Street View: E-Mails und Passwörter gespeichert
25. Oktober 2010 11:20 Uhr
Mountain View (dpa) Google hat neuen Ärger mit dem Online-Straßenatlas Street View. Die Kamerawagen haben nicht nur Daten-Schnipsel aus unverschlüsselten WLAN-Netzen abgegriffen, sondern auch E-Mails und Passwörter. Google verschärft nun die Datenschutz-Vorkehrungen.
Googles Street-View-Kamerawagen haben bei ihren Fahrten zum Teil auch E-Mails und Passwörter aus unverschlüsselten WLAN-Netzen aufgezeichnet. Das hätten Behörden-Untersuchungen ergeben, teilte Google am Freitag (22. Oktober) in einem Blog-Eintrag mit. Nun verschärft der US-Konzern die internen Datenschutz- Regeln.
Ob auch in Deutschland mehr Nutzerinformationen aus WLAN-Netzen als bisher bekannt gespeichert wurden, blieb zunächst unklar. «Soweit wir wissen, sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, so dass noch kein Abschlussbericht vorliegt», sagte ein Google-Sprecher auf Anfrage. «Wir haben die Behörden in ihren Untersuchungen von Beginn an unterstützt.»
Google hatte im Mai eingeräumt, dass die Kamerawagen, die Bilder für den Online-Straßenatlas Street View machten, auch Informationen aus unverschlüsselten WLAN-Netzen aufgezeichnet hatten. Das sei durch einen Software-Fehler passiert und lange nicht aufgefallen. Die Daten seien nur sehr bruchstückhaft mitgeschnitten worden, da die Empfänger in den Autos fünfmal pro Sekunde den Kanal gewechselt hätten.
Das Eingeständnis hatte Untersuchungen in mehreren Ländern ausgelöst. In Deutschland prüfen Datenschützer und die Staatsanwaltschaft den Vorgang. Google betont, die Informationen nicht ausgewertet, sondern den Behörden übergeben zu haben. Erst bei deren Untersuchungen sei aufgefallen, dass auch ganze E-Mails, Internet-Adressen und Passwörter unter den Daten seien, hieß es nun.
«Wir sind beschämt darüber, was passiert ist», schrieb Google-Manager Alan Eustace in dem Blogeintrag. «Wir wollen diese Daten so schnell wie möglich löschen und ich möchte mich erneut dafür entschuldigen, dass wir sie überhaupt aufgezeichnet haben.»
Die Kamerawagen hatte Google im Mai von der Straße genommen. In einigen Ländern sind sie wieder unterwegs - jedoch gänzlich ohne die WLAN-Empfänger, wie der Konzern betont. In Deutschland sind die Aufnahmen vorerst abgeschlossen, wann die Kamerawagen wieder zurückkommen könnten, ist unbekannt. Street View soll hierzulande bis Ende des Jahres für die 20 größten Städte verfügbar sein. Am Donnerstag hatte Google mitgeteilt, dass gut 244 000 Haushalte in diesen Städten einen Antrag gestellt hätten, ihre Häuser auf den Straßenansichten unkenntlich zu machen.
Die Fahrzeuge sollten eigentlich nur eine Art Karte der WLAN-Sender erstellen, als Unterstützung für GPS-Orientierungsdienste. Mit Hilfe der Signalstärke bekannter WLAN-Hotspots kann man recht genau die aktuelle Position zum Beispiel eines Handys bestimmen. Das hilft unter anderem, wenn es kein gutes Signal von GPS-Satelliten gibt. Das Verfahren wird auch von anderen Anbietern eingesetzt.
Google verschärft nun die Datenschutz-Vorkehrungen. Der Konzern schuf eine neue Position mit Zuständigkeit für Datenschutz - «Director of Privacy». In dieser Funktion soll Alma Whitten die Einhaltung der Privatsphäre bei Entwicklungsarbeit und im Produktmanagement überwachen. Die Mitarbeiter sollen zusätzliche Schulungen erhalten, schrieb Eustace. Außerdem werde die Kontrolle über den Umgang mit Nutzerdaten verstärkt. So müssen Projektleiter jetzt dokumentieren, was mit Informationen von Nutzern passierte. Diese Aufzeichnungen sollen regelmäßig vom Management und externen Prüfern begutachtet werden.
Diese Maßnahmen reichen weit über die Street-View-Probleme hinaus und könnten auch einen anderen Hintergrund haben. Der Datenschutz bei Google war im September auch in den USA in die Kritik geraten. Ein Mitarbeiter war wegen Verstößen gegen Datenschutz-Richtlinien entlassen worden. Zuvor hatte das Blog «Gawker» berichtet, der 27-jährige Mann habe wiederholt in Google-Accounts mehrerer ihm bekannter Teenager herumgeschnüffelt und sie kontaktiert.
Google bestätigte den Bericht zwar nicht. Ein Google-Manager räumte zugleich grundsätzlich ein, dass es Mitarbeiter gebe, die Zugang zu Nutzer-Informationen haben: «Eine eingeschränkte Zahl von Menschen wird immer einen Zugang zu diesen Systemen haben müssen, wenn wir sie ordentlich betreiben wollen.»
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