade im Zusammenspiel zwischen Spieler, Kluboffiziellen und Schiedsrichtern kommt es oft zu hitzigen Szenen. Die Kapitäne der jeweiligen Mannschaften sollen eine herausgehobenere Rolle erhalten. Sie sollen vor allem Ansprechpartner für Schiedsrichter sein. Überdies sollen die Kapitäne die einzigen Spieler sein, die in strittigen Situationen an den Schiedsrichter herantreten sollen. (Ob das in der Hitze des Spiels Rudelbildungen wirklich verhindern kann, sei mal bewusst dahingestellt...)

Als Test schlägt das IFAB zudem vor, energischer gegen Spieler (und Verantwortliche) vorzugehen, die den 4. Offiziellen oder die Linienrichter bedrängen. Dazu könnte der Schiedsrichter sogar Strafen oder Punktabzüge gegen das verantwortliche Team verhängen.

Spannend (und daher ebenfalls nur zur Diskussion gestellt) ist diese Änderung: Wenn ein Spieler auf der Ersatzbank eine Rote Karte erhält, darf seine Mannschaft nur noch zweimal wechseln. Sollte das Wechselkontingent bereits erschöpft sein, würde diese Strafe ins nächste Spiel übertragen. Platzverweise gegen Auswechselspieler hätten dann auch Konsequenzen für das Team - Abschreckung ist hier das Stichwort.

Und einfach als simple Geste des Respekts: Schiedsrichter und beide Trainer sollen vor Spielbeginn deutlich die Hände schütteln. Nur ein kleines Zeichen, aber schaden könnte es sicher nicht.

 


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