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Kommentar
Eine Bielefelder Sichtweise auf den „Feuerzeugskandal“

(Foto: dpa)

Bielefeld/Osnabrück – Ich weiß, wir sind nicht die allerbesten Freunde. Für die VfL-Fans sind wir die „Ostwestfalen-Idioten“, und wir kontern gerne mit „Lila-weiße, Osnabrücker Sch****“. Es ist eine veritable Rivalität, nichts im Vergleich zum Club bei Telgte, aber durchaus eine Art Hassliebe.Dennoch waren die Ereignisse in der Osnatel-Arena auch für die Arminen kein Grund zur Häme. 

Im Gegenteil, was haben wir gejubelt, als unser Stadionsprecher Lothar in der Halbzeitpause euren Zwischenstand durchgab – 1:0 für den krassen Außenseiter gegen dieses aufgeblasene Kommerzprodukt. Die sensationelle Führung des wacker kämpfenden David gegen den auf dem Papier übermächtigen Goliath. Dafür lieben wir den Fußball und insbesondere den DFB-Pokal. Doch welche Fassungslosigkeit herrschte, als wir den bitteren Ausgang erfuhren.

Der tätliche Angriff auf einen Schiedsrichter ist nicht zu rechtfertigen. Gestern Abend habe ich mich in unserem eigenen Pokalspiel ständig über Schiri Benjamin Brand aufgeregt, der auch ohne schwarz-weiß-blaue Brille meines Erachtens mehr als einmal zu unseren Ungunsten arg daneben lag. Doch es gibt Grenzen, seinen Unmut kundzutun. Auch das Argument, dass der Feuerzeugwerfer wohl gar nicht den Spielleiter, sondern die Gästespieler habe treffen wollen, gilt nicht. Bei aller verständlichen Ablehnung des Projektes „RB Leipzig“ (gefährdet dieses Modell doch den Sport, den wir alle so sehr lieben), aber die Gesundheit geht vor.

Wer so etwas tut, liebt den Fußball nicht und gefährdet ihn ebenfalls. Die Folgen sind pervers. Die Leipziger Fans jubeln und feiern nach dem Abbruch auf eine Art und Weise, die den Spielverlauf der vorherigen 70 Minuten komplett auf den Kopf stellt. Die Osnabrücker kämpfen nach ebendiesen  leidenschaftlichen, aufopferungsvollen 70 Minuten mit den Tränen und sprechen von einem dunklen Kapitel ihrer jüngeren Vereinsgeschichte.

RB, das Opfer

Und Ralf Rangnick? Er tut das, was er bei Dietmar Hopp gelernt hat: Stilisiert sein Produkt zum Opfer der „sogenannten Traditionsvereine“ und bietet großmütig ein Wiederholungsspiel an – weil er weiß, dass ihm der Sieg in diesem Spiel, in dem sein Team sportlich nichts zustande gebracht hatte, am Grünen Tisch wohl sicher ist.

Ein Freund meinte scherzhaft, dass es doch ein Leipziger gewesen sein könnte, der in Zivil den Block betrat und warf, als er nicht mehr an die sportliche Wende glaubte. So lustig dieser Witz klingt, so pervers ist die Wirklichkeit: Ein Verein wird nun für die Taten eines Einzelnen bestraft. Doch wie hätte der VfL Osnabrück diese Situation vermeiden können? Knallkörpern oder Golfbällen kann ein Gastgeber durch gründliche Kontrollen vorbeugen, aber Feuerzeuge hat wohl jeder dritte Stadionbesucher im Repertoire. Sollen sie nun durch Streichhölzer ersetzt werden, und Bierbecher dünnen Plastikbecherchen weichen?

Noch einmal: Feuerzeugwerfer gehören genauso wenig zum Fußball wie das „Modell Leipzig“. Doch auch der Umgang mit solchen Situationen muss noch einmal überdacht werden. Maik Walpurgis hat Recht, wenn er die Frage aufwirft, ob nicht der Vierte Offizielle die Spielleitung hätte übernehmen können. Laut DFB-Regeln kommt er tatsächlich zum Zuge, „wenn ein Mitglied des amtierenden Schiedsrichter-Trios seine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann“. Doch so haben alle verloren.

Dieses Statement soll kein Bielefelder Mitleid in Richtung Osnabrück sein. Warum auch, schließlich sind wir ja auch sportlich herausgeflogen. Wir glauben nur wissen, wie es ist, wenn sportliche Dinge durch skandalöse Vorfälle überschattet wissen – dem Motorrad-Pistolenschützen sei „Dank“. Dass wir nicht viel mit Mitleid anfangen können, haben wir nach dem Darmstadt-Drama bewiesen. Diese „Jetzt-erst-Recht“-Stimmung wünsche ich Lila-Weiß für die Liga.

Vielleicht reicht es ja zur langersehnten Rückkehr in die 2. Bundesliga. Denn Hand aufs Herz: Bei aller Rivalität lieben wir doch alle die Derbys der beiden Traditionsvereine Arminia und VfL – aber bitte nicht in Liga 3.

 

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Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
5Heidenheim3455:451055
6Holstein3460:51949
7Bielefeld3452:50249
8Regensburg3455:54149
9St. Pauli3446:53-749

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