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Siegfried Kauder schaut streng und will Urheberrechtsverletzer auf kurzem Dienstweg bestrafen. (Foto: dpa)


In der Rubrik ScrollMich schauen wir auf alle Themen, die uns in der täglichen Medienarbeit auffallen. Manchmal ironisch, manchmal bissig, aber nie ganz ernst gemeint... Viel Spaß!


Wie ein Politiker sich zum Gespött macht

Das Kaudergate

30. September 2011 10:17 Uhr von Carsten Schulte | Quelle: westline

Mit dem Internet ist nicht gut Kirschen essen. Geklaut wird da wie sonst nirgends. Das weiß Siegfried Kauder (CDU) natürlich auch. Deshalb schlägt er eine Internetsperre vor, wenn sich jemand danebenbenimmt. Streng genommen, müsste er sich jetzt selbst offline nehmen...

Worüber das Internet lacht, ist nicht immer für alle zu verstehen. Macht ja auch nichts, beim Kegelabend geht's den meisten nicht anders.

Gleichermaßen muss auch nicht jeder das Internet verstehen, um Forderungen aufzustellen. Oder Kritik zu üben. Oder einfach erklären, das Internet würde "geisteskrank" machen. Das hat übrigens Franz Beckenbauer gerade der "Bunte" verraten.

Nun, auch die CDU verfügt über einen gewisse Bandbreite an auffälligen Persönlichkeiten. Erinnern Sie sich noch an die Stoppschilder im Internet, die die ehemalige Familienministerin Ursula "Zensursula" von der Leyen (CDU) einführen wollte?

Jetzt hat auch Siegfried Kauder (CDU) zugeschlagen. Der Mann ist Mitglied des Bundestages, außerdem Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages. Und als solcher trat er jüngst mit einer Forderung nach einer Internetsperre für Raubkopierer und Urheberrechtssünder an die Öffentlichkeit.

Verwarnung für Sünder

Im Kern: Wer im Internet Bilder, Musik oder andere Werke klaut, der soll vom Rechteinhaber eine Verwarnung bekommen. Wer dann nicht reagiert, bekommt eine Internetsperre nicht unter drei Wochen. Wie das praktisch und technisch überhaupt funktionieren soll, ist eine ganz andere Sache, aber das muss Siegfried Kauder ja auch nicht erklären. Sparen kann man damit "kostenpflichtige Abmahnungen", eine echte Erleichterung. Möglicherweise müsste für den "kurzen Prozess Internetsperre" später eine eigene Taskforce mit einem Ausschuss und einem repräsentativen Betonbau in Berlin-Mitte eingerichtet werden, aber wie gesagt: jeder gute Idee beginnt mit nichts.

Nun hatte Siegfried Kauder mit seinem Vorschlag zwar nicht den ganz großen Applaus eingeheimst, später jedoch großes Gelächter. Es stellt sich heraus, dass Siegfried Kauder eine Internetseite von überschaubarer Qualität betreibt. Darauf verteilt sind bunte Bilder aus seiner Heimat, dem Schwarzwald, dem Landkreis Schwarzwald-Baar mit dem Oberzentrum Villingen-Schwenningen und dem Oberen Kinzigtal.

Womöglich geht es da idyllisch zu, aber einige Fotos auf der Seite waren offenbar geklaut. Autsch. Der Urheberrechtsverteidiger als Urheberrechtsverletzer.

Auf entsprechende Kritik reagierte Kauder wie jeder vernünftige Mensch. Gar nicht. Und dann doch, weil der Spiegel anfragte. In einer Art genialer Hinterrücks-Verdrehung wurde aus seinem "Kaudergate" glattwegs eine Erfolgsgeschichte. Sein Warnmodell funktioniere doch, so jubelte Kauder! Sehen Sie, meine Herren, ich wurde ertappt, verwarnt und habe reagiert.

Es wäre kaum überraschend, wenn sich vor Gericht demnächst Ladendiebe stapelten, die auf die lehrreiche Komponente ihres Handelns verwiesen. Hohes Gericht, mein Diebstahl diente nur dazu, der Bevölkerung zu zeigen, wie sicher unser Rechtsstaat arbeitet!

Nun, Siegfried Kauder ficht all dies nicht an. Er lässt dem Spiegel noch schnell eine Mitteilung zukommen. "Ich bin denen dankbar, die mir Gelegenheit gegeben haben zu zeigen, dass das Warnmodell funktionieren kann."

Hatten wir schon erwähnt, dass bei Herrn Kauder einiges im Argen liegt? Er nennt in seiner Stellungnahme die entsprechenden Fotos "Lichtbilder". Lichtbilder. Uns flackerts auch schon vor den Augen. Vermutlich ist Herr Kauder erst einmal für drei Wochen nicht zu sprechen.

Das nur mal am Rande.

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