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Der Weg des Dinos
Fünf gute Gründe für einen HSV-Abstieg. Oder doch nicht?

(Foto: dpa)
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Hamburg – Der Hamburger SV hofft noch immer auf den Ligaerhalt. Am Montag werden die HSV-Fans mit Bangen auf das Duell Mainz gegen Freiburg schauen. Nicht wenige Fans in Deutschland allerdings wünschen dem Bundesliga-Dino mittlerweile den Gang in die Zweitklassigkeit. Der Traditionsclub habe sein Glück in zwei Relegationsrunden mehr als aufgebraucht.

Mal unabhängig von den Chancen und der Frage, ob sich der HSV einen Abstieg nicht über Jahre "hart erarbeitet" hätte: Matthias Salm findet fünf Gründe, die für einen Abstieg sprächen. Und auch fünf dagegen...

Fünf gute Gründe für einen HSV-Abstieg:

50+1: Für die Verfechter von 50+1 wäre ein Abstieg des HSV ein Freudenfest. Sind die Hanseaten doch ein Paradebeispiel dafür, dass eine Kapitalgesellschaft nicht automatisch sportlichen Erfolg garantiert. Jedenfalls nicht, wenn Investorengeld sinnlos für überteuerte Kader und überforderte Trainer und Funktionäre verbrannt wird. Und müssten sich die Anhänger von 50+1 das abschreckende Beispiel eines ebenso fachfremden wie sich notorisch einmischenden Investors ausmalen, er sähe vermutlich wie HSV-Geldgeber Klaus-Michael Kühne aus. 

Die Uhr: Jeder Verein hat seine Folklore. Einer steckt Weltstars in Lederhosen, ein anderer lässt seine Spieler durch einen nachgebauten Kohlenstollen auf den Platz laufen. Nichts aber scheint bundesweit unter Fans so verhasst, wie jene Uhr im Volksparkstadion die seit 2001 (ursprünglich ein Sponsorengeschenk) sekundengenau die Zeit seit dem ersten Bundesligamatch der Hamburger zählt. Dabei ist die Uhr weniger ein Ausdruck von Arroganz als vielmehr ein Trauerspiel. Dem zweifachen Europapokalsieger und sechsfachen deutschen Meister ist als einziger Markenkern der Nichtabstieg geblieben. Das war bei Clubs wie dem VfL Bochum (die Unabsteigbaren) einst sympathisch, beim HSV wirkt es kümmerlich. Ein Abstieg gäbe dem Club endlich die Chance, sich neu zu erfinden.

Das Maskottchen: Was für die Uhr gilt, gilt auch für Dino Hermann – das einzige Maskottchen der Bundesliga, das nicht zweitligareif ist. Nicht mal Steven Spielberg könnte es im Falle eines Abstiegs wiederbeleben. Nach 15 Jahren wäre es Zeit zum Aussterben. Vorschlag: Die Erlaubnis beim bekennenden HSV-Fan Olli Dittrich einholen und künftig eine Dittsche-Nachbildung mit Bademantel und Plastiktüte durchs Stadion laufen lassen. Dann wäre der HSV auch in Sachen Selbstironie mal ganz weit vorn.

Die Bayern: 39 Tore kassierte der HSV in den letzten sechs Jahren bei seinen Gastspielen in der Allianz-Arena. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum waren es beim FC Augsburg 17 Gegentore. Der Dino hisst regelmäßig schon bei der Anfahrt nach Fröttmaning die weiße Fahne und blamiert damit nicht nur sich selbst, sondern die ganze Liga und schadet der internationalen Vermarktung. Vereine wie der HSV sind einer der Gründe, warum die Bayern ihrer Meisterschaften streckenweise im Trainingsmodus einfahren können.

