USA heben Verbot von Öl-Tiefseebohrungen auf
13. Oktober 2010 18:40 Uhr
Washington (dpa) Knapp ein halbes Jahr nach der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko hat die US-Regierung das Verbot von Tiefseebohrungen vorzeitig wieder aufgehoben. Innenminister Ken Salazar begründete dies mit strengeren Sicherheitsauflagen für diese Vorhaben und einer besseren Überwachung.
Die Behörden rechnen damit, dass zum Jahresende die ersten Bohrerlaubnisse vergeben werden. Zunächst sollte das Moratorium bis Ende November gelten. Zugleich gaben die Behörden an, dass noch immer rund 900 Kilometer verseuchte Küste untersucht und gereinigt würden. Nach wie vor seien Tausende Helfer im Einsatz. Streckenweise gingen sie mit Spezialmaschinen vor, die den Strand auf einen Meter Tiefe umpflügen und Teerklumpen sowie Ölreste aus dem Sand filtern, sagte der Regierungskoordinator Paul Zukunft am Mittwoch. «Einige dieser Aktivitäten werde bis in die Wintermonate dauern», sagte der Admiral.
Entwarnung gebe es aber für den Fischkonsum aus dem Golf von Mexiko. Bislang habe man lediglich bei zwei Stichproben Rückstände entdeckt. In weiten Teilen der Küstengewässer seien Fisch- und Krabbenfang wieder erlaubt.
Nach der schwersten bekanntgeworden Ölpest in der Geschichte hatte die US-Regierung hatte einen Stopp für Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko verkündet, der bis Ende November gelten sollte. Im April hatte die Explosion einer Ölplattform der britischen Firma BP eine Umweltkatastrophe ausgelöst. Insgesamt waren bei dem Desaster 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer geflossen - mehr als jemals zuvor bei einer Ölkatastrophe.
Es gebe «entscheidende Fortschritte, die mit Tiefseebohrungen verbundenen Gefahren zu reduzieren», sagte Salazar am Dienstag. «Die Öl- und Gasindustrie wird unter strengeren Regeln und unter strengerer Aufsicht arbeiten», fügte er hinzu.
Wegen dieser neuen Regeln gehen die Behörden nicht davon aus, dass bereits in Kürze neue Tiefseebohrungen gestartet werden. Die Industrie brauche Zeit, sich auf diese neuen Regeln einzustellen. «Das wird sicherlich nicht morgen oder nächste Woche sein», meinte Michael Bromwich, Chef des Bureau of Ocean Energy Management.
Nach Verhängung des Moratoriums musste die Regierung zunächst Rückschläge in Kauf nehmen, weil Gerichte nach Einspruch der Ölindustrie den Stopp beanstandet hatten. Darauf erließ die Regierung aber ein erneutes Verbot von Tiefseebohrungen.
Bei dem Unfall der «Deepwater Horizon» am 20. April war in rund 1500 Meter Tiefe unter dem Meeresspiegel nach Öl gebohrt worden. Mehrere Anläufe, die Ölfontäne zu stoppen, scheiterten nicht zuletzt, weil die Experten praktisch keine Erfahrungen mit Rettungsarbeiten in einer solchen Tiefe hatten.
Erst nach rund drei Monaten konnte der Ölfluss gestoppt werden, zwei Monate später gelang es, die Quelle endgültig zu versiegeln. Weite Teile der US- Golfküste wurden verseucht, zeitweise war in einem Drittel der US- Küstengewässer der Fischfang verboten. Elf Arbeiter kamen bei der Explosion der Plattform ums Leben.
Chronologie: Die Ölpest im Golf von Mexiko
Seit zwölf Wochen sprudelt Öl aus einem Bohrloch vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana. Ein Rückblick:
20. April: Auf der Ölbohrinsel «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko gibt es eine Explosion. Die meisten der 126 Arbeiter können gerettet werden, 11 bleiben vermisst.
