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Die Luftaufnahme vom Mai 2010 zeigt einen Ölteppich, der im Golf von Mexiko nahe der verunglückten Ölbohrplattform Deepwater Horizon treibt.

BP beginnt im Golf von Mexiko mit Aufräumarbeiten

08. August 2010 17:33 Uhr

Washington (dpa) Nach der gelungenen Abdichtung der defekten BP-Ölquelle beginnen im Golf von Mexiko die Aufräumarbeiten.

Da kaum noch Öl auf der Meeresoberfläche zu finden sei, würden die im Wasser ausgelegte Barrieren nun wieder eingeholt, teilte die Einsatzleitung am Sonntag mit. Tausende Fischer, die bislang mit ihren Booten das Öl aus dem Meer abschöpften, seien damit beauftragt worden. Derweil forderten Naturschützer den britischen Konzern BP auf, beim Kampf gegen die Ölpest nicht nachzulassen.

Die auf Tausenden Kilometern Länge ausgelegten schwimmenden Begrenzungen sollten das Öl davon abhalten, an die Küsten geschwemmt zu werden. Sie könnten aber bei Tropenstürmen, die sich nun in der laufenden Hurrikan-Saison häufen, zu zerstörerischen Geschossen werden. «Die Barrieren werden zum Risiko, weil sie Schäden im Marschland verursachen können, auf Straßen landen oder sich in den Docks verfangen», sagte BP-Topmanager Doug Suttles.

Gleichzeitig wurde die Entlastungsbohrung zum Öl-Reservoir vier Kilometer unter dem Meeresgrund fortgesetzt. Nachdem das Steigrohr in der vergangenen Woche von oben mit Zement versiegelt wurde, soll die Quelle zusätzlich ab kommenden Freitag auch von unten abgedichtet werden. Allerdings sei es - anders als bisher geplant - dabei wohl nicht nötig, das rund 18 Zentimeter dicke Steigrohr anzubohren, sagte der von der US-Regierung ernannte Einsatzleiter, Admiral Thad Allen. Es genüge, lediglich den äußeren Ring um das Rohr herum mit Zement zu füllen. Damit solle verhindert werden, dass Öl aus möglichen kleinen Lecks unten in der Quelle nach oben drängen kann.

Trotz der jüngsten Erfolgsmeldungen warnen Umweltschützer davor, die Folgen der Katastrophe zu unterschätzen. «Das Desaster der "Exxon Valdez" ist 20 Jahre her und die Gemeinden und das Ökosystem in Alaska leiden immer noch darunter», sagte Kristina Johnson von der US-Naturschutzgruppe «Sierra Club». Die Verpflichtungen von BP in dem Katastrophengebiet seien deshalb längst nicht erfüllt.

Große Zweifel herrschen in der Fachwelt weiter an den Angaben der US-Regierung, dass drei Viertel der rund 660 000 ausgeströmten Tonnen Öl auf natürlich Weise verschwunden sind. «Bakterien können durchaus Öl im Meer abbauen, aber das ist ein Prozess, der sich über Monate oder gar Jahre hinzieht», sagte Prof. Friedrich Widdel vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen der dpa. Zudem sei auch der natürliche Abbau problematisch für die Natur, weil dafür Sauerstoff benötigt werde. «Wenn die Bakterien ihn vollständig aufbrauchen, kippt das Meer um. Damit stirbt alles Leben ab.»


Chronologie: Die Ölpest im Golf von Mexiko

Seit zwölf Wochen sprudelt Öl aus einem Bohrloch vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana. Ein Rückblick:
20. April: Auf der Ölbohrinsel «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko gibt es eine Explosion. Die meisten der 126 Arbeiter können gerettet werden, 11 bleiben vermisst.

