Ein Überblick
Was ist was? Die Rechtsformen im deutschen Profifußball und ihre Bedeutung

(Foto: Hein-Reipen)
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Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wenn es um Fußball und Geld geht, tauchen ganz schnell Begriffe wie „Kapitalgesellschaft“, „Ausgliederung“ oder zuletzt gar „Rechtsformverfehlung“ für Vereine auf. Die Positionen reichen dabei von „für immer e. V.!“ bis hin zu „Börsengang ist alternativlos“, die Begründungen für beide Meinungen sind bisweilen abenteuerlich. Ist ein eingetragener Verein die einzig wahre Rechtsform? Oder ist der e. V. nur für Ewiggestrige und bei Kapitalgesellschaften flattert frisches Geld fast wie von selber ins Haus? Und was hat die berühmt-berüchtigte 50+ 1–Regelung mit den unterschiedlichen Organisationsformen zu tun? Susanne Hein-Reipen wirft einen Blick auf die Rechtsformen der Bundesliga und erläutert die Unterschiede.

Am Anfang waren die Vereine. Als der Fußballsport im Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts zunehmend populärer wurde, gründeten sich zahlreiche Vereine, von denen 86 im Jahr 1900 den DFB als überregionalen gemeinsamen Verband aus der Taufe hoben. Kennzeichnend für einen Verein ist der Zusammenschluss seiner Mitglieder zu einem gemeinsamen Zweck, in diesem Fall das Fußballspielen. Zum damaligen Zeitpunkt noch unproblematisch: Der gemeinsame Zweck darf nicht in erster Linie auf wirtschaftliche Aktivitäten ausgerichtet sein. Vereine haben üblicherweise nur zwei Organe: Die Mitgliederversammlung aller Vereinsmitglieder, die aus ihrer Mitte den Vorstand wählt, der den Verein vertritt.

Die Formel „Fußball spielt man im Verein!“ hatte dann trotz der rasch wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung des Fußballs fast 100 Jahre Gültigkeit, bis der DFB im Oktober 1998 auch Kapitalgesellschaften die Teilnahme an seinen Ligen erlaubte. Dieser Schritt war zugleich die Geburtsstunde der 50 +  1 –Regelung, denn eine Kapitalgesellschaft durfte und darf bis heute im deutschen Fußball nur mitspielen, wenn ein eingetragener Verein mit Fußballabteilung die Stimmenmehrheit an ihr besitzt. So sollte sichergestellt werden, dass die Mitgliederversammlung des Vereins über die Stimmanteile auch die Richtung der Kapitalgesellschaft vorgeben und sportliche Belange des Vereins gegenüber den wirtschaftlichen Interessen etwaiger externer Investoren durchsetzen kann.

Ausgenommen von diesen Beschränkungen waren zunächst nur die Werksclubs aus Leverkusen und Wolfsburg, später wurde die Regelung auf Druck von Martin Kind auf alle langjährigen Sponsoren ausgeweitet, die sich bei einem Verein länger als 20 Jahre engagieren.

(Foto: Hein-Reipen)

Der erste Verein, der von dieser neu geschaffenen Regelung Gebrauch machte, war dann auch – wenig überraschend – die „Werkself“ von Bayer Leverkusen, die ihren Profibetrieb im April 1999 auf die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH übertrug. In den Jahren danach folgten zahlreiche weitere Proficlubs, so dass der eingetragene Verein heute nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme darstellt. Von den 18 Vereinen der ersten Fußball-Bundesliga treten an:

6 Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH)

Bayer Leverkusen (seit April 1999)

VfL Wolfsburg (seit Juli 2001)

Borussia Mönchengladbach (seit Januar 2003)

TSG 1899 Hoffenheim (seit Februar 2005)

FC Ingolstadt (seit Mai 2007)

RB Leipzig (seit März 2009)

5 Kommanditgesellschaften auf Aktien (GmbH & Co. KGaA)

BVB (seit November 1999)

FC Köln (seit März 2002)

Hertha BSC (seit Mai 2002)

Werder Bremen (seit Mai 2003)

FC Augsburg (seit Juli 2005)

4 eingetragene Vereine (e. V.)

SV Darmstadt 98 (seit Mai 1898)

FC Schalke 04 (seit Mai 1904)

SC Freiburg (seit Mai 1904)

FSV Mainz 05 (seit März 1905)

3 Aktiengesellschaften (AG)

Eintracht Frankfurt (seit Juli 2000)

Bayern München (seit Februar 2002)

HSV (seit Mai 2014)

Was unterscheidet nun GmbH, AG und KGaA voneinander?

Die GmbH ist die Grundform einer haftungsbeschränkten Kapitalgesellschaft und die in Deutschland mit Abstand häufigste Gesellschaftsform. Die Grundstruktur sieht ein Mindestkapital von 25.000 Euro vor, das sich auf einen oder mehrere Anteilseigner/Gesellschafter verteilen kann. Die Anteilseigner bilden die Gesellschafterversammlung, die mindestens einen Geschäftsführer bestimmt, der wiederum die GmbH vertritt. Eine GmbH kann einen Aufsichtsrat haben, muss es aber nicht.

