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BVB-Kommentar
Ein Derby zur Unzeit

(Foto: dpa)
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Dortmund – In das Revierderby gehen am Samstag zwei Teams. Aber nur eines bringt Selbstvertrauen mit. Das andere heißt BVB. Für uns fragt sich Sylvia Schemmann, ob das Derby nun gerade richtig kommt. Oder eben nicht.

Seien wir mal ehrlich: In den vergangenen Jahren war die Frage, wer denn nun die Nummer 1 im Pott ist, immer ziemlich eindeutig geklärt. Auch wenn Schalke durchaus den einen oder anderen Derbysieg oder zumindest Punktgewinne für sich verbuchen konnte, sprach das große Ganze doch lange Zeit eher für Schwarzgelb.

Dortmunder Weitblick traf auf Schalker Chaos, langjähriger Erfolgstrainer auf gefühlt wöchentlich wechselnde Übungsleiter, attraktiver Angriffsfußball auf Rumpelgekicke. So oder so ähnlich las sich der allgemeine Tenor vor den Derbys in der Regel. Ein schwarzgelber Derbysieg auf Langdistanz, wenn man so will. Doch das kommende Derby steht unter ganz anderen Vorzeichen.

Denn Schalke ist in der Tabelle am BVB vorbei gezogen, hat sich unter dem neuen Trainer Domenico Tedesco gefestigt. Und beim BVB ist dieser Tage nichts mehr so, wie es mal war. Und der zurzeit vollständig ausbleibende sportliche Erfolg ist dafür nur ein, wenn auch das hervorstechendste Symptom. Das System von Peter Bosz produziert durchaus attraktiven Fußball, wenn es funktioniert. Bosz stand und steht für offensiven Fußball, für Spektakel, wenn es denn läuft. Der 1. FC Köln oder Borussia Mönchengladbach werden das sicher gern bestätigen. „Wer wird Deutscher Meister?“ schallte es nach dem 6:1 gegen die Fohlen durchs Westfalenstadion, ein Hauch von 2011/12, auch deshalb, weil die fußballerische Ausrichtung von Peter Bosz eben doch eher an den Klopp'schen Angriffsfußball als an Thomas Tuchels Ballbesitzverliebtheit erinnert.

Unerklärlicher Bruch

Doch seit dem 8. Spieltag ist der Wurm drin. Die Heimniederlage gegen RB Leipzig bedeutete einen Bruch, der bisher absolut unerklärlich ist. Denn auch wenn diese Niederlage - ausgerechnet gegen das von vielen BVB-Fans so verabscheute „Kunstprodukt“ - viele Fans sicher besonders schmerzte: Man darf wohl getrost davon ausgehen, dass es nicht am Gegner lag, dass auch die Mannschaft sich von diesem Spiel bis heute anscheinend nicht erholt hat.

Das Dortmunder Umfeld ist schon seit einigen Jahren dabei, seinen Nimbus des „ewig geduldigen Publikums“, das die Mannschaft auch nach zehn Niederlagen in Folge noch feiert, abzulegen. Doch inzwischen ist das Murren in Dortmund wirklich deutlich zu hören. Und es hat seinen Ursprung vor allem darin, dass alle komplett ratlos sind, wie eine eigentlich hochkarätig besetzte Truppe über Wochen – mit Verlaub - einen derartigen Schrott zusammen spielen kann.

Und nicht nur die Medien stellen spätestens seit der Heimniederlage gegen die Tottenham Hotspurs laut die Trainerfrage. Bei Thomas Tuchel waren die BVB-Fans sich uneins, einige halten die Entscheidung, sich von ihm zu trennen bis heute für einen Fehler, auch wenn es gute Gründe dafür gab.


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Was Peter Bosz angeht, gibt es derzeit aber wohl nur noch sehr wenige, die noch uneingeschränkt der Meinung sind, dass der Holländer noch der richtige Mann an der Seitenlinie ist. Der Kredit ist nahezu aufgebraucht, zu desaströs trat man in manchen Spielen auf, zu lächerlich und einfach die Gegentore, zu wenig gefestigt wirkt das ganze Konstrukt. Dass trotzdem nicht alle für seine Entlassung sind, hat einen einfachen Grund: es gibt zurzeit keinen Trainer vom passenden Kaliber, der zur Verfügung stünde. Wie groß die Verzweiflung ist, mag man an Abstrusitäten wie den Vorstellungen von einer Rückkehr Matthias Sammers an die Strobelallee ablesen.

Dazu kommen Querelen, kleine, unnötige Nervereien, wie die Entscheidung, Pierre-Emerick Aubameyang aus dem Kader für das Stuttgart-Spiel zu streichen. Dass der Topstürmer einen leichten Hang zur Exzentrik hat, war ja immer bekannt. Und daran hat sich nie jemand gestört, so lange er kontinuierlich seine Leistung gebracht hat. Und so wäre den meisten vermutlich ziemlich egal gewesen, wenn „Auba“ mal zu spät zum Training kommt. Doch von ihm war in den letzten Wochen auf dem Platz nicht viel zu sehen. Keine Lust? Formkrise? Sehnsucht nach Spanien? Man weiß es nicht. Doch was es auch ist: es nervt und es kommt zur absoluten Unzeit.

Womit wir wieder beim Derby wären. Denn auch dieses scheint gerade zur absolut falschen Zeit vor der Tür zu stehen. Abgesehen von einigen kämpferischen Optimisten, die fest davon überzeugt sind, dass ein glanzvoller Sieg gegen den alten Erzrivalen eine neue goldene Ära beim BVB einleiten wird, ist der Blick aufs Derby im schwarzgelben Lager erstmals seit Jahren eher ein wenig bang.

Schwer vorstellbar

Es fällt momentan schwer, sich vorzustellen, dass der BVB ausgerechnet in einem Spiel, in dem der Druck von außen so hoch ist, den Negativtrend herum reißt – so sehr man auch darauf hofft. Doch die Festung Westfalenstadion ist zurzeit ein brüchiges Bauwerk. Selbst von der fast sprichwörtlichen Heimstärke des BVB ist nichts mehr übrig.

Wenn das Derby verloren geht, dürfte Peter Bosz seinen Job wohl bald los sein. Zeigt die Mannschaft im Derby eine ähnlich desaströse Leistung wie in Hannover, gegen Apoel oder in Stuttgart, könnte das bisher leise Murren nach dem Spiel schlagartig ohrenbetäubend werden.

Was vor dem Spiel schließlich bleibt, ist die Hoffnung. Wo auch immer die Dinge gerade im Argen liegen, fällt es doch schwer, sich vorzustellen, dass eine so hochkarätig besetzte Mannschaft dauerhaft in der Krise bleibt. Ist es wirklich nur eine Kopfsache? Ein Sieg und der Knoten ist geplatzt? Dann wäre das Derby doch in der Tat eine gute Gelegenheit, die Wende einzuleiten. Ein frühes BVB-Tor vielleicht, dann ist mit einer euphorisierten Südtribüne im Rücken sicher vieles möglich. Vielleicht wird aus der Unzeit dann ein Sieg genau zur richtigen Zeit.

Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
1FC Bayern3488:325678
2Dortmund3481:443776
3RB Leipzig3463:293466
4Bayer 043469:521758

 


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PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
1FC Bayern3488:325678
2Dortmund3481:443776
3RB Leipzig3463:293466
4Bayer 043469:521758

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