22. April: Die brennende Bohrinsel sinkt. Zum Untergang trägt eine Serie technischer und menschlicher Fehler bei.
29. April: Die US-Regierung stuft die Ölpest als Katastrophe «von nationaler Bedeutung» ein.
1. Mai: Nach Louisiana und Florida rufen auch die Bundesstaaten Alabama und Mississippi den Notstand aus.
6. Mai: Das Öl erreicht Land, die unbewohnte Freemason-Insel.
11. Mai: Die Spitzenmanager der drei in das Unglück verstrickten Unternehmen - BP, Transocean und Halliburton - machen sich gegenseitig verantwortlich.
20. Mai: Ein Live-Video vom Meeresgrund zeigt, dass mehr Öl ins Wasser austritt als BP bisher schätzte.
27. Mai: US-Präsident Barack Obama entlässt die Chefin der Behörde für Mineralien-Management (MMS), Elizabeth Birnbaum.
28. Mai: Obama will die Zahl der Helfer verdreifachen. Rund 240 Kilometer der Küste sind bereits verseucht. Laut US-Ozeanbehörde NOAA darf bereits in einem Viertel des Golfs nicht mehr gefischt werden.
4. Juni: Den Ingenieuren gelingt es, einen Behälter über dem Leck zu platzieren. Allerdings strömt weiterhin Öl ins Meer, nur ein kleiner Teil kann zu einem Schiff abgeleitet werden.
10. Juni: Allein in Louisiana haben inzwischen mehr als 70 Menschen ärztliche Hilfe gesucht - wegen Übelkeit, Kopfschmerzen, entzündeten Augen und Atembeschwerden. Mindestens 1100 ölverschmierte Vögel wurden gefunden, der größte Teil von ihnen tot.
11. Juni: Wissenschaftler der US-Geologiebehörde gehen davon aus, dass täglich bis zu 5400 Tonnen Öl aus dem Bohrloch schießen könnten.
16. Juni: In seiner ersten Rede aus dem Oval Office wendet sich Obama direkt an die Nation. Die Ölpest werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. In ihrer Energiepolitik müssten die USA eine Wende einleiten.
17. Juni: BP-Chef Tony Hayward Tony Hayward muss sich einem sechsstündigen Kreuzverhör im US-Kongress stellen.
22. Juni: Ein US-Gericht erklärt ein von Obama verhängtes Verbot von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko für nichtig.
23. Juni: Wegen technischer Probleme muss BP das Auffangen des Öls erneut unterbrechen. Zwei Helfer kommen ums Leben.
29. Juni: Hohe Wellen behindern die Arbeiten an der Unglücksstelle. Die Installation eines zusätzlichen Absaugsystems über der sprudelnden Quelle verzögern sich um rund eine Woche.
30. Juni: Der Schmierstoffspezialist Liqui Moly boykottiert den BP- Konzern. «Das soll ein Zeichen gegen Verantwortungslosigkeit und Umweltzerstörung sein», sagte Inhaber Ernst Prost.
5. Juli: Die Ölpest hat BP nach eigenen Angaben bislang 3,12 Milliarden Dollar (derzeit 2,5 Mrd. Euro) gekostet.
5. Juli: Der Testlauf des Riesentankers «A Whale» (Ein Wal) verläuft vorerst ergebnislos. Experten hoffen, dass das Schiff bis zu 80 Millionen Liter des Wasser-Öl-Gemischs täglich säubern kann.
9. Juli: Das von US-Präsident Barack Obama verhängte Verbot neuer Tiefseebohrungen bleibt weiter außer Kraft, entschied ein Berufungsgericht in New Orleans.
10. Juli: Mit einem neuen Deckel über der sprudelnden Quelle will BP erreichen, dass der Ölaustritt ins Wasser am Dienstag aufhört. Das dritte Pump-Schiff «Helix» soll am Sonntag mit dem Aufsaugen beginnen. BP arbeitet mit Hochdruck zudem weiter an einem Nebenzugang zum Hauptbohrloch: Dadurch sollen bis Mitte August Schlamm und Zement zum Versiegeln der Quelle «geschossen» werden.
15. Juli: Erstmals seit drei Monaten strömt kein Öl mehr aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko. Experten von BP ist es gelungen, alle Ventile eines Auffangzylinders in 1500 Meter Tiefe zu schließen.
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