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Der BVB-Sieg gegen die Bayern
Weil Fußball manchmal einfach geil ist

Der BVB jubelt. Ein fast normales Bild mittlerweile - aber eines, das durch kluge Kaderplanung ermöglicht wurde. (Foto: dpa)
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Dortmund – In einem atemberaubenden Spiel hat sich Borussia Dortmund am Samstagabend gegen den FC Bayern durchgesetzt. Und schwebt damit weiter auf Wolke sieben durch die Bundesliga. Das war noch im Frühjahr völlig undenkbar. Florian Dellbrügge über einen Samstag, über ein Spiel, welches uns aufzeigt: Manchmal ist Fußball einfach nur geil.

Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich an dieser Stelle darüber geschrieben, wie sehr ich mich vom Fußball im Allgemeinen und von Borussia Dortmund im Speziellen entfernt habe. Es ist noch gar nicht so lange her, als da eine Mannschaft in schwarzgelben Trikot über den Platz schlich, die freundlich ausgedrückt relativ seelenlosen Fußball spielte und sich mit Ach und Krach in die Champions League rettete. Da waren fast Schmerzmittel nötig, um sich das weiterhin freiwillig anzusehen. Auch, weil die Mannschaft ganz offensichtlich zerstritten und in mehrere Lager aufgeteilt war.

Dann wechselte der Klub einmal mehr den Trainer. Mit dem Wechsel zu Lucien Favre scheint Borussia Dortmund ein Glücksgriff gelungen zu sein. Aber der Reihe nach.

Noch immer finde ich es gelinde gesagt bescheuert, dass der Vorjahresvierte es in die Champions League schafft. Dieser Wettbewerb hieß früher Europapokal der Landesmeister. Und genau diese sollten meiner Meinung nach in einer Champions League spielen. 

Football Leaks und die Superleague

Die neusten Erkenntnisse in der Geschichte Football Leaks zeigen einmal mehr, wie dreckig, wie verlogen und wie ekelhaft das Geschäft mit dem Fußball sein kann. Borussia Dortmund ist da mitten drin - da müssen wir uns auch gar nichts vor machen. Als einer der ersten "Gäste" fällt der Name Borussia Dortmund auch mit dem Zusammenhang einer depperten Superleague. Der BVB losgelöst von der Heimat inmitten einer Liga, die nur den Profit kennt. Nein, so einen Quark brauche ich nun wirklich nicht. Und über solche Geschichten kann ich mich gerne und oft aufregen.

Doch dann gibt es da so Sachen wie den Samstagabend. Bundesliga-Spitzenspiel: Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München. Mit Vorzeichen, wie sie so seit langer, langer Zeit nicht mehr im Raum standen. Der BVB ging mit einem Vorsprung in das Spiel und kommt mit einem noch größeren heraus.

Die Saison startete schleppend - mit Ausnahme des Sieges gegen RB Leipzig war da wenig Lametta im Spiel des BVB. Von daher hätte ich im August auch nicht wirklich daran gedacht, einmal wieder jubelnd und fröhlich über den BVB zu schreiben. Doch mit jedem Spiel, jeder Woche wurde in den letzten beiden Monaten deutlicher, wohin dieser BVB mit Lucien Favre und der neuen Mannschaft will.

Highlights wie das Spiel gegen den FC Augsburg und den famosen Hinspiel-Sieg gegen Atletico Madrid nimmt man gerne mit - es ist ja doch der BVB und damit dieser Klub, der einen schon sein Leben lang begleitet. Aber gerade ob der letzten Saison und den ganzen fiesen Dingen rund um den BVB in dieser Zeit ist da innerlich keine Euphorie entstanden.

Doch in der abgelaufenen Woche machte sich dann langsam so ein Gefühl breit, welches zwar irgendwie bekannt, aber doch auch neu ist. Kann es möglich sein, sich tatsächlich wieder auf ein Spiel des BVB zu freuen? Also so richtig?

Schon die Pressekonferenz am Donnerstag ist anders als sonst. Der Presseraum im Stadion war mehr oder minder bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Interesse am Spiel gegen den FC Bayern war riesig – gut 400 Journalisten waren am Samstagabend anwesend und in über 200 Länder wurde das Spiel übertragen.

Bayern startet gut

Aber kommen wir zum Spiel: Die Bayern starten gut und es kommt einem dann doch wieder bekannt vor. In den großen Spielen sind die Bayern dann halt da und funktionieren auf einmal. So kommt es dann, wie es in solchen Momenten kommen muss. Gnabry darf völlig unbedrängt flanken, in der Mitte darf Lewandowski ebenso einköpfen. Scheiße man! Jetzt bin ich doch wieder reingefallen und alles ist wie immer? Denkste!

