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KFC Uerdingen: So geht es mit dem Grotenburg-Stadion weiter

(Foto: Hein-Reipen)
(Foto: Hein-Reipen)
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Krefeld – Das alte Grotenburg-Stadion in Krefeld wird in den kommenden Jahren saniert. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie. Insgesamt rund 10 Millionen Euro werden im alten Stadion verbaut, wenn die Politik in wenigen Tagen "grünes Licht" gibt. Susanne Hein-Reipen fasst die Entwicklung zusammen und erklärt auch den Zeitplan.

Update 21. November

Die Pläne zum Ausbau der Grotenburg wurden im Bauausschuss ausführlich diskutiert, dabei zeichnete sich eine deutliche Mehrheit für die zweistufige Ausbauplanung ab. Die Vertreter der CDU und der Grünen positionierten sich klar für das vorgelegte Sanierungsmodell, die SPD möchte vor der Sitzung im Finanzausschuss noch einmal kurz beraten, ließ aber ebenfalls durchblicken, dass sie sich anschließen wird. Sie erteilte den Forderungen der FDP nach einem Neubau an einem anderen Standort eine klare Absage, da sämtliche angedachten Alternativstandorte langwierige Änderungen der Bauleitplanung erfordern und deutlich teurer würden.
 
Die eigentliche Entscheidung über den Startschuss für die Sanierungsarbeiten und eventuelle Kostenbeiträge des KFC Uerdingen fällt am Montag, 26. November im Krefelder Stadtrat.

Ursprünglicher Text

Der KFC Uerdingen spielt seine Drittliga-Partien derzeit in Duisburg. Die heimische Grotenburg ist derzeit nicht liga-tauglich. Jetzt liegen die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie des Architekturbüros A. Speer und Partner in Frankfurt vor. Für die Fans des KFC gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht ist: Der KFC wird sicher noch bis 2020 in Duisburg spielen müssen. Die gute Nachricht: Ab Ende 2019 könnte die Grotenburg endlich umgebaut werden. Rund 10 Millionen Euro werden dafür ausgegeben, wenn der Rat am kommenden Montag "grünes Licht" gibt. 

Aber der Reihe nach:

November 2018: Verwaist und still liegt die Grotenburg unter einem bleigrauen Himmel. In den Kurven sprießt das Unkraut kniehoch, Moos und Grünspan breiten sich ungehindert aus. Der Eingang zum Fanblock wird durch ein angerostetes Gitter versperrt; auch die blau-roten Bierpilze und der an Heimspieltagen beliebte Treffpunkt am südwestlichen Flutlichtmast sind menschenleer, totes Laub weht über die Wege. Zwei Sticker „Disappointed“ und „Ich mag Dich ein bisschen mehr als ursprünglich geplant“ passen wie die Faust aufs Auge zur Stimmung der Krefelder Fußballfans.

Das Wunder von der Grotenburg

Dabei war „die Burg“, wie das Grotenburg-Stadion von den Krefeldern liebevoll genannt wird, Schauplatz eines der unvergesslichsten Fußballspiele aller Zeiten: Am 19. März 1986 schaute ganz Europa ungläubig zu, wie Bayer Uerdingen im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger zur Halbzeit gegen Dynamo Dresden mit 0:2 aus dem Hinspiel und 1:3 zurücklag und in den zweiten 45 Minuten noch die Wende zum 7:3 schaffte und in das Halbfinale einzog. 

Das „Wunder von der Grotenburg“ war geboren; doch insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren war die Grotenburg Schauplatz weiterer Spiele, über die Fußballdeutschland sprach: Hier wurde 1983 vollkommen unerwartet der Grundstein für den zweiten Abstieg von Schalke 04 gelegt, hier erzielte Helmut Winklhofer beim 1:0-Sieg der „grauen Maus aus Uerdingen“ bei der „Revanche“ für das Pokalendspiel das erste Eigentor, das zum „Tor des Monats“ gekürt wurde, hier gab es ein 6:4  gegen den VfB Stuttgart. 1994 war die „Burg“ gegen Branchenprimus Bayern München letztmalig ausverkauft (1:1).

