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Florian Dellbrügge kommentiert
Die BVB-Kolumne 102: Rollenspiele mit Nuri Sahin

Dortmund – Da ist er wieder: Nuri Sahin! Natürlich gibt's in der BVB-Fankolumne heute nur dieses Thema, das liegt auf der Hand. Florian Dellbrügge schaut sich das mal genauer an, denkt über die Rolle Sahins nach und über die Möglichkeiten, die der BVB durch Sahins Rückkehr hat.

Nuri ist wieder daheim, wieder in Dortmund. Das war die Nachricht des Wochenendes. Kurz bevor ich am Freitag meine E-Jugend trainieren sollte, erreichte mich die Nachricht, dass der BVB spontan eine Pressekonferenz einberufen hat.

Zuerst dachte ich mir, es geht um einen neuen Sponsoren oder ähnliches, weil der Zeitpunkt doch eher untypisch für einen Transfer war und ich nach den klaren Dementi der sportlichen Führung in Sachen Sahin davon ausgegangen war, dass an der Sache tatsächlich weniger dran sei, als ich das zuerst zu glauben vermochte.

Als ich dann aber in einer ruhigen Minute doch mal mein Handy in die Hand nahm um nach Neuigkeiten zu schauen und mir direkt der sich anbahnende Transfer ins Auge sprang, war meine Konzentration weg und mein Fokus lag in diesem Moment doch auf etwas anderem.

Geistige Abwesenheit...

Glücklicherweise trainiere ich das Team nicht alleine, so fiel meine geistige Abwesenheit nicht direkt auf. Als man um kurz vor 18 Uhr schon sicher davon ausgehen konnte, dass Nuri der Grund für die Pressekonferenz war, habe ich mein Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Als die erste Euphorie weg war, habe ich mir aber schon Gedanken gemacht, welchen Sinn dieser Transfer hat. Schließlich ist man gerade auf der Doppelsechs schon sehr gut besetzt und ich hätte diese Position nicht gerade sehr weit nach oben auf meine Prioritäten-Liste gesetzt.

Zudem ich davon ausgegangen bin, dass Nuri aufgrund seiner Einsätze in der Europa League für den FC Liverpool nicht für die Champions League spielberechtigt ist. Da das aber nicht der Fall ist, er also auch in der Königsklasse auflaufen darf (Champions-League-Regel-18.18), war ich erst einmal beruhigt.

Mehr und mehr habe ich auch gesehen, was die Leihe sportlich für Sinn machen kann. Zum einen sah der BVB in der Hinrunde auffällig oft nicht sonderlich gut aus, wenn Ilkay Gündogan nicht gespielt hat und zum anderen ergeben sich mit Nuri noch weitere Möglichkeiten im Spielaufbau. Er kann sowohl ohne Qualitätsverlust für Günni die 8 bekleiden als auch Mats Hummels im Spielaufbau etwas den Druck nehmen.

Bezaubernde Bälle

Wenn wir uns an den Nuri Sahin der Meistersaison 10/11 erinnern, dann erinnern wir uns an bezaubernde lange Bälle, die oft zu schnellen Kontern und Toren führten. Genau diese langen Bälle sind auch die Stärke von Mats, deswegen wird er in letzter Zeit mehr und mehr vom Gegner in Manndeckung genommen. Wenn man zwei Spieler auf dem Feld hat, welche diese Bälle schlagen können wird zwangsläufig einer von beiden immer ein wenig mehr Zeit und Platz haben, um diese Pässe zu schlagen oder den gut positionierten Nebenmann zu suchen. Verbunden mit der Spielstärke von Gündogan, Reus, Kuba oder Götze kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der Dortmunder Spielaufbau damit um einiges variabler werden kann.

