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TSG Hoffenheim 1899
«Blutleerer Auftritt»: Hannover wie ein Absteiger

Am Boden: Hoffenheims Joelinton Cassio Apolinario de Lira (l) kümmert sich um 96-Profi Marvin Bakalorz. Foto: Uwe Anspach (Uwe Anspach)

Sinsheim (dpa) – Hannover lässt beim 0:3 in Hoffenheim die Bundesligatauglichkeit vermissen. Trainer und Manager sind entsetzt über die schwache Leistung, glauben aber weiter an die Rettung.

Thomas Doll war mächtig verschnupft - und das nicht nur wegen einer lästigen Erkältung.

Viel mehr setzte dem desillusionierten Trainer von Hannover 96 die desaströse Vorstellung des Tabellenvorletzten beim 0:3 (0:2) gegen die TSG 1899 Hoffenheim zu. «Das war ein blutleerer Auftritt und tat weh, was die Mannschaft hier abgeliefert hat. Wir sind alle geschockt», redete Doll Klartext.

Angesichts des drohendes Abstiegs las der vor drei Wochen als Retter geholte 96-Trainer seinen Schützlingen öffentlich die Leviten: «Es sieht so aus, als hätte der eine oder andere Spieler noch nicht erkannt, in welcher Situation wir stecken. Wir müssen jetzt die Kurve kriegen und uns anders präsentieren. Alle müssen enger zusammenrücken in diesem wunderbaren Verein, damit mal ein bisschen Feuer reinkommt in die Bude.»



Seit 69 Wochen haben die Niedersachsen nun schon nicht mehr auf fremden Plätzen gewonnen. Von einem Ende dieser erschreckenden Negativserie war die Doll-Truppe am Samstag vor 23.404 Zuschauern meilenweit entfernt. «Es war sehr ernüchternd zu sehen, wie leicht man gegen uns gewinnen kann. Wir können froh sein, dass wir nicht mit sieben Gegentoren heimfahren», befand der frühere Bundesligaprofi.

In der Tat hätte Hoffenheim öfter jubeln können als nach den Toren von Joelinton (4. Minute), Ishak Belfodil (14.) und Kerem Demirbay (80.). Dreimal trafen die Hoffenheimer gegen die völlig überforderten Gäste Aluminium, zudem vereitelte Torwart Michael Esser weitere hochkarätige Chancen der spielfreudigen Hausherren. Entsprechend vernichtend fiel auch das Urteil von Hannovers Manager Horst Heldt aus: «Es heißt ja nicht umsonst Abstiegskampf. Wenn man sich nicht wehrt, reicht es nicht.»

Keine Aggressivität, kein Kampfgeist, keine Laufbereitschaft - in dieser Verfassung wird Hannover wohl unweigerlich den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen. «Unsere Spieler sind befähigt, in der Bundesliga zu spielen, aber sie kriegen das momentan nicht hin», stellte Heldt fest.

Doll ist nun gefordert, die Mannschaft wieder aufzurichten und ihr den nötigen Willen einzuimpfen, sich gegen den Abstieg zu stemmen. «Ich werde jetzt nicht mit Straftraining anfangen, aber noch mehr einfordern», verkündete der 52-Jährige. «Wir müssen schnell raus aus der Schockstarre.»

Denn die nächsten Wochen haben es in sich. Zuhause müssen die Niedersachsen gegen die Europa-League-Starter Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen ran - und auswärts geht es in den Kellerduellen beim Tabellen-16. VfB Stuttgart und Tabellen-15. FC Augsburg schon fast um Alles. «Es wird nicht die beste Mannschaft drin bleiben, sondern die mental stärkste. Wir müssen rennen, beißen und alles raushauen», forderte Defensivspieler Matthias Ostrzolek.

Hoffnung auf ein Happy End macht derzeit eigentlich nur, dass auch die mitgefährdeten Teams regelmäßig verlieren. «Darauf können wir uns aber nicht Spieltag für Spieltag verlassen», warnte Doll. «Wir müssen schleunigst ein anderes Gesicht zeigen.» Trotz aller Frustration mahnte Heldt zur Ruhe im Abstiegskampf: «Wenn man die Nerven verliert, ist das Thema erledigt. Das darf nicht passieren, dafür müssen wir alle sorgen.»

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