westline-Gespräch
Jonas Hector: "Der Abstieg mit Köln zieht mich nicht mehr runter..."

Jonas Hector. (Foto: dpa)
1

Eppan – Jonas Hector erlebte mit dem 1. FC Köln eine mehr als enttäuschende Saison, die mit dem Abstieg in die 2. Bundesliga letztendlich ihren Tiefpunkt erreichte. Statt zurück blickt der 28-Jährige aber lieber nach vorn, wie er uns im Quartier der Nationalmannschaft in Südtirol verriet…

Gesprächskreise überall bei der Nationalmannschaft. Die Stimmung im Quartier der deutschen Auswahl ist sonnig. Ein Hauch von Vorfreude schwebt über allem; und ja, 2014 geistert allen im Kopf herum. Damals wie heute war der Zusammenhalt innerhalb des Teams ein Pluspunkt. Zumindest soll das wieder so sein.

Beim Media Day, dem üblichen "heute sprechen wir alle mit allen"-Tag, boten sich im ziemlich ruhigen Eppan in Südtirol reichlich Gelegenheiten, mal nachzuhorchen. Wie ist es denn so um Stimmung und Stimmungen bestellt? 

Jonas Hector hat an diesem Nachmittag keinen Stress. Geduldig verfolgt er, wie nebenan eigentlich alle von Marco Reus wissen wollen, wie es ihm geht. Zwickt irgendetwas? Nein? Gut. Hector kann das von nebenan ruhiger betrachten, an seinem Tisch ist wenig Betrieb. Dabei könnte man ja schon mal fragen, wiees ihm nach den Abstiegsfrust so geht. Gesagt, getan.  

"Der Abstieg mit dem FC zieht mich ganz und gar nicht mehr runter", verrät er im Gespräch mit westline. "Es ist ja auch nicht so, dass wir am letzten Spieltag kurz vor Schluss abgestiegen sind. Es hat sich ja schon etwas länger angedeutet und war dann zwei Wochen vor Saisonende fix. Wir konnten uns also auf das Ganze einstellen“, so der Kölner. 

Ihm war schon klar, dass er die Vereinsprobleme nicht mit zur Nationalmannschaft nehmen darf, wenn er dort erfolgreich spielen will. "Es war mir bewusst, dass ich in der freien Zeit, die wir vor dem Trainingslager noch hatten, meinen Kopf frei bekommen muss. Und das hat auch ganz gut funktioniert. Ich denke jetzt auch nicht an das, was in der nächsten Saison sein wird." Volle Konzentration liege jetzt auf der Nationalmannschaft und der anstehenden WM. Okay: Den Spieler, der etwas anderes sagt, den müsste man erst noch finden... 

Jonas Hector. (Foto: dpa)

Alle wollen die Titelverteidigung. Ein ziemlicher Brocken wird das. Drei von vier Titelverteidigern sind in den letzten Jahren sogar schon in der Vorrunde aus dem jeweiligen Turnier geflogen. "Als Titelverteidiger in so ein Turnier zu gehen, ist auf jeden Fall etwas Besonders, weil uns viele dann direkt als einen der Topfavoriten einschätzen. Das ist gleichzeitig aber auch noch mal ein anderer Druck. Ich glaube, dass die anderen Mannschaften unbedingt gegen uns jetzt gewinnen wollen.“ Das mache die Sache nicht leichter, aber natürlich auch nicht aussichtslos.  

Für ein erfolgreiches Turnier sei es wichtig, dass am Ende das Gesamtpaket stimme, so der Kölner. Luft nach oben gebe es da aber noch. "Wir müssen auf jeden Fall defensiv, aber genauso auch offensiv noch eine Schippe drauflegen." Österreich lässt grüßen...

Beim Spiel gegen die Nachbarn hatte sich "Die Mannschaft" wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, aber wie das immer so heißt: Deutschland ist ja bekanntlich eine Turniermannschaft, die sich von Spiel zu Spiel steigert. Vielleicht gelingt dies ja auch in diesem Sommer. Zu wünschen wäre es den Jungs und besonders einem so bodenständigen Spieler wie Jonas Hector, dem Vereinstreue wichtiger als Geld ist und das auch in Eppan noch mal betonte: "Ich stehe vollkommen hinter meiner Entscheidung beim FC zu bleiben und freue mich, weiter für den Klub zu spielen, auch wenn es erstmal in der 2. Bundesliga ist", so der 28-Jährige. 

Aber das kommt später. Erstmal ist Nachmittag in Eppan, dann die WM. Und nebenan muss Marco Reus immer wieder erzählen, wie es ihm geht. 

 


Lade Forenbeiträge...