Neuer Gesprächsanstoß
Pyrotechnik – ein (un-)lösbarer Konflikt?

Frankfurter Fans hatten in Aue Pyrotechnik gezündet. Foto: Thomas Eisenhuth (Thomas Eisenhuth)
In Warschau hatten beide Fanlager Pyrotechnik abgebrannt. Foto: Leszek Szymanski (Leszek Szymanski)
In der vergangenen Saison gab es weniger Pyrotechnik in den deutschen Stadien. Foto: Roland Weihrauch (Roland Weihrauch)
Die Hertha-Fans brannten vor dem Anpfiff in Hamburg Pyrotechnik ab. Foto: Daniel Reinhardt (Daniel Reinhardt)
34

Für die einen ist es ein unverzichtbarer Bestandteil der Fankultur, für die anderen kriminell: Die Debatte um Pyrotechnik im Stadion beschäftigt Fußballdeutschland seit etlichen Jahren. Nachdem die Fronten nun lange Zeit auf beiden Seiten verhärtet waren, könnte ein Vorstoß aus Dresden vielleicht wieder Bewegung in die Diskussion bringen.

Die Dresdner Fanszene ist nicht unbedingt dafür bekannt, zimperlich zu sein. Gerade erst setzte es für die Sachsen eine saftige Geldstrafe und einen Zuschauerteilausschluss für ein Heimspiel, unter anderem deshalb, weil beim Pokal-Heimspiel gegen RB Leipzig ein abgetrennter Bullenkopf in den Innenraum geworfen wurde. In die Bestrafung flossen unter anderem aber auch Pyroaktionen bei anderen Heimspielen mit ein. Während der Verein bereits Berufung gegen das DFB-Urteil eingelegt hat, äußerte sich der Vorsänger der Ultras Dynamo, Stefan Lehmann, wie das Portal „Faszination Fankurve“ berichtet, im Fußball-Talk 19:53 zum Thema Pyrotechnik. Seine Forderung: Beide Seiten – Ultras und DFB – müssten sich in der Frage endlich wieder gemeinsam an einen Tisch setzen.

Er sieht vor allem den DFB in der Pflicht, der „sehr verstaubt sei“ und fordert „junges Blut“ beim Verband, „nicht immer nur Politiker und Bullen, so dass da auch mal ein paar Leute drin sitzen, die sich mit der Materie auskennen.“ Gleichwohl seien „beide Fronten verhärtet“. Man müsse wieder aufeinander zugehen und mal wieder einen Konsens finden.

In einem sind sich beide Seiten wohl einig: So wie bisher geht es nicht weiter. Seitdem der DFB im 2011 in einer Art „Basta-Erklärung“ die Legalisierung von Pyrotechnik ein für alle Mal ablehnte und damit einen Schlussstrich unter die Debatte ziehen wollte, brennt es in den Stadien der Republik. Und zwar wortwörtlich. Die Pyrotechnik-Befürworter fühlten sich getäuscht, um nicht zu sagen „verarscht“. Aus ihrer Sicht hatte der DFB ja durchaus Bereitschaft erkennen lassen, eine Legalisierung unter bestimmten Voraussetzungen in Erwägung zu ziehen, was der Verband aber energisch bestreitet.

Auslöser für die rigorose Ablehnung war ein vom DFB in Auftrag gegebenes Rechtgutachten, das zu viel Gefahrenpotenzial beim Abbrennen von Bengalischen Feuern sah. Nun gibt es bengalische Fackeln in deutschen Fußballstadien seit den frühen 90er Jahren und die Zahl der Verletzten hält sich seitdem in einem sehr überschaubaren Rahmen. Allerdings geht es auch gar nicht um die tatsächliche Zahl verletzter Fans, das Stichwort hier ist „Gefahrenpotenzial“. Und dass eine Fackel, die mehr als 2000 Grad heiß werden kann, zumindest in der Theorie, bei falscher Handhabung durchaus Verletzungsgefahr bergen kann, bestreiten wohl nicht einmal die Hardliner unter den Ultras.

Die Regeln sind streng

Das Problem ist: Dass das in der Praxis selten vorgekommen ist, spielt hier keine Rolle, für den DFB reicht es, dass es passieren könnte. Die Brandschutzbestimmungen in Deutschland sind streng, Fakt ist: Selbst wenn die Pyrotechnik-Befürworter noch so sehr einen verantwortungsvollen Umgang mit den Fackeln versprechen – der DFB darf Pyrotechnik in Fußballstadien aufgrund der Gesetzeslage gar nicht erlauben. Jedes kleine Dorffeuerwerk unterliegt strengen Brandschutzbestimmungen – warum sollte dies in einem ausverkauften Fußballstadion, noch dazu in einem vollbesetzten Fanblock anders sein?

So ist die Rechtslage. Dass die ganze Angelegenheit ein kommunikatives Desaster seitens des DFB ist und die Pyro-Befürworter sich zurecht getäuscht fühlen, steht auf einem anderen Blatt Papier. Man kann nicht erst Gesprächsbereitschaft signalisieren und dann plötzlich eine dürre Pressemitteilung herausgeben, die im Grunde nichts anderes besagt, als dass alle Beteiligten sich die endlosen Gespräche genauso gut hätten sparen können. Es ist Ausdruck einer paternalistischen Haltung des DFB gegenüber den Fans, denen jegliches Recht der Mitbestimmung abgesprochen wird. Dass der DFB sich im Allgemeinen wenig für Fankultur interessiert, ist ja nichts Neues und zeigte sich in vielen weiteren Dingen.

Die Ultraszenen reagierten wütend und mit vermehrtem Pyro-Einsatz. Der DFB fährt eine Null-Toleranz-Politik und verhängt drastische Strafen. Dass deswegen auch nur ein Bengalo weniger in den Kurven brennt, glaubt man vermutlich nicht mal beim Verband selbst. Wer Pyrotechnik mit ins Stadion bringen will, schafft das auch, egal wie streng die Kontrollen sind. Schön zu beobachten war das letztens beim DFB-Pokalspiel des BVB gegen Union Berlin. Trotz massiven Polizeiaufgebots, Wasserwerfern und strengen Personenkontrollen brachten die Unioner etliche Bengalos mit in den Block und brannten sie ab.

Weiter auf Seite 2

 


Lade Forenbeiträge...