Behrenbruch: «Medaille vergeigt» - Hardee jubelt
27. November 2009 17:30 Uhr von Von Ralf Jarkowski, dpa
Berlin (dpa) Als «König» Trey Hardee längst auf dem Thron saß und lässig jubelnd die Huldigungen seiner Gefolgschaft genoss, schlich Pascal Behrenbruch wie ein armer Ritter durch die Katakomben des Berliner Olympiastadions.
«So ein Event hier, diese tollen Zuschauer, und dann vergeigst du eine Medaille. Scheiße. Jetzt bin ich schon ein bisschen enttäuscht und traurig, dass ich die Chance nicht genutzt habe», sagte der lange Blonde aus Frankfurt/Main nach dem besten Zehnkampf der WM-Geschichte. Gleich 20 Muskelmänner hatten am wärmsten Tag des Jahres bei der Leichtathletik-WM die 8000-PunkteMarke geknackt.
Platz sechs beim WM-Debüt, persönliche Bestleistung mit 8439 Punkten und viel Sympathie von den Fans - eigentlich kann Behrenbruch mit seiner Leistung mehr als zufrieden sein. Vor dem 1500-Meter-Lauf lag sogar eine Medaille in der Berliner Luft. Doch die süß-saure Miene Behrenbruchs nach der Hitzeschlacht sprach Bände. «Wenn du siehst, wie die anderen deutschen Athleten hier abgehen, dann ist die Enttäuschung natürlich noch größer», gab der 24-Jährige zu. Schnell abhaken: «Der Traum von einer Medaille ist vorbei.»
Selbst ein letzter Kraftakt brachte dem 1,96-Meter-Mann nicht mehr den Schub, mit dem er auf dem Podest gelandet wäre. «Norman Müller hat mich beim 1500-Meter Lauf sogar angeschrien und gewinkt: Los, mach jetzt!» Doch mehr ging einfach nicht. «Der Norman ist nicht das gelaufen, was er kann, sondern hat versucht, den Pascal über die schweren dreieinhalb Runden zu bringen», erklärte Jürgen Mallow, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV).
Wenn einer aus dem deutschen Trio Grund hatte, richtig frustriert zu sein, dann war es allein Norman Müller. Platz 16, 8096 Zähler, das kann er viel besser. «Das war Durchschnittsware», gestand der Hallenser, der sein WM-Ziel - Platz acht - um Längen verfehlte. «Der Körper reicht für 8500 Punkte, aber der Kopf hat wieder mal nicht mitgespielt», meinte der 24-Jährige, der bei seiner zweiten WM zwar nicht jubelte, aber immerhin einen kleinen Sprung machte: Vor zwei Jahren in Osaka war er nur auf Platz 22 gelandet.
Behrenbruch wollte nach dem Schauspiel in zehn Akten nur schnell weg, endlich ein Bier trinken. «Auf das nächste große Leichtathletik-Event in Deutschland müssen wir nun wohl 15 Jahre warten», sagte der EM-Fünfte von 2006. «Aber im nächsten Jahr will ich mit Michael Schrader bei der Europameisterschaft in Barcelona angreifen.»
Schrader (Uerdingen/Dormagen), der den späteren Weltmeister Hardee bei seinem Götzis-Sieg Ende Mai noch um sechs Punkte distanziert hatte, musste seinen WM-Start wegen einer Fußverletzung absagen. Für Ersatzmann Moritz Cleve kam das WM-Debüt vielleicht noch etwas zu früh. «Ich habe mehr erwartet», gab der 22-Jährige vom TV Wattenscheid, der in den USA lebt und studiert, nach Platz 27 zu. Und auch die «Schnapszahl» 7777 fand Cleve nicht wirklich lustig - Bestleistung um 227 Punkte verfehlt.
Eine Punktlandung aufs Siegerpodest legte Hardee hin. Der vierte Zehnkampf-Weltmeister «Made in USA» sammelte 8790 Punkte, mit Gold in der Hand konnte der Texaner endlich das Olympia-Trauma von Peking vergessen. Vor einem Jahr hatte der 25-Jährige nach einem «Salto nullo» im Stabhochsprung aufgegeben. «Das Aus in Peking hat mir eine unglaubliche Motivation für mein Comeback gegeben», erklärte Hardee überglücklich. «Man sieht, wie sich das Schicksal wenden kann.
Schon gewusst, dass ...
... Melissa Henderson aus Belize die langsamste Marathon-Läuferin in der WM-Geschichte ist? Die Langstreckenläuferin kam bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2007 in Osaka als 57. und letzte über die 42,195 Kilometer ins Ziel.
Henderson benötigte 3:52:35 Stunden; keine andere Starterin war bei einer WM jemals langsamer.
