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Wochenlang strömte Öl ungehindert in den Golf von Mexiko: Der US-Bundesstaat Alabama hat nun angekündigt, BP auf Schadensersatz zu verklagen.

US-Regierung zu «Bottom Kill» entschlossen

14. August 2010 21:31 Uhr

Washington (dpa) Die US-Regierung ist entschlossen, die ramponierte Ölquelle im Golf von Mexiko auch von unten und damit ein für allemal zu versiegeln - möglicherweise zum nächsten Wochenende. «Der Bottom Kill wird ausgeführt», sagte der Einsatzleiter der Regierung, Admiral Thad Allen, am Samstag.

Entsprechend werde auch ein Nebenzugang zu dem Bohrloch fertiggestellt, durch den dann Schlamm und Zement gepumpt werden. Derweil sagte Präsident Barack Obama den Menschen am Golf bei einem Besuch weitere Hilfe zu.

Allen kündigte noch für Samstag eine Anweisung an, nach der BP zunächst weitere Messungen vornehmen und zudem Pläne vorlegen soll, wie auf einen zu großen Druckaufbau in dem Bohrloch während es Versiegelungsmanövers reagiert werden soll. Mit Ergebnissen rechne er am Montag oder Dienstag, sagte der Admiral. Danach werde er eine weitere Order erlassen, das letzte Stück des Nebenzugangs zu bohren. Bis zum Durchstich könnte es dann noch etwa vier Tage dauern.

Obama sagte bei seinem Besuch in Panama City (Florida) am Samstag: «Unser Job ist noch nicht beendet, und wir gehen nicht weg, bis er es ist» Er habe versprochen, den Menschen in der Region beizustehen, bis sie sich «vollständig von dem angerichteten Schaden erholt haben».

Ziel des Kurzbesuchs der Präsidentenfamilie war auch, der angeschlagenen Tourismusbranche entlang der Golfküste unter die Arme zu greifen. Obama betonte, die Zahlung von Schadensersatz dürfe nicht verschleppt werden. Jede Verzögerung, ob durch BP oder die Verwalter eines entsprechenden Hilfsfonds, sei «inakzeptabel».

Derweil verklagte auch der von der Ölpest betroffene US- Bundesstaat Alabama BP auf Schadensersatz. Der Ölkonzern habe Alabama und seinen Bürgern schweren Schaden zugefügt, begründete Generalstaatsanwalt Troy King den Schritt. Die Klage richte sich neben BP auch gegen die Mitbetreiber der versunkenen Bohrinsel «Deepwater Horizon», die Firmen Anadarko und TransOcean. «Wir klagen auf den Betrag, der nötig sein wird, um Alabama wieder aufzubauen.». Eine Summe nannte er nicht. Gegen den Ölkonzern sind bereits hunderte Klagen auf Schadenersatz eingereicht worden.

BP wies die Vorwürfe zurück. «BP hat sich bereits freiwillig bereiterklärt, allen rechtmäßig angemeldeten wirtschaftlichen Schaden zu übernehmen», sagte eine Sprecherin. BP habe eine Verpflichtung über 20 Milliarden Dollar abgegeben und schon 352 Millionen bezahlt.

Das Bohrloch war Anfang des Monats bereits von oben mit Zement geschlossen worden. Zwei Wochen zuvor hatte BP die Quelle mit einem Deckel abgedichtet. Seitdem strömt kein Öl mehr aus. Der britische Konzern bohrt den Nebenzugang seit Anfang Mai. Knapp zwei Wochen zuvor hatte das Öl-Drama im Golf von Mexiko begonnen.

Durch den zusätzlichen «Bottom Kill» soll vor allem sichergestellt werden, dass auch ein Hohlraum zwischen dem Innen- und Außenrohr im Bohrloch verschlossen ist. Am Donnerstag hatte es geheißen, genau dies könnte bereits durch das vorausgegangene Versiegeln von oben geschafft worden sein. Dabei war die Frage aufgekommen, ob der «Bottom Kill» überhaupt noch notwendig ist.

Aus dem Leck waren seit Ende April insgesamt etwa 660 000 Tonnen Öl ins Meer geströmt. Die Ölpest gilt als bislang schwerste in der Geschichte der USA.


Chronologie: Die Ölpest im Golf von Mexiko

Seit zwölf Wochen sprudelt Öl aus einem Bohrloch vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana. Ein Rückblick:
20. April: Auf der Ölbohrinsel «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko gibt es eine Explosion. Die meisten der 126 Arbeiter können gerettet werden, 11 bleiben vermisst.

