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Einer neuen Studie zufolge könnte eine bisher unbekannte Mikrobenart die gewaltigen Öl-Schwaden im Golf von Mexiko bereits komplett abgebaut haben.

Neue Mikrobenart vernichtet Öl im Golf von Mexiko

26. August 2010 07:21 Uhr

Washington (dpa) Der Golf von Mexiko könnte sich einer neuen Studie zufolge überraschend schnell von der Ölpest erholen. Eine bisher unbekannten Mikrobenart könnte die gewaltigen Öl-Schwaden, die rund 1100 Metern Meerestiefe gefunden wurden, bereits komplett abgebaut haben.

So heißt es in einer vom Fachjournal «Science» (Donnerstag) veröffentlichten Untersuchung. Die auf den Öl-Konsum spezialisierten Bakterien seien erstaunlich effektiv, berichten die Meeresforscher vom Lawrence Berkeley National Laboratory (Washington DC).

Nach dem Untergang der BP-Bohrinsel «Deepwater Horizon» vor vier Monaten hatten Forscher im Juni eine rund 35 Kilometer lange Wolke aus kleinen Öl-Tröpfchen entdeckt. Damals strömte noch massenhaft Öl aus einem Leck ins Wasser. Erst in der vergangenen Woche hatten US-Wissenschaftler des Woods-Hole-Instituts für Ozeanographie (Massachusetts) berichtet, dass dieses Öl nicht so rasch wie erhofft auf natürliche Weise von Mikroben abgebaut wird.

Allerdings hatten sie zur Untermauerung der Ergebnisse den Sauerstoffgehalt in der untersuchten Meeresregion herangezogen. Der sei kaum gesunken, obwohl die Mikroorganismen dem Wasser gewöhnlich Sauerstoff entziehen, wenn sie Öl fressen.

Die Forscher der neuesten Studie berichten dagegen, dass die neu entdeckte Mikrobenart beim Zersetzen des Öls kaum Sauerstoff verwende. Sie haben nach eigener Angabe mehr als 200 Wasserproben untersucht und dabei festgestellt, dass die Bakterien in ungewöhnlich großer Menge in den Schwaden aufgetreten sind. Bei dem Tempo, in dem sie das Öl zersetzten, könnte die Öl-Wolke schon verschwunden sein, schreiben die Wissenschaftler - allerdings sei das nicht sicher und müsse noch überprüft werden.

Die Washingtoner Regierung hatte vor kurzem unter Berufung auf eigene Wissenschaftler berichtet, 75 Prozent des Öls im Golf sei bereits verschwunden - entweder verdunstet, zersetzt oder auch von Menschenhand abgeschöpft oder abgefackelt. In den vergangenen Wochen hatten sich wiederholt Forscher zu Wort gemeldet, die diese Darstellung bezweifeln. Die Chefin der US-Ozeanbehörde (NOAA), Jane Lubchenko, verteidigte die Regierungsangaben.


Chronologie: Die Ölpest im Golf von Mexiko

Seit zwölf Wochen sprudelt Öl aus einem Bohrloch vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana. Ein Rückblick:
20. April: Auf der Ölbohrinsel «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko gibt es eine Explosion. Die meisten der 126 Arbeiter können gerettet werden, 11 bleiben vermisst.

22. April: Die brennende Bohrinsel sinkt. Zum Untergang trägt eine Serie technischer und menschlicher Fehler bei.

29. April: Die US-Regierung stuft die Ölpest als Katastrophe «von nationaler Bedeutung» ein.

1. Mai: Nach Louisiana und Florida rufen auch die Bundesstaaten Alabama und Mississippi den Notstand aus.

6. Mai: Das Öl erreicht Land, die unbewohnte Freemason-Insel.

11. Mai: Die Spitzenmanager der drei in das Unglück verstrickten Unternehmen - BP, Transocean und Halliburton - machen sich gegenseitig verantwortlich.

20. Mai: Ein Live-Video vom Meeresgrund zeigt, dass mehr Öl ins Wasser austritt als BP bisher schätzte.

27. Mai: US-Präsident Barack Obama entlässt die Chefin der Behörde für Mineralien-Management (MMS), Elizabeth Birnbaum.

28. Mai: Obama will die Zahl der Helfer verdreifachen. Rund 240 Kilometer der Küste sind bereits verseucht. Laut US-Ozeanbehörde NOAA darf bereits in einem Viertel des Golfs nicht mehr gefischt werden.

4. Juni: Den Ingenieuren gelingt es, einen Behälter über dem Leck zu platzieren. Allerdings strömt weiterhin Öl ins Meer, nur ein kleiner Teil kann zu einem Schiff abgeleitet werden.

10. Juni: Allein in Louisiana haben inzwischen mehr als 70 Menschen ärztliche Hilfe gesucht - wegen Übelkeit, Kopfschmerzen, entzündeten Augen und Atembeschwerden. Mindestens 1100 ölverschmierte Vögel wurden gefunden, der größte Teil von ihnen tot.

11. Juni: Wissenschaftler der US-Geologiebehörde gehen davon aus, dass täglich bis zu 5400 Tonnen Öl aus dem Bohrloch schießen könnten.

16. Juni: In seiner ersten Rede aus dem Oval Office wendet sich Obama direkt an die Nation. Die Ölpest werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. In ihrer Energiepolitik müssten die USA eine Wende einleiten.

17. Juni: BP-Chef Tony Hayward Tony Hayward muss sich einem sechsstündigen Kreuzverhör im US-Kongress stellen.

22. Juni: Ein US-Gericht erklärt ein von Obama verhängtes Verbot von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko für nichtig.

23. Juni: Wegen technischer Probleme muss BP das Auffangen des Öls erneut unterbrechen. Zwei Helfer kommen ums Leben.

29. Juni: Hohe Wellen behindern die Arbeiten an der Unglücksstelle. Die Installation eines zusätzlichen Absaugsystems über der sprudelnden Quelle verzögern sich um rund eine Woche.

30. Juni: Der Schmierstoffspezialist Liqui Moly boykottiert den BP- Konzern. «Das soll ein Zeichen gegen Verantwortungslosigkeit und Umweltzerstörung sein», sagte Inhaber Ernst Prost.

5. Juli: Die Ölpest hat BP nach eigenen Angaben bislang 3,12 Milliarden Dollar (derzeit 2,5 Mrd. Euro) gekostet.

5. Juli: Der Testlauf des Riesentankers «A Whale» (Ein Wal) verläuft vorerst ergebnislos. Experten hoffen, dass das Schiff bis zu 80 Millionen Liter des Wasser-Öl-Gemischs täglich säubern kann.

9. Juli: Das von US-Präsident Barack Obama verhängte Verbot neuer Tiefseebohrungen bleibt weiter außer Kraft, entschied ein Berufungsgericht in New Orleans.

10. Juli: Mit einem neuen Deckel über der sprudelnden Quelle will BP erreichen, dass der Ölaustritt ins Wasser am Dienstag aufhört. Das dritte Pump-Schiff «Helix» soll am Sonntag mit dem Aufsaugen beginnen. BP arbeitet mit Hochdruck zudem weiter an einem Nebenzugang zum Hauptbohrloch: Dadurch sollen bis Mitte August Schlamm und Zement zum Versiegeln der Quelle «geschossen» werden.

15. Juli: Erstmals seit drei Monaten strömt kein Öl mehr aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko. Experten von BP ist es gelungen, alle Ventile eines Auffangzylinders in 1500 Meter Tiefe zu schließen.

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