Sportliche Talfahrt führte zum Sanierungsstau

Danach ging es bergab, der Rückzug von Bayer im Jahre 1995 leitete finanzielle Schwierigkeiten und daraus folgend eine sportliche Talfahrt ein, die den KFC Uerdingen zeitweise bis in die sechstklassige Verbandsliga führte. Parallel dazu wurde kaum mehr in das altehrwürdige Stadion investiert: Zu klamm war die Stadtkasse, zu niedrig das Zuschauerinteresse, als dass man Geld in die im September 1927 als „Grotenburg-Kampfbahn“ eröffnete und bis 1974 vornehmlich für Leichtathletik-Wettkämpfe genutzte Spielstätte hätte stecken wollen. 

Dass das Schicksal der Grotenburg eng mit den sportlichen Erfolgen bzw. Misserfolgen verknüpft ist, ist nichts Neues: 1975, passend zum erstmaligen Aufstieg der Uerdinger in die Bundesliga, fand eine Runderneuerung statt, bei der u. a. die heutige Südtribüne errichtet wurde, ein Jahr später folgte die markante Flutlichtanlage. 1986 gab es nach dem Pokalsieg und dem Erreichen des Halbfinales im Pokal der Pokalsieger dann anstelle der historischen Haupttribüne die heutige Nordtribüne und die Umwandlung der Stufen in der Zookurve zur heutigen Osttribüne. Mit dem Verschwinden der Laufbahnen erfolgte auch die Umbenennung von der „Kampfbahn“ in „Stadion“. 1990 wurde dann die alte Spielstandsanzeige über der Westkurve, bei der in Handarbeit Tafeln aufgehängt werden mussten, durch die Anzeigentafel im Osten ersetzt; der weitere geplante Ausbau zu einem voll überdachten, reinen Fußballstadion wurde jedoch wegen sinkender Zuschauerzahlen nicht mehr realisiert, der Vorsitzende Hermann Tecklenburg (1999) und ein anonymer Investor (2005) scheiterten schnell mit ihren Ausbauplänen.

KFC auf Kurs Profifußball

Der Sanierungsstau hielt jedoch auch an, als sich der KFC anschickte, sich wieder nach oben zu arbeiten.  2013 mussten wegen falsch angebrachter Wellenbrecher gar sämtliche Stehplätze gesperrt werden, der Fanblock zog in den K-Block auf der Südtribüne um. Sogar die stark in die Jahre gekommene Westtribüne musste wieder herhalten.

Im Frühjahr 2018, der KFC befand sich unter Präsident und Geldgeber Michail Ponomarev

auf Aufstiegskurs in Richtung dritter Liga, ließ sich das Problem nicht mehr wegdiskutieren – und der Krefelder Stadtrat reagierte und genehmigte rund 8,7 Millionen € für die Sanierung. Zusätzlich stellte er eine gute Million für Sofortmaßnahmen an …. zur Sicherung des Spielbetriebs und rund 250.000 € für die umfassende Planung zur Verfügung.

„Machbarkeitsstudie Ertüchtigung Grotenburg“: Sanierung oder Neubau? 

Die Frage, ob eine Sanierung des 91 Jahre alten Stadions für den Profifußball überhaupt möglich und wirtschaftlich vertretbar ist, wurde dem renommierten Architekturbüro A. Speer und Partner in Frankfurt übertragen, deren „Machbarkeitsstudie Ertüchtigung Grotenburg“ nicht nur von Krefelder Fußballfans, die für die Relegation und die laufende Drittligasaison nach Duisburg pilgern müssen, mit Spannung erwartet wurde. 

