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Kommentar
Die Bayern-Pressekonferenz: Mia san irre

Uli Hoeneß (Archivbild) (Foto: dpa)
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München – Was 35 Jahre lang unzählige Gegner auf dem Platz nicht schafften, gelang dem Vorstand des FC Bayern per Pressekonferenz in nicht einmal 35 Minuten: Den Rekordmeister nachhaltig der absoluten Lächerlichkeit preiszugeben. Susanne Hein-Reipen glaubt an eine Zeitenwende im deutschen Fußball.

Eine Pressekonferenz wie ein tragischer Unfall: Man will eigentlich nicht hingucken, tut es aber doch. Und schämt sich in Grund und Boden fremd. Was Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Hasan Salihamidzic in München in einem eigens anberaumten Medientermin vor laufenden Kameras alles von sich geben, ist selbst in der an Skurrilitäten nicht armen Bundesliga-Geschichte einmalig peinlich.

„Der wichtigste Club der Bundesliga“ werde künftig „Abrechnungen“ mit seinen Spielern nicht mehr akzeptieren. Ein Neuer beispielsweise sei „viermaliger Welt-Torhüter“. Die Kritik an seinem dicken Patzer gegen die Niederlande und die Bezeichnung der, nun ja, ein wenig pomadigen letzten Auftritte der Bayern-Innenverteidiger Hummels und Boateng als „Altherrenfußball“ nimmt Rummenigge zum Anlass, über Artikel 1 des Grundgesetzes und die Würde des Menschen zu schwadronieren. Eine solche unverschämte und polemische und herabwürdigende und hämische Berichterstattung werde der FC Bayern nicht mehr hinnehmen. 

Hat er das wirklich gesagt? Springt gleich ein Moderator der versteckten Kamera oder Hape Kerkeling auf die Bühne? Nicht nur, dass er den ungeheuren rechtlichen und ethischen Wert der Menschenwürde nicht verstanden hat. Dass es ganz nebenbei noch Meinungs- und Pressefreiheit gibt, wenn man denn schon das Grundgesetz bemühen möchte. Auch, dass der FC Bayern wie kein anderer Verein in Deutschland aufgrund unbestrittener sportlicher Erfolge von Medien wie DFB gleichermaßen gehätschelt wird: geschenkt. 

Ausgerechnet die Bayern

Aber ausgerechnet die FCB-Verantwortlichen mit Abteilung-Attacke-Hoeneß an der Spitze teilen auch wie kein anderer Club großzügig gegen alle anderen aus, egal ob Spieler, Schiedsrichter oder Konkurrenten. Es ist noch keine drei Monate her, als Hoeneß öffentlich Mesut Özil beschied, „seit Jahren den größten Dreck zusammen gespielt zu haben“. Bellarabi wurde von ihm wegen seines Fouls an Rafinha als „geisteskrank“ betitelt. Von Daum und zahllosen weiteren verunglimpften Spielern, Schiedsrichter und Funktionären ganz zu schweigen. Und überhaupt, dass die armen Bayern seit Jahren in der Championsleague vergeigen, ist die Schuld der anderen Vereine, die kein vernünftiges Niveau mehr haben, nachdem die Bayern ihnen die besten Spieler weggekauft haben. Und die Nationalelf? Nun, die können laut Hoeneß ohne Bayern keine Titel gewinnen, aber das peinlich frühe Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft sind dann doch bitte die anderen schuld.

Und noch während die Journalisten versuchen, die passende Bezeichnungen für diese Doppelmoral, dieses „wir dürfen alles und Ihr dürft nix“, diese Überheblichkeit, dass verdiente Bayern-Spieler selbst bei schlechten Leistungen unantastbar sein sollen, zu finden, setzt Hoeneß noch einen drauf:  Als Juan Bernat „einen Scheißdreck“ gespielt und im Alleingang das Beinahe-Aus in Sevilla verschuldet habe, habe er einen Kommentar lesen wollen.

Hold my Weißbier

So etwas kann man sich einfach nicht ausdenken: In einer PK voller Medienschelte wegen angeblich unfairer Berichterstattung nur Minuten später einen eigenen Ex-Spieler runtermachen und als Alleinschuldigen hinzustellen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die guten Zeiten von Uli Hoeneß vorbei sind: Hold my Weißbier. 

Die Pressekonferenz wird quer durch das Netz mit Hohn und Spott übergossen wie keine andere im deutschen Fußball. Und womit? Mit Recht. Sogar zahlreiche Bayern-Anhänger schämen sich in Grund und Boden für diesen peinlichen Auftritt, gegen den das legendäre Gezicke von Tic Tac Toe wie ein netter Kindergeburtstag wirkt. 

Ein Neuanfang ist überfällig!

Der FC Bayern hat mit diesem Auftritt bewiesen, dass die Hauptverantwortlichen an massivem Realitätsverlust leiden und nicht einstecken können. Statt die eigene Transferpolitik und das lange Festhalten an Stars, deren Zenit schon einige Saisons zurückliegt, zu hinterfragen, keilen sie gegen Medien und Experten und Ex-Kicker aus. Alle böse. 

Die gute Nachricht daran: Mit diesem Auftritt hat sich die moralische Führungsrolle des FC Bayern im deutschen Fußball, die ohnehin nach der Verurteilung von Hoeneß etwas wacklig geworden war, endgültig erledigt. Bei vernünftiger Betrachtungsweise – also außerhalb Bayerns – sind Rummenigge und Hoeneß kaum noch zu halten. Wer den Balken im eigenen Auge so beharrlich ignoriert, wird nicht mehr ernst genommen! Und verscherzt es sich ganz nebenbei noch mit der bislang durchaus bayernfreundlichen und mächtigen Springerpresse.

Läuft bei Euch, Bayern. Morgen drückt ganz Deutschland Wolfsburg die Daumen, um Euch platzen zu sehen. Und diese Schadenfreude habt Ihr Euch mit diesem Auftritt als Krönung zahlreicher Arroganz-Anfälle selber erarbeitet. 

 


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