Präsident lässt Ämter ruhen
"Spiegel": Sexuelle Belästigung im Fußball-Verband Westfalen

(Symbolfoto: Schulte)
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Kamen – Das ist eine dieser Geschichten, bei denen man Gänsehaut bekommen müsste. Nachdem der Spiegel über verschiedene Fälle von sexuellen Übergriffen im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen berichtete, hat dessen Präsident persönliche Konsequenzen gezogen.

Gundolf Walaschewski lässt mit sofortiger Wirkung alle Ämter ruhen. Der Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) wird der Ständigen Konferenz der Kreisvorsitzenden am 06. Mai die Vertrauensfrage stellen. „Der Ständigen Konferenz stehe ich gerne Rede und Antwort, und wenn unsere Kreisvorsitzenden dort zu dem Schluss kommen sollten, ich wäre nicht mehr tragbar, werde ich selbstverständlich die nötigen Konsequenzen ziehen.“ So heißt es in einer Mitteilung des FLVW.

Worum geht es?

Ende der vergangenen Woche hatte der "Spiegel" über den ehemaligen Verbandsdirektors Carsten J. berichtet. Der habe sich gegenüber mehreren Mitarbeiterinnen falsch verhalten. Der "Spiegel" berichtet von "Grabschereien" und von "Penis-Selfies". Die Taten sollen sich ab 2012 ereignet haben, drei betroffene Frauen hätten sich - allerdings erst spät - beim Verbandschef gemeldet.

Das Magazin zeichnet in seinem Text das Bild eines von mächtigen Männern dominierten Fußballverbands, in dem Frauen sexuell belästigt werden können, ohne dass die Täter bestraft werden. Sowohl der bis zuletzt amtierende Präsident Walaschewski wie auch Hermann Korfmacher, unter anderem Chef im Westdeutschen Verband und lange DFB-Vizepräsident, hätten den mutmaßlichen "Stalker" geschützt oder zumindest die Vorwürfe nicht ernstgenommen, so der "Spiegel".

Tatsächlich wurde das Thema im Verband offenbar mit masssiver Verschwiegenheit angegangen. Der frühere Direktor und mutmaßliche Täter Carsten J. hatte den Verband im Herbst 2016 wegen eines "persönlichen Schicksalsschlages" verlassen, so hatte es der Verband damals mitgeteilt. Der "Spiegel" schreibt, dieser Grund sei eine "Lüge" gewesen und berichtet über eine Abfindung in Höhe von 120.000 Euro und darüber, dass J. kurz danach beim DFB einen erneuten Posten erhielt.

Dass der Verband die ganze Geschichte unter dem Deckmantel halten wollte, sei geschehen, um die "Würde unserer Mitarbeiterinnen zu schützen" - so schreibt der Verband am Sonntag tatsächlich in einer offiziellen Mitteilung. Ob der Würde der Mitarbeiterinnen nicht eher durch eine saubere Aufklärung gedient worden wäre, ist die Frage, die der Verband noch diskutieren müsste.

Erst jetzt reagiert der Verband öffentlich und kündigt die Einrichtung einer "neutralen Stelle" an, die anonym durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genutzt werden könne.

 

Dazu auch im "Spiegel": "Taktlos und entwürdigend"
 

 


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