Entsprechend groß war die Erleichterung, als das Ergebnis verkündet wurde: Ja, die „Burg“ kann für die dritte und zweite Bundesliga saniert werden! Ein am Rande andiskutierter Neubau wäre deutlich teurer und mit Standortsuche und baurechtlichem Vorlauf auch erheblich langwieriger; „Zweigleisigkeit“ – also Sanierung der Grotenburg und Neubau an einem anderen Standort – ist finanziell nicht zu stemmen. 

Voraussetzungen für Liga 3, 2 und 1 – und Kosten

Für die dritte Bundesliga müssen 10.000 Plätze her, wozu u. a. beide bestehende Tribünen um Zugänge und Rettungswege saniert werden und die Fantrennung verbessert werden müsste. In der zweiten Bundesliga müssten eine Rasenheizung und 15.000 Plätze nachgewiesen werden, was zusätzlich eine Erneuerung und Überdachung der Osttribüne und eine Verbesserung der Infrastruktur erfordert, um den benachbarten Zoo und die Anwohner in Bockum und Oppum möglichst wenig zu beeinträchtigen. 

Die Kosten für die Drittligatauglichkeit inklusive Einbau der Rasenheizung und Verbesserung der in die Jahre gekommenen Flutlichtanlage werden auf ca. 10,43 Millionen Euro beziffert, für die zweite Liga kämen noch einmal 6 bis 10 Millionen Euro dazu. Das ab der zweiten Bundesliga erforderliche Sport- und Leistungszentrum müsste an einem anderen Standort entstehen, da es an der Berliner Straße an den erforderlichen Flächen fehlt. Mit den angestrebten 20.000 Plätzen könnte sogar in der ersten Bundesliga gespielt werden; eine „ganz große“ Lösung mit neuer Westtribüne inklusive Hospitality-Bereich und Logen und einer Großgarage mit 400 Stellplätzen etc. würde aber ca. 43,5 Millionen kosten, was aktuell weder erforderlich noch finanzierbar ist. 

Wie geht es jetzt weiter?

Aber auch bei einem stufenweisen Ausbau mit Augenmaß ist noch nicht abschließend geklärt, wie der über die bereits bewilligte Summe von 8,7 Millionen Euro hinausgehende Betrag von 1,73 Millionen Euro aufgebracht werden soll. Nach Ansicht von Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD), selber bekennender und aktiver KFC-Fan, kann es nicht einseitig Aufgabe der öffentlichen Hand sein, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen, da es „schließlich um ein Geschäftsmodell“ geht. Diskutiert wird u. a. eine (erhöhte) Stadionmiete durch den KFC; Bundesfördermittel konnten nicht beantragt werden, da zum erforderlichen Termin noch längst keine projektreife, förderfähige Planung vorlag.

Im zentralen Gebäudemanagement im Krefelder Rathaus wurde nunmehr eigens ein Projektteam ins Leben gerufen. Planungsdezernent Martin Linne wird halb scherzhaft, halb im Ernst mit dem Satz „Der KFC setzt uns durch seinen Erfolg unter Druck!“ zitiert. Und das schlägt sich in für KFC-Fans erfreulichen Planungsfortschritten nieder: Der Fachbereich hat eine Verwaltungsvorlage mit den Plänen erstellt, über die am Dienstag, 20. November, zunächst der Bauausschuss, zwei Tage später dann der Finanzausschuss vorberatend befinden soll. „Showdown“ und hoffentlich grünes Licht für die erste Ausbaustufe ist dann am 26. November, falls der Krefelder Stadtrat die Planung absegnet und die restlichen Gelder bewilligt. 

Geduld ist trotzdem noch von Nöten: Selbst, wenn alles glatt läuft, ist frühestens im Herbst 2020 mit der Fertigstellung zu rechnen, da Vergabe-, Bauantrags- und Ausschreibungsverfahren einen Baubeginn vor dem 4. Quartal 2019 nicht zulassen. Für den KFC bedeutet das mindestens zwei weitere Jahre im Duisburger Exil…

 


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