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Gefühlschaos
War früher alles besser? Borussia Dortmund löst keine Emotionen mehr aus

(Foto: Dellbrügge)
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Dortmund – Das Flutlicht in Dortmund ist an: Der BVB empfängt gleich den FC Salzburg. Achtelfinale im Europapokal. Eigentlich ein Feiertag für einen Fußballfan. Doch unser Autor Florian Dellbrügge merkt, dass es nicht mehr so kribbelt wie früher. Er hat Probleme, sich noch mit all dem zu identifizieren. Der Versuch einer Erklärung...

Donnerstagabend in Dortmund. Das Flutlicht im Westfalenstadion ist an. Europapokal-Achtelfinale gegen Red Bull Salzburg, oder auch gegen den FC Salzburg. So heißt der Klub ja in internationalen Wettbewerben. 

Seit Kindestagen bin ich Fan des BVB, daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht. Doch an diesem Donnerstagabend frage ich mich allen Ernstes: Muss ich da jetzt hin? Seit Monaten, nein eher schon seit zwei Jahren entferne ich mich emotional mehr und mehr vom BVB. Die Entscheidung fällt am Ende aber doch pro BVB, denn der Klub ist eben dieses eine Ding, was mich seit jeher begleitet.

Der Weg zum Stadion ist der gleiche wie immer, einmal durch die Innenstadt, dann die Hohe Straße hoch, an der Westfalenhalle vorbei und dann zum Stadion. Das mache ich so, seitdem ich alt genug bin, um alleine ins Stadion zu gehen. Die Leute, die man auf dem Weg trifft, sind seit Jahren die Gleichen. Es riecht alles wie immer, auf dem Weg zum Westfalenstadion nach leicht verkohlter Wurst und Bier und beim Betreten des Blocks ist es auch wie immer.

Ich bleibe kurz stehen und atme einmal tief ein. Dieser Geruch, wenn der Rasen im Stadion sich bemerkbar macht, man die Kippen von abertausenden Rauchern in der Nase hat, es ist alles wie immer. Und doch ist es anders. Ich spüre einfach nicht mehr die Vorfreude auf das, weswegen wir eigentlich alle hier sind. Aber warum ist das so? Das frage ich mich immer wieder.

Kurz vor dem Anpfiff ertönt You'll never walk alone. Früher bereitete mir das zweiwöchentlich eine Gänsehaut, doch auch das ist nicht mehr der Fall. Und ich merke in meinem Umfeld, dass viel mehr Leute als sonst während des Liedes auf ihr Handy gucken oder einfach sitzen bleiben. Geht es anderen wohl auch wie mir?

Ein Grund für meine Distanzierung ist sicherlich der Fußball, welchen der BVB da gerade auf den Platz bringt. Wie auch das Spiel gegen Salzburg wieder einmal beweist, ist das momentan nicht mehr als tristes Mittelmaß. Keine Ideen, kein sonderliches Tempo - das erinnert an andere Zeiten. Damals als der Rasen im Stadion noch nicht so perfekt war, als die Sitze noch unbequemer waren als das heute der Fall ist. Als das Geld beim BVB gerade mal nicht so locker saß. Es gab Tage, da verlor der Klub dann ein Heimspiel gegen Energie Cottbus. Der Spielvortrag auf dem Rasen war so, wie sich das liest: HEIMNIEDERLAGE GEGEN ENERGIE COTTBUS. Das reicht der Beschreibung, oder?

War früher alles besser?

Und doch war ich damals emotional komplett anders dabei. Eigentlich bin ich mit meinen 28 Jahren viel zu jung, um zu sagen, früher war alles besser. Aber in der Tat fühle ich momentan so. Der BVB ist nicht mehr diese Traumfabrik des letzten Jahrzehnts. Dieser Aufstieg wie Phönix aus der Asche unter Jürgen Klopp, der ist vorbei. Das wissen wir alle seit Jahren. Und ob man sich das eingestehen will oder nicht, diese Zeit wird auch nicht wieder kommen. Dazu entwickelt sich der Fußball viel zu schnell. Eine Mannschaft, mehr oder weniger gerade erst dem Juniorenalter entsprungen, die mit Vollgas durch die Liga rockt? Nein, dass kommt nicht wieder. Es bleibt die Erinnerung an eine unfassbare Zeit. Vielleicht macht es mir das derzeit so schwer.

Mit Sicherheit ist es auch die allgemeine Entwicklung des BVB. Aus einer ziemlich regionalen Sache ist ein internationales Ding geworden. Mit Vorbereitungen in Asien oder im Sommer in den USA. Ich weiß, dass muss sein, damit der Rubel weiter rollt. Damit der Klub sich wirtschaftlich weiter entwickelt und weiter konkurrenzfähig bleibt. Das ist nun einmal so und wer heutzutage oben mitspielen will, der muss die Dinge so angehen. Das lässt sich leider nicht verhindern.

Kommerz und Echte Liebe

Aber zurück zum Spiel gegen Salzburg. Nach etwa zehn Minuten bittet die Südtribüne das Stadion erstmals, sich jetzt zu erheben. Ein altbekannter Wechselgesang entsteht. Doch kaum einer macht mit. Es bleibt im Spiel auch die einzige Aufforderung an die Sitzplatz-Fans. Während der Partie beobachte ich die Süd mehrfach. Dabei fällt mir auf, dass neben dem Kern in Block 12 und 13 eigentlich auch dort nur noch emotionslos herumgestanden wird. Klar, dass Spiel gab keine großen Anschübe für emotionale Extasen, aber früher war das echt mal anders. Die besten Fans der Liga? Pardon, dass ist einfach nicht so.

Es nervt mich während des Spiels schon, dass es immer dann am lautesten wird, wenn dem Gegner die Aufmerksamkeit gilt. Bei "Bullenschweine", "Ihr macht unseren Sport kaputt" und "Wer nicht hüpft, der ist ein Bulle" merkt man dann doch, dass die Leute noch nicht ganz eingeschlafen sind. Aber wie bescheuert ist das bitte? Da spielt gerade der BVB, pardon, den letzten Scheiß zusammen, aber anstatt das Team irgendwie nach vorne zu brüllen, kümmert man sich dann doch erst einmal um den Gegner. Die Fans als zwölfter Mann? Ich sehe das dieser Tage nicht.

In der Reihe vor mir sitzt vermutlich der beste Trainer der Welt. Das entnehme ich jedenfalls seinen Anmerkungen zum Spiel. Ich hoffe, der junge Mann hat heute keine Fußschmerzen, so oft wie er vor die Absperrung getreten hat. Auch er ist einer der großen Kritiker des Kommerzes. Red Bull lehnt er komplett ab. Das Salzburg und Leipzig den Sport kaputt machen und sich sowieso alles nur noch um das Geld dreht sieht er ganz genauso. Mit seinem BVB-Trikot unter der lizensierten BVB-Jacke, mit der Puma-BVB-Cap auf dem Kopf und die BVB-Handschuhe tragend. Das ist schließlich kein Kommerz, sondern Echte Liebe. Das muss man schon wissen.

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3FC Bayern1428:181027

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