22. April: Die brennende Bohrinsel sinkt. Zum Untergang trägt eine Serie technischer und menschlicher Fehler bei.

29. April: Die US-Regierung stuft die Ölpest als Katastrophe «von nationaler Bedeutung» ein.

1. Mai: Nach Louisiana und Florida rufen auch die Bundesstaaten Alabama und Mississippi den Notstand aus.

6. Mai: Das Öl erreicht Land, die unbewohnte Freemason-Insel.

11. Mai: Die Spitzenmanager der drei in das Unglück verstrickten Unternehmen - BP, Transocean und Halliburton - machen sich gegenseitig verantwortlich.

20. Mai: Ein Live-Video vom Meeresgrund zeigt, dass mehr Öl ins Wasser austritt als BP bisher schätzte.

27. Mai: US-Präsident Barack Obama entlässt die Chefin der Behörde für Mineralien-Management (MMS), Elizabeth Birnbaum.

28. Mai: Obama will die Zahl der Helfer verdreifachen. Rund 240 Kilometer der Küste sind bereits verseucht. Laut US-Ozeanbehörde NOAA darf bereits in einem Viertel des Golfs nicht mehr gefischt werden.

4. Juni: Den Ingenieuren gelingt es, einen Behälter über dem Leck zu platzieren. Allerdings strömt weiterhin Öl ins Meer, nur ein kleiner Teil kann zu einem Schiff abgeleitet werden.

10. Juni: Allein in Louisiana haben inzwischen mehr als 70 Menschen ärztliche Hilfe gesucht - wegen Übelkeit, Kopfschmerzen, entzündeten Augen und Atembeschwerden. Mindestens 1100 ölverschmierte Vögel wurden gefunden, der größte Teil von ihnen tot.

11. Juni: Wissenschaftler der US-Geologiebehörde gehen davon aus, dass täglich bis zu 5400 Tonnen Öl aus dem Bohrloch schießen könnten.

16. Juni: In seiner ersten Rede aus dem Oval Office wendet sich Obama direkt an die Nation. Die Ölpest werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. In ihrer Energiepolitik müssten die USA eine Wende einleiten.

17. Juni: BP-Chef Tony Hayward Tony Hayward muss sich einem sechsstündigen Kreuzverhör im US-Kongress stellen.

22. Juni: Ein US-Gericht erklärt ein von Obama verhängtes Verbot von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko für nichtig.

23. Juni: Wegen technischer Probleme muss BP das Auffangen des Öls erneut unterbrechen. Zwei Helfer kommen ums Leben.

29. Juni: Hohe Wellen behindern die Arbeiten an der Unglücksstelle. Die Installation eines zusätzlichen Absaugsystems über der sprudelnden Quelle verzögern sich um rund eine Woche.

30. Juni: Der Schmierstoffspezialist Liqui Moly boykottiert den BP- Konzern. «Das soll ein Zeichen gegen Verantwortungslosigkeit und Umweltzerstörung sein», sagte Inhaber Ernst Prost.

5. Juli: Die Ölpest hat BP nach eigenen Angaben bislang 3,12 Milliarden Dollar (derzeit 2,5 Mrd. Euro) gekostet.

5. Juli: Der Testlauf des Riesentankers «A Whale» (Ein Wal) verläuft vorerst ergebnislos. Experten hoffen, dass das Schiff bis zu 80 Millionen Liter des Wasser-Öl-Gemischs täglich säubern kann.

9. Juli: Das von US-Präsident Barack Obama verhängte Verbot neuer Tiefseebohrungen bleibt weiter außer Kraft, entschied ein Berufungsgericht in New Orleans.

10. Juli: Mit einem neuen Deckel über der sprudelnden Quelle will BP erreichen, dass der Ölaustritt ins Wasser am Dienstag aufhört. Das dritte Pump-Schiff «Helix» soll am Sonntag mit dem Aufsaugen beginnen. BP arbeitet mit Hochdruck zudem weiter an einem Nebenzugang zum Hauptbohrloch: Dadurch sollen bis Mitte August Schlamm und Zement zum Versiegeln der Quelle «geschossen» werden.

15. Juli: Erstmals seit drei Monaten strömt kein Öl mehr aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko. Experten von BP ist es gelungen, alle Ventile eines Auffangzylinders in 1500 Meter Tiefe zu schließen.

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