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Sebastian L. hat nach Zeugenaussagen versucht, seinen Kumpel daran zu hindern, auf Dominik Brunner einzutreten.

Lange Haftstrafen im Brunner-Prozess gefordert

24. August 2010 14:20 Uhr

München (dpa) Die Staatsanwaltschaft hat im Brunner-Prozess lange Haftstrafen von zehn und acht Jahren für die beiden Angeklagten gefordert.

Gegen den mutmaßlichen Haupttäter Markus S. (19) hielt die Anklagebehörde am Dienstag in München am Mordvorwurf sowie dem der versuchten räuberischen Erpressung gegen vier Schüler fest. Dafür verlangte die Staatsanwaltschaft die höchstmögliche Jugendstrafe. Der ebenfalls angeklagte Sebastian L. (18) soll indes wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie versuchter räuberischer Erpressung mit acht Jahren Haft bestraft werden.

Die Nebenklage schloss sich der Strafforderung an und wertete die Anträge der Anklagebehörde als völlig angemessen. Das Plädoyer der Verteidigung soll heute Nachmittag gehalten werden.

Strafmildernd wertete die Anklagebehörde, dass Sebastian L. eine Tötungsabsicht nicht zweifelsfrei nachzuweisen sei. Er hatte nach Zeugenaussagen nicht mehr auf Dominik Brunner eingetreten, als dieser am Boden lag. Außerdem habe er Markus S. noch zu bremsen versucht und während der fast einjährigen Haft Reue gezeigt.

Dass Brunner nicht direkt an den schweren Verletzungen starb, sondern an Herzstillstand infolge eines vergrößerten Herzmuskels, war für die Strafandrohung unerheblich. Da der Herzstillstand von der massiven Gewalt unmittelbar ausgelöst worden sei, wertete die Anklagebehörde diesen Aspekt nicht als Grund, von ihrem Mordvorwurf abzurücken.

Die beiden Angeklagten hatten den 50-jährigen Brunner am 12. September vorigen Jahres auf dem S-Bahnhof München-Solln mit Schlägen und Tritten traktiert, nachdem er vier Schüler gegen sie verteidigt hatte. Von den Schülern hätten die Jugendlichen Geld erpressen wollen.

«Er wurde getötet, weil er Zivilcourage zeigte», sagte Staatsanwältin Verena Käbisch in ihrem Plädoyer. Während für Markus S. der Mordvorwurf aus niederen Beweggründen zutreffe, sei Sebastian L. «einen Zentimeter vom Tötungsvorsatz entfernt» gewesen.

Die Verantwortung für die Eskalation liege «glasklar» bei den Angeklagten, betonte für die Nebenklage Anwältin Annette von Stetten, die die Eltern des Opfers vertritt. In bewegenden Worten schilderte sie, was der Tod des einzigen Sohnes für die über 80 Jahre alten Eltern bedeute. «Ich möchte, dass Sie beginnen zu verstehen, was Sie getan haben», sagte die Anwältin mit Blick auf die Angeklagten. «Sie haben neben Dominik Brunner auch seine Eltern auf dem Gewissen.» Brunners Eltern seien krank und kämen über seinen gewaltsamen Tod wohl nie hinweg.


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