Zwei Münsteraner sind dabei
Tausende Pappen für die DFB-Choreo... Die Fans der Nationalmannschaft

Jörg Riehemann (41) und Michael Peters (39) (v.l.) sind ehrenamtlich für den Fanclub der Nationalmannschaft tätig. (Foto: Weber)

Köln – Köln, Rhein-Energie-Stadion, 9 Uhr morgens: In knapp 12 Stunden wird das Länderspiel zwischen Deutschland und Frankreich beginnen. Michael Peters (39) und Jörg Riehemann (41) aus Münster sind bereits dort, denn sie sind zwei der rund 30 ehrenamtlichen Helfer, die für den Abend die Choreografie vorbereiten und dafür weder Kosten noch Mühe scheuen. Hier ist ihre Geschichte…

Michael Peters und Jörg Riehemann aus Münster treffen sich für gewöhnlich im heimischen Preußenstadion. Die Hammer Straße ist ihr „Wohnzimmer“, das Herz der beiden gehört ganz klar dem Fußballklub ihrer Stadt – dem SC Preußen Münster. Es gibt aber noch einen zweiten „Klub“. Stehen Spiele der Nationalmannschaft an, fiebern beide leidenschaftlich mit. Das geht weit über die heimische Couch hinaus. Peters und Riehemann arbeiten gewissermaßen für die deutsche Elf. Ehrenamtlich, versteht sich.

Seit 2014 mischen beide im sogenannten „Fan Club Nationalmannschaft“ mit. Sie bereiten für die Länderspiele der Nationalmannschaft in Deutschland die Choreografien mit vor. Michael Peters: „Wir sind durch einen Stadionhelfer des SC Preußen Münster an das Ehrenamt gekommen.“ Er kennt die Aufgaben, die im Umfeld von Spielen anfallen können. In Münster ist er unter anderem Ansprechpartner für die ehrenamtlichen „Stadionhelfer“ seines Heimatklubs.

„Wir sind aber auch Fans unserer Nationalmannschaft und schauen einfach gerne die Spiele“, so Peters. Aber das sei natürlich noch nicht alles: „Wir wollten einfach noch mal andere Luft schnuppern. Mehr als 3. Liga, in der der Preußen Münster spielt“, erzählt der 39-Jährige. Es sei einfach immer eine willkommene Abwechslung, bei der Nationalmannschaft zu sein.

Die Spannung beziehen beide natürlich aus anderen Dingen als beim SC Preußen. „Das Schönste ist der Blick der Spieler Richtung Fankurve beim Einlaufen. Sie wissen schließlich vorher auch nicht, was vorbereitet wurde.“

Michael Peters (39) ist ehrenamtlich für den Fanclub der Nationalmannschaft tätig. (Foto: Weber)

Da haben sich die beiden ganz schön Arbeit aufgehalst. So eine Choreographie-Vorbereitung nimmt schon mal rund sieben Stunden in Anspruch. Viel Arbeit, aber eben auch eine „nette Abwechslung.“

„Wir haben vor Ort auch überhaupt keinen Zeitdruck“, verrät Peters und fügt hinzu: „Wir treffen uns mit den anderen ehrenamtlichen Helfern - das sind in etwa 30 pro Spiel - schon morgens um 9 Uhr. Dann haben wir genug Zeit alles fertigzustellen. In Köln beispielsweise waren wir bis 16 Uhr fertig.“

Danach ist Zeit für andere Dinge. Die ehrenamtlichen Helfer bekommen Einblicke, die anderen Fans verwehrt bleiben. „Wir dürfen zum Beispiel in den Spielertunnel und uns auf die Trainerbänke setzen. Das ist schon etwas Besonderes für uns“, sagt Jörg Riehemann.

Gerollt, gefaltet...

Aber zurück zur Choreo-Vorbereitung: Wer entwirft die eigentlich? Macht das auch der Fanclub? „Nein“, gestehen die beiden Preußen. „Das machen zwei Mitarbeiter des DFB. Sie überlegen sich zu jedem Spiel ein Motiv und tragen dies in einen Stadionplan ein. Diesen Plan bekommen wir dann und wissen so, auf welchen Sitzplatz wir welche farbige Pappe legen müssen“, so Riehemann. Die Pappen sowie auch die Anlieferung zahlt natürlich der DFB. „Wir bekommen die Pappen immer von einem Unternehmen geliefert, das gleichzeitig unser Ansprechpartner vor Ort ist, wenn es Fragen gibt“, erzählt Riehemann. „Unsere Arbeit am Spieltag besteht dann darin, die Pappen entweder zu falten oder – wie in Köln – zu rollen.“ Ob gefaltet oder gerollt wird hängt immer von den Stadionsitzen ab. Haben die Sitze Löcher, werden die Pappen gerollt und dann in die Löcher gesteckt. Haben sie keine Löcher, werden sie gefaltet und mit Gummibändern an den Sitzen befestigt. Schließlich sollen sie ja auch bei Wind auf den Plätzen bleiben. Spätestens bei diesen „logistischen“ Fragen unterscheidet sich eine DFB-Choreo nicht von der irgendeiner anderen Fanszene.  

