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Favre würde Montagsspiele verbieten
Stimmungsboykott: Stille im Westfalenstadion beeindruckt

(Foto: dpa)
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Dortmund – Wie Sie hören, hören Sie nichts. Der Stimmungsboykott in der Bundesliga beeindruckt in Dortmund besonders. Wenn 81.365 Zuschauer eine Halbzeit lang ihre Unterstützung verweigern, ist das ein hörbarer Protest der anderen Art. Da bleibt selbst der besonnene BVB-Trainer Lucien Favre nicht stumm, auf der Pressekonferenz nach dem Spiel von westline auf das Thema angesprochen. Die Spieltagsplaner der DFL bekommen von ihm ordentlich was zu hören.

Samstagnachmittag, 15.30 Uhr, Westfalenstadion. Dortmund gegen Freiburg. Irgendetwas ist anders. Die Nase riecht noch immer den Duft von Bratwurst und Bier, die Augen sehen immer noch alles in Schwarz und Gelb, aber die Ohren hören kaum etwas. Stimmungsboykott in der Bundesliga, die ganze erste Halbzeit lang. Den Grund präsentieren die Ultras auf der Südtribüne: „Montags frei – auch in Liga 2 und 3!“, lautet die Forderung. Gut zwei Minuten nach Spielbeginn wird das Banner wieder eingerollt. Der stille Protest bleibt.

Und das ist der richtige Weg. Keine Obszönitäten, kein Funktionär im Fadenkreuz. Fehlt nur das Wörtchen „bitte“ auf dem Plakat. Die Aktion wirkt weder überheblich noch unterwürfig, sondern schlichtweg bestimmt. Hörbarer Protest kann eben auch leise sein.

Über den Hintergrund kann man streiten, Montagsspiele hin oder her, darum soll es hier gar nicht gehen. Denn es gibt etwas, über das sich alle einig sein müssen: Diese gespenstische Stimmung kann niemand in den deutschen Stadien wollen. Nicht die Spieler, nicht die Trainer, wie Lucien Favre später bestätigt, nicht die Funktionäre. Das Schweigen kommt an. Die Lautstärke der Fans ist ihre Macht.

Machtdemonstration auf den Rängen

Dementsprechend sind die ersten 45 Minuten eine Machtdemonstration. Weniger auf dem Platz, aber ganz deutlich auf den Rängen. So bahnen sich andere Geräusche den Weg in die Gehörgänge. Auf dem Platz drischt Dan-Axel Zagadous in blau-schimmerndes Textil gehüllte linke Klebe den Ball nach vorne. Plonk. Zu hören in 20 Metern Höhe. Auf der Tribüne isst die Kollegin ein Eis. Schmatz. Zu hören aus 20 Zentimetern Entfernung.

Zumindest lassen sich so die Durchsagen einwandfrei verstehen. Schade, dass nicht Champions League ist, sonst würde Herr Pieper noch hörbarer zum Infostand gerufen. Aber es gibt Wichtigeres als die süffisant versteckte Werbung. 6. Minute. „An die Freiburg-Fans in Block 61, bitte rückt auf und rutscht ein bisschen zusammen, damit auch eure Kollegen auf die Tribüne kommen können.“ 27. Minute. „Michael B. (Name gekürzt) bitte zum Sanitätsraum Süd.“ Was ist passiert? Ja, es gibt sogar Wichtigeres als Fußball.

Das ganze Stadion ist ein einziges Rauschen, Murmeln, Wabern. Der sanfte Klangteppich wird nur selten zerschnitten. In der 7. Minute schwappt ein zaghaftes „Heja BVB“ durchs Stadion, das aber schnell verhallt. Etwas später, fordernde „BVB“-Rufe, die vergeblich auf ein Echo warten. Stattdessen schicken die Ultras ein Echo der anderen Art. Pfiffe, böse Blicke. Diese Streikbrecher. Sie sind in der Unterzahl. Zumindest gefühlt.

Das gilt auf dem Platz auch für die Freiburger, die in Wahrheit natürlich die volle Spielzeit zu elft bestreiten. Der BVB spielt mit mehr Tempo, fast so, als wollten sich Reus und Co die Unterstützung ihrer Fans erlaufen. Die gibt es zumindest häppchenweise. Wohlwollendes Klatschen bei vielversprechenden Aktionen, die meistens von Jadon Sancho kommen, oder als Mario Götze in der 24. Minute die Führung auf dem Fuß hat. Böses Pfeifen bei Fouls der Freiburger oder strittigen Schiedsrichterentscheidungen.

Richtig still wird es in der 36. Minute. Dan-Axel Zagadou geht mit einer Fußblessur zu Boden. Teamarzt Markus Braun gibt das wortlose, unmissverständliche Zeichen: Wechsel. Applaus, als Zagadou vom Feld geht. Manche nutzen die Unterbrechung für eine vorgezogene Halbzeitpause. Schnelleres Bier, frühere Bratwurst. Nicht so die Fans auf der Süd. Sie bleiben hart und stumm bis zum Beginn der zweiten Hälfte. Bis dahin passiert noch eine Kleinigkeit: Marco Reus trifft per Elfmeter. „Olé, hier kommt der BVB“, dröhnt es durch die Boxen. Die Süd bebt, aber es ist nur der Bass aus der Anlage.

Zwanzig Minuten später, Anpfiff zu Halbzeit zwei. Die Explosion. Stimmung, wie sie sein soll. Wer in der Mitte sitzt, bekommt zu hören, wie beide Welten aufeinander prallen, nein, sich vermischen. Die deutlich kleinere Freiburger gegen die übermächtig wirkende Dortmunder Welt. Protest verbindet. Danke, mag man den Fans zurufen, ihr schweigt und schreit für alle, die den Fußball lieben. Passend dazu färbt sich ab kurz nach halb fünf der Dortmunder Himmel dunkelblau.

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