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BVB allein zu Haus
Ganz schön grau

(Foto: dpa)
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Dortmund – „Wow, wieder mal ganz schön grau heute“ - das dachten sich viele BVB-Fans vermutlich am Donnerstag nicht nur beim Blick aus dem Fenster, sondern auch während der Darbietung der schwarz-gelben Truppe beim Brause-Ableger aus Salzburg. Ganz schön grau präsentierte sich der BVB eigentlich während der gesamten Europapokal-Saison 2017/18.

Auch in den vergangenen Jahren hatte man als BVB-Fan manchmal den Eindruck, dass der Tanz auf drei Hochzeiten bisweilen zu viel für die Mannschaft war und der Kader dafür nicht breit genug aufgestellt war. Dieses Problem war bereits zu Zeiten von Jürgen Klopp Gegenstand der öffentlichen Debatte. Früher war es manchmal so, dass man das Gefühl hatte, dass die Bundesliga ein wenig unter den Erfolgen in der Champions League leiden musste und dann auch schon mal eine B-Elf am Wochenende auf dem Platz stand. Doch in dieser Saison konnte einem schon mal der ketzerische Gedanke durch den Kopf schießen, welchem Wettbewerb denn die Konzentration überhaupt galt.

In der Bundesliga folgte bekanntlich nach den fulminanten ersten Spieltagen der sportliche und spielerische Einbruch, der völlig zu Recht (und vielleicht auch einen Tacken zu spät) in der Entlassung von Peter Bosz als Cheftrainer mündete. Das DFB-Pokal-Aus bei den Bayern möchte man der Mannschaft nicht so recht zum Vorwurf machen, obwohl man auch bei dem Spiel den Eindruck hatte, dass da irgendwie mehr drin gewesen wäre.

In der Champions League schaffte der BVB es zweimal nicht, gegen den zyprischen Vertreter APOEL Nikosia zu gewinnen. Die Tatsache, dass man mit mageren zwei Pünktchen nicht achtkantig aus dem Europapokal fliegt, sondern sogar noch die Chance hat, zumindest in der Europa League weiterzuspielen und potenziell einen Titel zu gewinnen, zeigt eigentlich nur, dass die Qualität in der Champions League offenbar auch im Vergleich zu früher deutlich gesunken ist.

Nun also Europa League, dachte man sich nach der Winterpause. Die Optimisten unter den Fans trösteten sich mit der Aussicht, dass der BVB nun zumindest die Chance hatte, einen Titel zu gewinnen, der in der schwarz-gelben Trophäensammlung bisher fehlt. Doch schon die beiden Spiele gegen Bergamo ließen vermuten, dass der BVB sich um die Planung einer etwaigen Titelfeier im Mai in dieser Saison wohl eher nicht würde kümmern müssen.

Mit „Murks“ sind die Leistungen der letzten vier Spiele im internationalen Wettbewerb noch recht freundlich beschrieben. Keine Ideen im Spielaufbau, schnarchiges Umschalten in der Defensive und wenn der BVB überhaupt mal gefährlich vors gegnerische Tor kam, dann war dies meist über Einzelleistungen der Hochkaräter in der Offensive. Doch der BVB zeigt in dieser Saison eindrucksvoll, warum man sich nicht allein auf diese verlassen kann und dass es für den Erfolg eben mehr braucht, als ein paar hochtalentierte Offensivspieler.

Begeistern kann der BVB in dieser Saison wirklich nicht – nicht den neutralen Zuschauer, aber auch nicht den eigenen Fan. Saftige Pfeifkonzerte nach dem Abpfiff waren im Westfalenstadion lange Zeit die absolute Ausnahme, doch in dieser Saison hat sich das geändert. Bereits einige Male, zuletzt nach dem lustlosen Auftritt im Hinspiel gegen Salzburg, quittierten die Fans die Leistung der Mannschaft mit gellenden Pfiffen.

Hört man den Leuten auf der Tribüne und an den Bierständen nach dem Spiel zu, dann stellt man fest: viele haben derzeit keine Lust mehr. Natürlich liegt dies nicht allein an den sportlichen Leistungen. Für engagierte Fans gibt es zurzeit genügend Gründe, vom Fußball nicht mehr so begeistert zu sein, wie früher: Die zunehmende völlige Bedeutungslosigkeit gültiger Vertragspapiere von Spielern zum Beispiel (Au revoir, Monsieur Aubameyang!). Die Zersplitterung des Spieltages und damit einhergehend unattraktiver Anstoßzeiten – Stichwort Montagsspiel. Die Abo-Meisterschaft der Bayern. Und, und, und.