Der große Vorteil einer GmbH ist die Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftskapital, d. h. selbst wenn der Profibereich insolvent wäre, bliebe der restliche Verein davon unberührt. Der Nachteil ist eine gewisse Schwerfälligkeit gegen die Aufnahme neuer Gesellschafter. Daraus ergibt sich, dass eine GmbH sich nur eingeschränkt für die Gewinnung von Fremdkapital auf dem Kapitalmarkt über Investoren eignet. Sie ist besser geeignet für Vereine, die wie Leverkusen/Bayer, Wolfsburg/VW, Hoffenheim/Hopp, Ingolstadt/Audi und Leipzig/Red Bull ganz gezielt einen Hauptsponsor in die Entscheidungen einbinden möchte. Nur die Borussia VfL Mönchengladbach GmbH gehört zu 100 Prozent dem Verein.

Die Aktiengesellschaft ist die typische Unternehmensform von Wirtschaftsunternehmen mit großem Kapitalbedarf, bei der das Grundkapital (Minimum 50.000 Euro, in der Praxis aber regelmäßig mindestens siebenstellige Beträge) in Aktien zerlegt wird, die von beliebig vielen Aktionären ge- und verkauft werden können. Dies kann, muss aber nicht an der Börse geschehen. Die Aktionäre haben Stimmrecht auf der Aktionärs- oder Hauptversammlung; sie wählen den zwingend vorgeschriebenen Aufsichtsrat, der wiederum den Vorstand bestellt, der die Geschäfte führt.

Vorteil der AG ist die Gewinnung von Fremdkapital durch den Verkauf der Aktien, der Nachteil ist die Gefahr, dass die Aktionäre „mitreden“ und ihren Gewinn mehren wollen, statt langfristig sinnvolle sportliche Entscheidungen zu treffen. Bayern München hat daher nur seine drei großen strategischen Partner Adidas, Allianz und Audi zu je 8,33 Prozent beteiligt, die absolute 75,01 Prozent Mehrheit der Aktien gehört nach wie vor dem Verein. Bei Eintracht Frankfurt sitzen die „Freunde der Eintracht Frankfurt AG“ mit 28,6 Prozent, die BHF Bank mit 4,4Prozent und die Steubing AG mit 3,6 Prozent der Aktien mit im Boot, die Aktien der HSV AG gehören zu 85,21 Prozent dem Verein, Großinvestor Kühne hat 11 Prozent, hinzu kommen drei Kleinaktionäre mit je 1,5 bzw. 0,79 Prozent.

Die Kommanditgesellschaft auf Aktien ist eine Sonderform der Aktiengesellschaft, die an Stelle des geschäftsführenden Vorstandes wie eine Kommanditgesellschaft über persönlich haftende Gesellschafter (Komplementäre) verfügt. Diese führen die Geschäfte, haben weitreichende Entscheidungsbefugnisse und haften unbegrenzt, weshalb diese Stellung häufig mit einer GmbH besetzt wird. Die übrigen Aktionäre haben eine ähnliche Stellung wie die Aktionäre der GmbH und haften nur mit dem Gesellschaftsvermögen; die Befugnisse des Aufsichtsrates sind aufgrund der starken Stellung der Komplementäre ein wenig schwächer.  

Die KGaA ist in Deutschland eine seltene Gesellschaftsform, weil die persönliche Haftung bei Unternehmen dieser Größenordnung regelmäßig ein zu großes Risiko darstellt. Sie wird deshalb fast nur von großen Familienunternehmen wie Henkel oder Merck gewählt. Dass sie ausgerechnet in der Bundesliga vergleichsweise beliebt ist, ist auf eine Klausel  in der Satzung des Ligaverbandes zurückzuführen: Wenn der Verein oder eine ihm gehörende GmbH als Komplementär auftreten, sieht die DFL die Übernahmeresistenz  und die 50 + 1 Regel auch bei weniger als 50 Prozent der Aktien als gewahrt an, so dass mehr Aktien zu Geld gemacht werden können. So geschehen beispielsweise beim BVB, der weit über 90 Prozent der Anteile an der KGaA versilbert hat.

Im Gegensatz zu den drei Vorgenannten ist ein Verein keine Kapitalgesellschaft und darf seine Hauptbetätigung (außer im Fall der praktisch bedeutungslosen wirtschaftlichen Vereine) gerade nicht in einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb haben; wirtschaftliche Aktivitäten sind nur als „Nebenzweck“ zulässig, um beispielsweise Gelder für den guten Zweck einzunehmen. Inwiefern man bei Umsätzen im dreistelligen Millionenbereich – der FC Schalke 04 e. V. beispielsweise bewegte 2015 rund 264,5 Millionen Euro – noch von einem Nebenzweck sprechen kann, ist umstritten.

Ebenfalls hinterfragen kann man die noch weitergehende Anerkennung als gemeinnützig, die ein Verein nur erhält, wenn seine Tätigkeit durch bestimmte anerkennenswerte Zwecke der Allgemeinheit zugutekommt. An der Anerkennung als gemeinnützig hängen diverse steuerliche Vergünstigungen, u. a. das Recht zum Empfang steuerlich absetzbarer Spenden.

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