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Betty Heidler freut sich über ihre Silbermedaille im Hammerwerfen.

DLV zieht positive WM-Bilanz: «Mut für Zukunft»

14. Juni 2010 16:13 Uhr

Berlin (dpa) Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat den Heim-Vorteil genutzt und bei den 12. Weltmeisterschaften in Berlin den größten Erfolg seit zehn Jahren gefeiert

Mit dem Gewinn von neun Medaillen gelang der olympische Kernsportart ein Jahr nach dem Desaster in Peking die Rehabilitierung. «Die WM gibt der deutschen Leichtathletik Selbstbewusstsein und Mut für die Zukunft», resümierte DLV-Präsident Clemens Prokop am WM-Schlusstag. «Wir wollten neuen Schwung in die deutsche Leichtathletik bringen. Das ist gelungen.» Zuletzt hatte es bei der WM 1999 in Sevilla mit zwölf Plaketten mehr Medaillen gegeben - 2005 und 2007 gewann der DLV fünf und sieben.

Der scheidende DLV-Sportdirektor Jürgen Mallow dagegen nutzte die Stunde des Erfolges nicht nur zur Schönrednerei. Vielmehr wetterte er gegen «Steinewerfer» aus dem Bundesinnenministerium und klagte über die mangelnde Unterstützung der Leichtathletik in Deutschland. «Alle lassen uns im Regen stehen», kritisierte der 64-Jährige. «Die deutsche Leichtathletik könnte noch besser werden.»

Das Gerede vom Untergang und Niedergang könne er nicht mehr hören. Stabhochspringer Tim Lobinger habe vor der WM die Schlagzeile geliefert «Tot, toter, Leichtathletik». «Solche Tote liebe ich», sagte Mallow, der erneut über die unzureichenden finanziellen Zuwendungen für den Leistungssport lamentierte und eine Verdoppelung des Budgets von fünf auf zehn Millionen Euro für notwendig erachtet. «Wir sollen mit weniger Mittel mehr Erfolge gegen immer stärker Konkurrenz bringen», bekräftigte Mallow, der den DLV nach der Olympia-Pleite von 2004 erst als Cheftrainer und seit 2008 als Sportdirektor wieder in die Weltspitze zurückführte.

Kernstück war dabei die Verjüngung der Nationalmannschaft. «Der Generationswechsel ist vollzogen», stellte Prokop fest. «Die Perspektive der Mannschaft für London 2012 ist sehr verheißungsvoll.» Allerdings wurden noch vier der neun Medaillen von Athleten gewonnen, die schon bei der 2007 auf dem Treppchen standen: Steffi Nerius (Speerwurf) und Robert Harting (Diskuswurf/beide Gold) sowie Nadine Kleinert (Kugelstoß) und Betty Heidler (Hammerwurf/beide Silber). Zu den Routiniers gehört auch Ralf Bartels (Kugelstoßen/Bronze).

Dagegen gehören Hochspringerin Ariane Friedrich, Hochspringer Raul Spank und die 4 x 100 Meter-Läuferinnen (alle Bronze) zur «Generation Zukunft» - ebenso wie Diskuswerferin Nadine Müller (23), 200-Meter- Sprinter Robert Hering (19), Stabhochspringer Malte Mohr (23) und Speerwerferin Linda Stahl (23). Aus der «Senioren»-Abteilung Wurf verabschieden sich die gescheiterte dreifache Weltmeisterin Franka Dietzsch (41) und Überraschungssiegerin Steffi Nerius (37) in den sportlichen Ruhestand. «Ich bin Frankas Wachablösung und freue mich darüber», sagte Müller.

Der WM-Dritte Spank hat im Vergleich zu Peking auch einen Stimmungswandel ausgemacht. «Letztes Jahr hatten wir einen relativ hohen Altersdurchschnitt. Da war ich doch etwas verwundert, dass sich manche mit dem olympischen Geist zufriedengegeben haben», sagte der Dresdner. «Bei der Hallen-EM in Turin war das schon anders, hier in Berlin wurde es noch um ein vielfaches übertroffen: Ich hab' hier niemanden erlebt, der keine Lust hatte.»

DLV-Vizepräsident Eike Emrich sprach von einer «Auffrischung» dank der größere Fluktuation im Nationalteam. Der Soziologe verglich die jungen Sportler mit seinen Studenten an der Universität Saarbrücken: «Zielorientiert, leistungsorientiert. Typisch dafür ist, dass sie sich auf eine Bewährungsprobe freuen.» Dies sei die Hauptsache und Medaille «eine erwartete Nebenfolge».


Schon gewusst, dass ...

... Melissa Henderson aus Belize die langsamste Marathon-Läuferin in der WM-Geschichte ist? Die Langstreckenläuferin kam bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2007 in Osaka als 57. und letzte über die 42,195 Kilometer ins Ziel.

Henderson benötigte 3:52:35 Stunden; keine andere Starterin war bei einer WM jemals langsamer.