22. April: Die brennende Bohrinsel sinkt. Zum Untergang trägt eine Serie technischer und menschlicher Fehler bei.

29. April: Die US-Regierung stuft die Ölpest als Katastrophe «von nationaler Bedeutung» ein.

1. Mai: Nach Louisiana und Florida rufen auch die Bundesstaaten Alabama und Mississippi den Notstand aus.

6. Mai: Das Öl erreicht Land, die unbewohnte Freemason-Insel.

11. Mai: Die Spitzenmanager der drei in das Unglück verstrickten Unternehmen - BP, Transocean und Halliburton - machen sich gegenseitig verantwortlich.

20. Mai: Ein Live-Video vom Meeresgrund zeigt, dass mehr Öl ins Wasser austritt als BP bisher schätzte.

27. Mai: US-Präsident Barack Obama entlässt die Chefin der Behörde für Mineralien-Management (MMS), Elizabeth Birnbaum.

28. Mai: Obama will die Zahl der Helfer verdreifachen. Rund 240 Kilometer der Küste sind bereits verseucht. Laut US-Ozeanbehörde NOAA darf bereits in einem Viertel des Golfs nicht mehr gefischt werden.

4. Juni: Den Ingenieuren gelingt es, einen Behälter über dem Leck zu platzieren. Allerdings strömt weiterhin Öl ins Meer, nur ein kleiner Teil kann zu einem Schiff abgeleitet werden.

10. Juni: Allein in Louisiana haben inzwischen mehr als 70 Menschen ärztliche Hilfe gesucht - wegen Übelkeit, Kopfschmerzen, entzündeten Augen und Atembeschwerden. Mindestens 1100 ölverschmierte Vögel wurden gefunden, der größte Teil von ihnen tot.

11. Juni: Wissenschaftler der US-Geologiebehörde gehen davon aus, dass täglich bis zu 5400 Tonnen Öl aus dem Bohrloch schießen könnten.

16. Juni: In seiner ersten Rede aus dem Oval Office wendet sich Obama direkt an die Nation. Die Ölpest werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. In ihrer Energiepolitik müssten die USA eine Wende einleiten.

17. Juni: BP-Chef Tony Hayward Tony Hayward muss sich einem sechsstündigen Kreuzverhör im US-Kongress stellen.

22. Juni: Ein US-Gericht erklärt ein von Obama verhängtes Verbot von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko für nichtig.

23. Juni: Wegen technischer Probleme muss BP das Auffangen des Öls erneut unterbrechen. Zwei Helfer kommen ums Leben.

29. Juni: Hohe Wellen behindern die Arbeiten an der Unglücksstelle. Die Installation eines zusätzlichen Absaugsystems über der sprudelnden Quelle verzögern sich um rund eine Woche.

30. Juni: Der Schmierstoffspezialist Liqui Moly boykottiert den BP- Konzern. «Das soll ein Zeichen gegen Verantwortungslosigkeit und Umweltzerstörung sein», sagte Inhaber Ernst Prost.

5. Juli: Die Ölpest hat BP nach eigenen Angaben bislang 3,12 Milliarden Dollar (derzeit 2,5 Mrd. Euro) gekostet.

5. Juli: Der Testlauf des Riesentankers «A Whale» (Ein Wal) verläuft vorerst ergebnislos. Experten hoffen, dass das Schiff bis zu 80 Millionen Liter des Wasser-Öl-Gemischs täglich säubern kann.

9. Juli: Das von US-Präsident Barack Obama verhängte Verbot neuer Tiefseebohrungen bleibt weiter außer Kraft, entschied ein Berufungsgericht in New Orleans.

10. Juli: Mit einem neuen Deckel über der sprudelnden Quelle will BP erreichen, dass der Ölaustritt ins Wasser am Dienstag aufhört. Das dritte Pump-Schiff «Helix» soll am Sonntag mit dem Aufsaugen beginnen. BP arbeitet mit Hochdruck zudem weiter an einem Nebenzugang zum Hauptbohrloch: Dadurch sollen bis Mitte August Schlamm und Zement zum Versiegeln der Quelle «geschossen» werden.

15. Juli: Erstmals seit drei Monaten strömt kein Öl mehr aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko. Experten von BP ist es gelungen, alle Ventile eines Auffangzylinders in 1500 Meter Tiefe zu schließen.

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