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Knapp drei Prozent der Haushalte in den 20 Städten, in denen Google Street View starten soll, haben Widerspruch gegen den Dienst eingelegt. (Bild: dpa)

244 000 Widersprüche gegen Street View

21. Oktober 2010 13:21 Uhr

Berlin (dpa) Nach heftigen Debatten gibt es erste Zahlen zum Widerstand gegen Google Street View. Gut 244 000 Haushalte wollen ihre Häuser nicht im Internet sehen. Doch Google konnte nicht alle Anträge bearbeiten. Deshalb gilt es, die Hausansicht zu prüfen.

Googles Online-Straßenatlas Street View bekommt in Deutschland zahlreiche Lücken: Mehr als 244 000 deutsche Haushalte haben bisher verlangt, die Abbildung ihrer Häuser zu entfernen. Das seien knapp drei Prozent der Haushalte in den 20 Städten, für die Street View bis Ende des Jahres starten soll, betonte Google am Donnerstag (21. Oktober). Der Internet-Konzern nannte die Zahl der Anträge zum ersten Mal.

Ein Widerspruch führt dazu, dass Gebäude in den Panorama-Straßenansichten nur noch unscharf angezeigt werden. Wenn auch nur ein Mieter eines Mehrfamilienhauses dies fordert, wird das ganze Gebäude «verwaschen» dargestellt. Die Aktion kann nicht rückgängig gemacht werden, da Google dafür die Originalbilder verändert.

Doch wegen nicht eindeutiger oder unlesbarer Adressen hat Google nicht alle Widersprüche gegen Abbildungen von Häusern in Street View bearbeiten können. Antragsteller sollten deshalb zum Start des Dienstes unter maps.google.de prüfen, ob die Ansicht ihres Hauses tatsächlich unkenntlich gemacht worden ist. Ist die Fassade noch sichtbar, kann der Antragsteller Google unbefristet auffordern, das Bild unkenntlich zu machen, teilte das Unternehmen mit.

Dazu klickt man auf den Link «Ein Problem melden», der unten links im Bild zu finden ist und gelangt dann zu einem Online-Formular, in dem das Anliegen eingetragen werden kann. «Wir bearbeiten den Antrag dann so schnell wir können«, verspricht Google.

Da Street View in Deutschland noch nicht angeboten wird, können Neugierige das Prozedere zum Beispiel beim bereits aktiven französischen Pendant unter maps.google.fr ausprobieren. Wer zum Beispiel in der Suchzeile die Adresse Quai Richelieu 1, Bordeaux eingibt, kommt zunächst auf die gewohnte Google-Maps-Karte. Um zur Street-View-Ansicht zu gelangen, kann man nun zum Beispiel bei der Zoom-Skala so oft auf das Pluszeichen drücken, bis die Karte verschwindet und die reale Street-View-Aufnahme sichtbar wird. Ganz unten links im Bild findet sich dann der kleine graue Schriftzug «Ein Problem melden».

Das Formular können Anwender auch ausfüllen, wenn sie Gesichter oder Autokennzeichen entdecken, die von Googles automatisiert arbeitender Software nicht oder nicht ausreichend unkenntlich gemacht worden sind. Der genaue Starttermin von Street View in Deutschland steht noch nicht fest. Der Dienst soll aber bis Jahresende online sein.

Google kann bisher keine Angaben zur regionalen Verteilung der Widersprüche machen. Auch ist unklar, wie viele Gebäude am Ende unscharf dargestellt werden - denn manche Haushalte, die Widerspruch eingelegt haben, könnten auch in einem Mehrfamilienhaus liegen.

Die 20 Städte sind Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Die Vorab-Widerspruchsfrist für die 20 Städte war am 15. Oktober abgelaufen. Google hatte das Zeitfenster für Anträge über ein Online-Tool nach Forderungen aus der Politik auf acht Wochen verdoppelt. Per Brief konnte ein Mieter oder Immobilienbesitzer bereits seit April 2009 Google auffordern, sein Haus bei Street View unkenntlich zu machen. Der Internet-Konzern betont, dass die Anträge auch nach dem Start des Dienstes jederzeit gestellt werden können und das Vorgehen mit deutschen Datenschützern abgestimmt sei.

Die Widersprüche werden einzeln per Hand bearbeitet. Google stellte dafür rund 200 zusätzliche Mitarbeiter ein. Für jedes Gebäude müssen mehrere Bilder verändert werden, damit es aus allen Blickwinkeln nicht zu erkennen ist. Google hatte für Street View die Straßen mit speziellen Kamerawagen abgefahren.

Für zusätzlichen Ärger sorgte dabei, dass die Fahrzeuge über Jahre auch Informationen aus offenen WLAN-Netzen abgriffen. Google betont, das sei nur versehentlich durch einen Software-Fehler geschehen, die Daten seien nicht genutzt und inzwischen vernichtet worden.


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