Sind alle Pappen verteilt, ist die Arbeit der Helfer erledigt und sie können mit der Besichtigung starten oder ins Fanclub-Zelt gehen und sich dort mit Getränken erfrischen und sich zusammen auf das Spiel einstimmen.

Die Gesamtzahl der ehrenamtlichen Helfer liegt übrigens bei rund 50 Personen, rund die Hälfte von ihnen arbeitet auch sonst als Volunteers bei verschiedenen Vereinen von der Regionalliga bis zur Bundesliga. „Es sind auch Dortmunder und Schalker dabei“, grinst Riehemann und ergänzt mit Blick auf seinen Lieblingsverein Preußen Münster: „Und Bielefelder.“ Aber bei der Nationalelf zählt das Motto: „In den Farben getrennt, in der Sache vereint.“ Natürlich würde untereinander mal gefrotzelt, aber mehr nicht. Hier stehe die Nationalmannschaft im Fokus und dort spielen schließlich auch Dortmunder und Schalker häufig zusammen.

Alle 50 Helfer kommen bei einem Spiel jedoch nie zusammen. Pro Spiel melden sich in der Regel etwa 30 an, so auch gegen Köln. „Wer in der Nähe wohnt, kommt; und einige – so wie ich – nehmen auch gerne weitere Strecken in Kauf“, so Riehemann.

Jörg Riehemann (Foto: privat)
(Foto: privat)
Jörg Riehemann (41) und Michael Peters (39) (v.l.) sind ehrenamtlich für den Fanclub der Nationalmannschaft tätig. (Foto: Weber)

Per Kurzurlaub zum Länderspiel

Nicht nur in NRW. „Ich verbinde das gerne mit Kurzurlauben und schaue mir dann andere Städte an“, verrät er. Sein Mitstreiter Michael Peters kann berufsbedingt die ganz weiten Touren in der Regel nicht machen. Er könne nicht alle Urlaubstage dafür opfern: Er habe schließlich Familie. Aber seine Frau habe viel Verständnis für seine Leidenschaft, sagt er. „Ohne den Rückhalt meiner Frau würde das natürlich alles nicht gehen. Aber unsere Kinder sind inzwischen 14 und 16 Jahre alt, müssen also nicht mehr rund um die Uhr betreut werden (lacht), so dass sie mir diese Freiheit gönnt. Sie selbst mag Fußball schließlich auch“, grinst er. Deshalb kann er ab und zu auch die weiteren Touren mitmachen. Nicht oft, aber gelegentlich klappt es.

Wenn die beiden eines auf die Palme bringt, dann die Abwesenheit von Fans. Eine Choreo entfaltet ihre Wirkung nur, wenn ausreichend Fans im Stadion stehen, um mitzumachen. Geplant wird sie ja immer in der Kurve, die für den „Fan Club Nationalmannschaft“ reserviert ist. Aber die „Fanszene“ der Nationalelf ist eben nicht der „Heimatklub“, sondern ein eher loser Zusammenschluss von Fans vieler Klubs. Und genießt wegen seiner eher kommerziellen Umgebung auch nicht überall einen guten Ruf - so ehrlich muss man sein. Natürlich lässt sich so ein Nationalmannschafts-Fanclub nicht vergleichen mit den organischen und lebendigen Klubszenen.

Immerhin aber zählt der Nationalmannschafts-Fanclub über 50.000 Mitglieder. Der Reiz für viele: Vorteile beim Ticketkauf oder auch exklusive Reiseangebote für die Touren ins Ausland und Rabatte auf Fanartikel.  

Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer hält sich dagegen arg in Grenzen. Wer sich engagiert, tut dies auf eigene Rechnung. Reisekosten und Übernachtung müssen die ehrenamtlichen Helfer  selbst bezahlen. Lediglich die Verpflegung vor Ort in den jeweiligen Stadien und natürlich Eintrittskarten für die Spiele stellt der DFB. Peters und Riehemann scheuen die Reisekosten dagegen nicht, für sie ist der Fanclub ein ganz besonderer Ort.