Das Derby: Städtederbys sind in der ersten und zweiten Bundesliga äußerst selten. Gerald Asamoah traf vor sieben Jahren beim letzten Aufeinandertreffen des FC St. Pauli und des Hamburger SV zum 1:0 für die Kiezkicker. Es wäre Zeit für eine Neuauflage. Und sollte Holstein Kiel den Aufstieg in die Bundesliga nicht schaffen, könnten sich die Störche immerhin mit dem ersten Liga-Match gegen den großen Nachbarn im Süden seit 1963 trösten - im letzten Jahr vor Einführung der Bundesliga trafen sich Kiel und der HSV noch in der alten Oberliga Nord.

 


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Und fünf dagegen:

Der Rekord: Auch wenn es viele Fans in Deutschland nicht mehr hören können, dass der HSV immer erstklassig war (und das schon seit 1919): Es ist einer der wenigen Rekorde im deutschen Vereinsfußball, den der FC Bayern für alles Geld der Welt nicht kaufen kann. Denn bei Gründung der Bundesliga wurde 1860 den Bayern vorgezogen, im Folgejahr scheiterte der Rekordmeister in der Aufstiegsrunde an der Borussia. Der aus Neunkirchen wohlgemerkt.

Die Provinz: So sehr es zu bewundern ist, mit welch geringen Mitteln sich Clubs wie der FC Augsburg, Mainz 05 oder der SC Freiburg in der Bundesliga behaupten – die Masse der Fußballfans hierzulande juckt das nicht. In der vom Branchendienst meedia.de veröffentlichten Sky-Zuschauer-Rangliste liegen die Fuggerstädter an letzter Stelle. Knapp davor der FSV Mainz 05. Freiburg liegt auf Platz 15. Ebenso wenig wollen die TV-Zuschauer die Werksclubs aus Leverkusen (Platz 16) und Wolfsburg (Platz 13) sehen. Der HSV hingegen rangiert beim Interesse der Pay-TV-Kunden hinter Bayern, Dortmund und Schalke auf Platz 4 – passend zu einem Bonmot von Uli Hoeneß, der vor Jahren diese vier Clubs als die einzigen von nationalem Interesse bezeichnete. Zwar stünden mit Nürnberg und Düsseldorf zwei Traditionsvereine in den Startlöchern, um Hamburg und die ebenfalls populären Kölner zu ersetzen, doch mit einem Blick auf die weiteren Aufstiegskandidaten wie Kiel, Regensburg oder Ingolstadt droht eine weitere Provinzialisierung der Bundesliga.

Die Skandale: Heribert Bruchhagen, Jens Todt, Bernd Hollerbach und viele mehr – nur Donald Trump feuerte in den letzten Monaten mehr Mitarbeiter als der HSV. Dazu randalierende Fans, ein nörgelnder Investor und suspendierte Spieler. Die Hanseaten sind der Lieblingsclub der Boulevardpresse. Kein Verein bietet mehr Skandale, Pleiten, Pech und Pannen. Der Vorteil: Im Schatten des HSV können andere Vereine mit einem gelegentlichen Hang zur Selbstzerstörung wie Eintracht Frankfurt, Hertha BSC oder Schalke 04 in Ruhe arbeiten. Und das mit teilweise ansehnlichem Erfolg. Solange 1860 München nur von regionalem Interesse ist, würde sich bei einem Abstieg der Hanseaten der Fokus von Bild & Co. automatisch wieder auf einen anderen Traditionsclub richten.

Uwe Seeler: Jahr für Jahr muss die Vereinsikone vor die Kamera, um den Zustand seines geliebten HSV zu betrauern. Zuletzt hatte der legendäre Stürmer seinen HSV trotz des Sieges gegen Schalke sogar aufgegeben. Die Pleite in Hoffenheim machte es dann nicht besser. Zu gönnen wäre es dem mittlerweile 81-jährigen Vereinsidol dennoch, dass ihm die letzte Schmach erspart bleibt.

Auswärts: Hamburg ist immer eine Reise wert. Den Auswärtsfahrern der Liga ginge eine Stadt mit Fußballflair verloren. Und Wolfsburg bliebe ihnen ein weiteres Jahr erhalten. 

 


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