147. Revierderby
BVB gegen Schalke - und die Polizei klagt über die Vereine

Rund um das Revierderby gibt es durchaus Kritik. (Symbolfoto: firo sportphoto)
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Dortmund – Nach dem letzten Derby in Dortmund kam die Polizei aus dem Schwärmen über das eigene Sicherheitskonzept gar nicht mehr heraus: Vom "friedlichsten Derby aller Zeiten" war die Rede und man klopfte sich auf die Schulter. Dass man als Konsequenz aus diesem gelungenen Nachmittag beschließt, beim nächsten Derby noch striktere Auflagen zu empfehlen, muss man als normaler Fan nicht verstehen.  

Drei Tage vor der "Mutter aller Derbys" beschwert sich die Dortmunder Polizei über die beteiligten Vereine. Der Grund des Anstoßes: Der BVB habe 6.500 statt der geforderten 4.000 Karten nach Gelsenkirchen geschickt. So berichtet es der Reviersport. Tatsächlich hatte der BVB nach eigener Aussage "nur" rund 5.400 Karten nach Gelsenkirchen abgegeben, von denen aber voraussichtlich rund 1.000 Karten nicht genutzt werden - aus Protest. Bei der Borussia rechnet man also mit lediglich 4.500 Gästefans. 

Eintrittskarten werden nicht - wie gefordert - personalisiert und der FC Schalke verzichtet darauf, seinen Fans eine sogenannte "organisierte Anreise" mit dem Bus aufs Auge zu drücken. 

Über all dies ist die Polizei nun empört - und das verwundert ja nun wirklich.

Noch einmal: Das letzte Derby galt als das "friedlichste Derby aller Zeiten". Dabei wies das so gefeierte Sicherheitskonzept durchaus Schönheitsfehler auf. Zu einer Randale kam es nicht. Dass es infolge der Sperrmaßnahmen vor der Nordtribüne auf der Strobelallee teils zu beklemmender Enge kam, wurde nicht thematisiert. BVB-Fans, die aus Richtung Westfalenhallen zum Nordeingang für die Süd- und Westtribüne wollten, wurden trotz gültiger Eintrittskarten nicht durch die Polizeikette gelassen. Informationen seitens der Polizei gab es nicht, es ging teils weder vor noch zurück, die Situation war teilweise sehr beklemmend. So sind auch schon mal Massenpaniken entstanden. 
 
Fans mit Karten für die Nord-Westecke oder für die Nordtribüne schickten die Polizisten zum Südtribünen-Eingang, wo das elektronische Einlasssystem ihnen natürlich den Zugang verweigerte. Das so hochgelobte Sicherheitskonzept hat in Wirklichkeit eine Menge Chaos verursacht - auch deshalb, weil es keine Informationen für die Fans gab. 
 
Doch anstatt sich zu überlegen, wie man sich besser mit den Vereinen abstimmen kann, will die Dortmunder Polizei die Auflagen noch verschärfen. Die Vorschläge entbehren zum Teil jeglicher Realität. So dürfte auch der Polizei bekannt sein, dass man in Deutschland rein rechtlich keinen Fußballfan zwingen kann, die Anreise auf eine bestimmte Weise durchzuführen. Einmal hat es ein Verein versucht: Beim Niedersachsenderby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 im vergangenen Jahr wollten die Hannoveraner ihre Fans zwingen, mit dem Bus nach Braunschweig zu reisen. Ein Fan klagte gegen den Buszwang und bekam vor dem Amtsgreicht Hannover Recht.  

Späte Beschwerde

Merkwürdig mutet es an, dass die Beschwerde der Polizei gerade jetzt kommt, nach dem schon länger bekannt ist, dass die Schalker Ultras und auch einige andere Fangruppen das Derby aufgrund des reduzierten Kontingentes ohnehin boykottieren wollen. 
 
Es gab ohne Zweifel Vorfälle bei einigen Derbys in den vergangenen Jahren. Das soll hier auch nicht bagatellisiert werden. Aber wie weit soll diese Entwicklung noch gehen? Tragen wir Hochrisikospiele irgendwann aus Prinzip ohne Fans aus? Wo Menschen sind, wird es immer auch einige geben, die sich prügeln wollen. Davon wird man sie auch mit dem strengsten Sicherheitskonzept der Welt nicht abhalten können, denn man kann schlecht das ganze Ruhrgebiet abriegeln. Doch 99 Prozent aller Fans sind, wie auch die Polizei selbst gerne betont, friedlich. Sie möchten Fußball schauen. Ein heißes Derby erleben. Vielleicht sogar mit dem Dortmunder Schwippschwager oder dem Schalker Arbeitskollegen vor oder nach dem Spiel ein Bier trinken und etwas herumfrotzeln. Und selbst, wer die martialischen Gesänge während des Spiels mitsingt, haut deswegen noch lange nicht der Gegenseite nach dem Spiel eins auf die Mappe. 
 
Man kann nicht jeden Idioten aus dem Verkehr ziehen. Deswegen muss man doch nicht 80.000 anderen Fans das Spiel des Jahres versauen. Und am Ende stellt sich die Frage: Wäre nach dem "friedlichsten Derby aller Zeiten" nicht eher eine allmähliche Lockerung der Auflagen angebracht gewesen? 


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Rückblick

Die beiden Revierderbys in der vergangenen Saison...
6. Spieltag
Schalke vs BVB 2:1
1:0 Matip (10.), 2:0 Choupo-Moting (23.), 2:1 Aubameyang (26.)
23. Spieltag:
BVB vs. Schalke 3:0
1:0 Aubameyang (78.), 2:0 Mchitarjan (80.), 3:0 Reus (86.)
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