Auch der Rotation ist nunmehr eigentlich auf dieser Position im Mittelfeld Tür und Tor geöffnet. Bleiben Kehl, Bender, Gündogan und Sahin dauerhaft fit hat man immer zwei sehr starke Paare für die Doppelsechs zur Verfügung.
Gleichzeitig bedeutet die Rückkehr des bis dato jüngsten Bundesligadebütanten der Bundesligageschichte für andere Spieler nun das sie sich hinten anstellen müss(t)en. Im defensiven/spielaufbauenden Mittelfeld würde Moritz Leitner nun vermutlich an Position Fünf liegen. Ich sehe aber Moritz eher als offensiveren Spieler.

Durch den Abgang von Ivan Perisic wurde ja nun gerade auch hier eine Planstelle frei und ich denke, genau die kann man nun mit ihm besetzen. Sowohl bei den Münchner Löwen als auch beim FC Augsburg wurde Leitner oft im offensiven Mittelfeld zentral und auch auf den Außenbahnen eingesetzt. Eine gute Technik und Geschwindigkeit bringt er mit. Ich denke also, im offensiven Mittelfeld liegt seine Zukunft bei uns und somit müsste er sich auch nicht mit Sahin und Co. um Einsätze streiten.

Auch Ilkay Gündogan kann man wohl problemlos einige Meter weiter nach vorne ziehen, also auf die Zehn, sollte Mario Götze einmal ausfallen.

Perspektive

Interessant ist natürlich auch die weitere Perspektive mit Nuri Sahin. Fürs Erste haben wir ihn für 18 Monate leihweise im Kader. Durch die Blume gesprochen hat Michael Zorc bereits eine Kaufoption bestätigt; und wenn Nuri es ernst meint mit der Aussage, er habe in Madrid schnell gemerkt, er wolle nur in Dortmund sein und er funktioniert 100 Prozent, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass er uns am Ende der 18 Monate wieder verlässt.

Eine weitere, durchaus mit der Sahin-Personalie zu verbindende Sache ist auch die Zukunft Robert Lewandowskis. Verlässt Robert uns im Sommer oder nach Ablauf seines Vertrages, kann ich mir einen Systemwechsel zumindest vorstellen. Ich denke da wie viele andere auch in die Richtung "falsche Neun" und eine spanische Spielweise mit Marco Reus im Sturm.

Mit dem Gedanken, Sven Bender als zentral defensiven Spieler hinter den beiden "8ern" Sahin und Gündogan aufzustellen und davor noch ein offensives Mittelfeld Götze/Kuba und den bereits angesprochenen Reus zu haben, kann ich mich durchaus anfreunden, wenngleich ich befürchte, dass diese Variante vielleicht ein wenig zu offensiv ist.

Schieber?

In dieser Denkweise etwas auf der Strecke bleiben würde Julian Schieber. Allerdings traue ich ihm sowohl die falsche Neun, das linke offensive Mittelfeld und auch die aktuelle Lewandowski-Position durchaus zu. Bei ihm bin ich sehr auf die weitere Entwicklung gespannt, ich sehe da bislang noch eine Menge ungenutztes Potenzial.

Ungenutzt sah ich auch einige Möglichkeiten in der Bundesliga-Hinrunde. Ich erhoffe mir von der Rückrunde, dass man möglichst schnell den zweiten Platz erobern sowie absichern kann und sich vielleicht auch ein Polster auf die Nicht-Champions-League-Plätze erarbeiten kann.

Viel mehr dürfte in der Bundesliga nicht zu holen sein - wenngleich man natürlich auf der Höhe sein sollte, wenn der FC Bayern doch nochmal eine schlechtere Phase hat und mehr Punkte als erwartet liegen lässt. Dem Pokalviertelfinale in München sehe ich relativ entspannt entgegen. Das ist ein Spiel, in dem beide Seiten abseits von Punkteständen die gleichen Chancen haben werden zu gewinnen. Bestreitet man das Spiel siegreich, hat man den dicksten Brocken im Pokal aus dem Weg geräumt und eine gute Chance wieder nach Berlin zum Finale reisen zu können.

Und was man in der Champions League noch erreichen kann, wird sich zeigen. Eine vollbepackte Rückrunde steht an, es wird Zeit, dass es wieder losgeht!


Der Autor: Florian Dellbrügge

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