Bis zur Halbzeit wird es nicht wirklich besser. Der BVB wirkt gehemmt, kann seine Schnelligkeit nicht auf den Platz bringen. Und wenn doch, dann nicht effizient genug, um daraus auch wirklich einen Nutzen zu ziehen.

Nach dem Seitenwechsel ändert sich das Bild. Marco Reus holt clever einen Elfmeter heraus. Und verwandelt gegen Neuer sicher. Der Ausgleich und neuer Schwung. Auf den Rängen und auf dem Rasen. Doch in dieses Hoch hinein darf Lewandowski – der am Samstag schon fast nervig oft reklamiert – seinen zweiten Treffer erzielen.

Massenhaft Chancen für den BVB

Wirklich beeindrucken lässt sich der BVB davon nicht, spielt seinen Stiefel jetzt weiter und kommt zu massenhaft Chancen. Die Mannschaft nutzt sie schlicht nicht. Im Kopf gehen schon die Gedanken um, wie die Bayern sich nun hier wieder einmal einen Sieg erduseln. Man hat es ja doch schon oft genug erlebt.

Doch den schwersten aller Abschlüsse versenkt Marco Reus dann auf einmal im Kasten vor der Südtribüne. Und fordert diese dann noch auf, jetzt bitte nicht leiser zu werden. Und die Ränge beben. Denn jeder spürt hier, die Bayern sind angeknockt, sie sind ausgelaugt.

Und dann kommt die 73. Minute. Jadon Sancho gewinnt tief in der eigenen Hälfte den Ball gegen Ribery und spielt auf Reus, der auf Witsel ablegt. Und der belgische Mittelfeldmotor sieht Paco Alcacer starten. Und natürlich spielt Witsel, der beste Transfer des Sommers, im genau richtigen Moment, um die verbliebene Hintermannschaft des FC Bayern zu sezieren.

Und Alcacer, dieser abgewichste Hund, lässt Manuel Neuer nicht den Hauch einer Chance und vollendet einen mustergültigen Konter zum 3:2 für Borussia Dortmund. Es gibt jetzt kein Halten mehr. Auch mit dem Lasso ist beim BVB niemand mehr einzufangen. Warum auch?

Die Schlussoffensive des Gastes aus München überstehen die Mannen von Lucien Favre schadlos – wenngleich auch mit verschärften Herzinfarktrisiko, als Lewandowski den Ball in der Nachspielzeit über die Linie drückt. Aber es war Abseits. Es...war...Abseits...durchatmen.

Der Schlusspfiff besiegelt jetzt endgültig das Erdbeben der Stärke 09. Borussia Dortmund schlägt den FC Bayern München. Borussia Dortmund ist Tabellenführer der Bundesliga und hat nunmehr schon sieben Punkte Vorsprung auf den FC Bayern. Wow!

Fans sind wieder mit im Boot

Innerhalb kürzester Zeit, so scheint es gerade jedenfalls, hat es der Verein geschafft aus der Tristesse des Frühjahrs herauszutreten und dem Laden einen ganz neuen Anstrich zu verpassen.

Lucien Favre hat es geschafft, der Mannschaft wieder eine klare Idee mit an die Hand zu geben. Mit jungen, hungrigen und bis in die Haarspitzen talentierten Spielern – ebenso mit Leadern wie Witsel und dem fabelhaften Marco Reus macht sich der Klub auf, ein neues Kapitel zu schreiben. Ende offen, Inhalt unbekannt. Aber spaßig.

Die Fans, das Umfeld und nicht zuletzt die Mannschaft wird derzeit mitgerissen und auf einer Welle getragen. Die Fans im Stadion sind wieder mit im Boot – haben Bock auf das was da so kommt. Im Mai war das noch kaum denkbar.

Und doch ist da noch viel Luft nach oben. Das zeigt die erste Halbzeit, als der Druck der Bayern größer und größer wurde. Das zeigen Leistungslöcher, in welchen zum Beispiel ein Julian Weigl oder auch ein Christian Pulisic stecken. Das macht Lust auf mehr.

Fußball kann schon geil sein

Wenn die Football Leaks, die immer neuen Streitigkeiten mit der Polizei, die Zerstückelung der Spieltage zugunsten von Geld, Geld und noch mehr Geld und so viele andere Dinge die Lust auf den Fußball nehmen, dann gibt es da aber auch so Abende wie den 10. November 2018.

Ein großer Trainer hat mal gesagt: Football, bloody Hell.

Der Samstag hat uns allen einfach, endlich mal wieder, gezeigt: Fußball kann schon ziemlich geil sein. Fußball kann Emotionen und Glücksgefühle freisetzen wie kaum eine andere Sache auf der Welt. Deshalb lieben wir dieses Spiel. Danke.

 


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Samstag, 30. März, 15.30 Uhr
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Tabelle

27. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
1FC Bayern2668:274160
2Dortmund2664:303460
3RB Leipzig2644:202449
4M'gladbach2645:311447

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