Doch wenn das Stadion in einem K.O.-Spiel in der Europa League noch nicht einmal mehr ansatzweise ausverkauft ist, dann liegt das sicherlich schon hauptsächlich an den sportlichen Leistungen. Und vielleicht auch daran, dass im Moment keiner eine Idee hat, wie es beim BVB eigentlich weitergehen soll.

Das Europa-League-Aus in Salzburg illustrierte eigentlich perfekt, wie diese Saison beim BVB einzuordnen ist: Irgendwie steht man mit reichlich Glück sportlich sehr viel besser da, als man es mit den Leistungen eigentlich verdient hätte. Man hat international überwintert und es sogar noch in die zweite K.O.-Runde geschafft, obwohl die Leistungen teilweise echt mies waren. In der Bundesliga hat der BVB unter Peter Stöger zwar noch kein einziges Spiel verloren, steht auf Platz 3 der Tabelle und darf sich berechtigte Hoffnungen auf eine Champions-League-Teilnahme machen. Doch wenn man die Spiele gesehen hat, muss man sich schon wundern, dass die Liga offenbar derzeit so schwach ist, dass diese Leistungen dafür tatsächlich ausreichen. 45 Punkte nach 26 Spieltagen sind nun echt nicht Weltklasse. Und richtig überzeugen konnte die Mannschaft eigentlich in keinem Spiel.

Man muss wohl von einer Übergangssaison sprechen und hoffen, dass der BVB diese noch halbwegs gescheit zu Ende bringt, vielleicht wenigstens das Derby gegen Schalke gewinnt und nach dem 34. Spieltag auf einem direkten CL-Platz steht und den Fans eine Anhäufung von Sonntagsspielen wie in dieser Rückrunde einfach mal erspart. Dass es mit Peter Stöger über den Sommer hinaus weitergeht, kann man sich angesichts der Darbietungen der Mannschaft eigentlich kaum vorstellen und war ja wohl vereinsseitig so auch nicht geplant.

Mühsam und lustlos

Im Moment wirkt alles beim BVB mühsam und irgendwie lustlos – sowohl bei den Spielern als auch bei den Fans. Man schleppt sich so durch die Rückrunde und hofft jede Woche aufs Neue, dass der Knoten endlich platzt und der BVB einmal wieder die Leistung zeigt, die mit einer Mannschaft wie dieser doch eigentlich möglich sein müsste.

Es wäre schön, wenn der BVB in der kommende Saison mal wieder mit einer klar erkennbaren Spielidee auftreten würde, mit einer stabilen Defensive, einem kreativen Spielaufbau und einem weniger vorhersehbaren Offensivspiel, das einer Philosophie folgt und sich nicht nur darauf verlässt, dass Marco Reus oder André Schürrle schon irgendwas Cooles mit dem Ball anstellen werden, wenn sie ihn bekommen. Ein WM-Sommer ist natürlich nicht der perfekte Zeitpunkt für einen Umbruch, doch so wie bisher kann und wird es wohl nicht weitergehen.

Doch vielleicht ist es nicht nur ein rein sportliches Konzept, dass dem BVB zurzeit fehlt, sondern auch eine Idee, wofür man eigentlich stehen möchte. Jürgen Klopp hat in seinen sieben Jahren als BVB-Trainer die Menschen nicht nur deshalb mitgerissen, weil er attraktiven Fußball spielen ließ, sondern auch, weil er ein Bild und eine Botschaft vermitteln konnte. Es gab eine Meta-Ebene über der eigentlichen Spielidee, die identitätsstiftend wirkte und nicht nur die Fans, sondern auch die Mannschaft mitriss und sie dazu brachte, an ihre Grenzen zu gehen und niemals aufzugeben. Es gab eine Idee, für die der BVB stand. Es kann nicht sein, dass Jürgen Klopp der einzige Trainer auf der Welt ist, der einen Spirit vermitteln kann. Irgendwo da draußen muss es noch mehr von denen geben.

 


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34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
1FC Bayern3488:325678
2Dortmund3481:443776
3RB Leipzig3463:293466
4Bayer 043469:521758

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