Vielspieler Boll verzichtet vor Olympia auf Starts
03. Februar 2012 13:14 Uhr von Von Peter Hübner, dpa
Lyon (dpa) Timo Boll schlägt im Olympia-Jahr einen neuen Weg ein. Der Rekord-Europameister hat seinen Terminkalender entrümpelt und nimmt nicht mehr an jeder großen Tischtennis-Veranstaltung teil.
«Vor unserer Heim-WM und den Olympischen Spielen will ich mein Wettkampfprogramm richtig dosieren und muss, so schwer es mir fällt, auch mal Turniere absagen», erläuterte Boll seine Strategie. Das Europa-Top-12-Turnier am Wochenende in Lyon ist nach den Ungarn- und Slowenien-Open bereits der dritte internationale Wettkampf in diesem Jahr, den der 30-jährige Linkshänder auslässt.
Bisher galt Boll als Vielspieler. Er gönnte sich selbst nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der Einzel-WM 2011 in Rotterdam keine größere Pause und spielte für gutes Geld in der chinesischen Super Liga. Nach der Rückkehr aus Asien ging es für den Düsseldorfer fast Schlag auf Schlag mit Bundesliga, Champions League und der EM in Danzig weiter. Eine Reizung im Bereich der Lendenwirbelsäule, die seinen Rücken «richtig dicht machte», war Anfang November ein Warnschuss für den gebürtigen Hessen, seinen Körper mehr zu schonen.
«Timos umfangreicher Wettkampfkalender war schon häufig ein Thema. Ich begrüße es, dass er seine Termine reduziert, um sich gezielt vorbereiten zu können», kommentierte Bundestrainer Jörg Roßkopf die Absage für Lyon. Die vielen Starts des deutschen Top-Stars haben ihm schon früher missfallen. Für Roßkopf steht die Trainingsarbeit im Vordergrund. «Timo muss sein Pensum bis zur Mannschafts-WM im März in Dortmund deutlich steigern. Dort hat er noch Defizite», argumentierte der frühere Doppel-Weltmeister.
Die neue Langzeitplanung birgt allerdings die Gefahr, dass Boll an Spielpraxis gegen hochklassige Gegner einbüßt. Seit dem World Cup Mitte November in Paris ist er nicht mehr gegen Top-Leute aus Asien und Europa angetreten. Das Preisgeld-Turnier, das der WM-Dritte im Januar in Saarbrücken gewann, hatte einen ganz anderen Stellenwert als die Turniere in Ungarn und Slowenien, wo die besten Chinesen eindrucksvoll ihre Stärke bewiesen. Auch wenn Boll nach Saarbrücken hoffnungsvoll twitterte: «Es geht aufwärts.»
Beim Europa-Top-12, das Boll bereits fünfmal gewann, hat nun sein Nationalmannschafts-Kollege Dimitrij Ovtcharov gute Chancen auf einen Sieg. Der Rechtshänder konnte bereits mit einem Startverzicht einen guten Erfolge erzielen. Ovtcharov, der die komplizierte Weltranglisten-Arithmetik vorzüglich beherrscht, trat in Ungarn und Slowenien nicht an, verteidigte so Platz zehn in der Weltrangliste und sicherte damit dem deutschen Herren-Team Platz zwei in der Setzliste für die Heim-WM in Dortmund.
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